X*CSD mutiert zum Kindergarten von Antisemiten

​Erklärung einiger Teilnehmer_innen des X*CSD zur dortigen Eskalation um den Nahost-Konflikt
Am 25. Juni 2016 fand in Kreuzberg der X*CSD statt. Im Verlauf der Abschlusskundgebung kam es zu Attacken auf Einzelpersonen und Personengruppen.

Was war dem vorausgegangen?

Einer der ersten Redebeiträge der Abschlusskundgebung am Heinrichplatz wurde von der Gruppe „Berlin Against Pinkwashing“ gehalten und mit stetigem euphorischem Jubel einer Gruppe aus dem Umfeld des Wagenplatz Kanal kommentiert. Viele andere Zuhörer_innen äußerten lautstark ihren Unmut. Auch eine Person, die zuvor selbst als Mitwirkende des Abschlussprogramms auf der Bühne gestanden hatte, buhte und wurde daraufhin von der Gruppe Jubelnder so heftig attackiert, dass eine weitere Person einschritt, um die bedrängte Person zu schützen. Diese wurde nun ebenfalls von der fünfköpfigen Gruppe umringt und mit den Worten: „Du Scheiß-Rassistin! Halt Deine Klappe und verpiss Dich!“ beschimpft und bedroht.

Am späteren Abend wurde ein Redebeitrag vom Wagenplatz Kanal gehalten. Die Redner_innen des Wagenplatz Kanal begannen ihren Beitrag, indem sie sich für „die grandiose Rede“ von Pinkwashing Berlin bedankten und sich „zu hundert Prozent“ hinter deren Redebeitrag sowie hinter „BDS“ (Boycott, Divestment and Sanctions) stellten, was, nachdem sich die Situation bereits wieder beruhigt hatte, zu erneuten Protesten von Seiten vieler Zuhörenden führte. Die Eskalation erreichte ihren Höhepunkt, als von der Bühne aus gesagt wurde, das Problem seien nicht die Geflüchteten, sondern die Besetzung Palästinas und die Massaker in Kurdistan. An dieser Stelle wurde ein Plastikbecher auf die Bühne geworfen, der Redebeitrag kurz unterbrochen und dann fortgeführt: „Die Regierung spricht von einer sogenannten Geflüchteten-Krise, aber sie sind nicht das Problem. Die Probleme sind die Massaker und die Besetzung Palästinas, ich sag’s nochmal: die Besetzung Palästinas ist das Problem. Free, free Palestine!“ Im Publikum kam es zu handgreiflichen Auseinandersetzungen, in denen Menschen aus dem Umfeld des Wagenplatz Kanal eine zentrale Rolle spielten. Wie bereits bei dem ersten Vorfall wurden auch diesmal Leute, die intervenierten, bzw. die Situation schlichten wollten, aggressiv angegangen. Es wurde behauptet, dass mehrere Glasflaschen auf die Redner_innen geschmissen worden wären und im Folgenden wurden trotz Deeskalationsbemühungen Platzverweise von der Gruppe des Wagenplatz Kanal gegen Personen ausgesprochen („Du gehörst nicht nach Kreuzberg/Du hast auf dem X*CSD nichts verloren“).

Mit der Aussage, das Problem seien nicht die Geflüchteten, sondern die Besetzung Palästinas und die Massaker in Kurdistan, wird die Politik der Netanjahu-Regierung mit derjenigen der Erdoğan-Regierung oder gar des klerikalfaschistischen Islamischen Staats gleichgesetzt. Zugleich wird in einer Situation, in der die meisten Menschen aus Syrien, Afghanistan, Somalia oder Irak fliehen, die Besatzung Palästinas an erster Stelle der Fluchtursachen genannt. Angesichts der dramatischen Flucht- und Migrationsbewegungen in Nachbarländer und nach Europa, dem fortdauernden Krieg in Syrien, dem tausendfachen Ertrinken Flüchtender im Mittelmeer, dem Erstarken von rechten Parteien und rassistischen Kräften, der de-facto-Abschaffung des Asylrechts, dem krassen Anstieg rechter Gewalt in Deutschland, würden wir den Satz „Das Problem sind nicht die Geflüchteten, sondern…“ sicherlich anders beenden als die Redner_innen des Kanals.

Wir gehen deswegen davon aus, dass diese Formulierung so gewählt wurde, um in einen innerlinken Streit um die Einschätzung des Nahost-Konflikts zu intervenieren, diesen anzuheizen und gezielt zu eskalieren.

Der Nahost-Konflikt ist eines der umstrittensten, wenn nicht das umstrittenste Thema innerhalb der Linken in Deutschland, das in den letzten 20 Jahren immer wieder zu heftigen, zum Teil gewalttätigen Auseinandersetzungen und Spaltungen geführt hat. Zuletzt eskalierte der Streit auf der revolutionären 1. Mai Demo, auf der Personen attackiert wurden und auf dem Mainstream-CSD. Wer auf der Abschlusskundgebung des X*CSD einen Redebeitrag hält, der sich in diesem Konflikt extrem einseitig positioniert, weiß, dass er_sie auf Widerspruch stoßen wird. Schon bei anderer Gelegenheit – der Nakba-Demonstration am 15. Mai – machte der Kanal Wagenplatz in seinem Redebeitrag deutlich, dass seine Palästina-Solidarität jegliche Formen von Widerstand einschließt. O-Ton: „Wir unterstützen den radikalen Kampf und Widerstand der Palästinenser*innen, was Intifada einschließt.“ Dies in einer Situation, in der Intifada unter anderem bedeutet mit Autos in Menschengruppen zu fahren oder Messerattacken auf Passanten_innen zu verüben. Sowohl der Redebeitrag der Gruppe „Berlin Against Pinkwashing“ als auch vor allem der Redebeitrag des Wagenplatz Kanal, waren nicht darauf ausgelegt, ein andersdenkendes Publikum mit Informationen und Argumenten zu überzeugen. Es ging auch nicht um queere Menschen im Nahen Osten, ihre sehr unterschiedlichen Lebensrealitäten, oder die Frage, wie wir beim Kreuzberger CSD mit ihnen solidarisch sein könnten. Vielmehr wollten die polemischen Erklärungen des Kanal Wagenplatzes provozieren, polarisieren und eskalieren – und haben genau das auch erreicht. Die Gruppe der Aktivist_innen aus dem Umfeld des Wagenplatz Kanal waren auf diese Eskalation innerhalb der queeren Szene vorbereitet und haben sie gezielt betrieben.

Aus der Gruppe aus dem Umfeld des Wagenplatz Kanal wurden andere Teilnehmende als Cis-Macker, weiße Deutsche oder Nazi-Enkel bezeichnet. Diese Fremdzuschreibungen erfolgten nicht als Reaktion auf ein bestimmtes Verhalten, sondern schlicht nach Augenscheinnahme und ohne dass diejenigen, die sie vornahmen, wissen konnten, ob die so Bezeichneten unter anderem auch trans, migrantisch oder jüdisch sind. Unserer Meinung nach konterkarieren die beständigen identitätspolitischen Fremdzuschreibungen und essentialistischen Positionierungen die Kernidee von queerer Politik grundsätzlich. Wenn es bei politischen Differenzen und Konflikten nicht um die Inhalte, sondern zuallererst um Zuschreibungen und Identitäten geht, wird das Motto des diesjährigen X*CSD „Queer bleibt radikal“ ad absurdum geführt.

Wir halten es für eine untragbare Situation, dass eine kleine Gruppe von Aktivist_innen versucht zu bestimmen, welche Positionen und welche Personen sich auf dem X*CSD aufhalten dürfen und dies durch Ausüben moralischen und körperlichen Drucks und Einschüchterungen durchzusetzen versucht. Das kann die Gruppe von Aktivist_innen unter sich so handhaben, wenn sie möchte, dem sollte aber kein Raum auf dem, von einem breiten emanzipatorischen Bündnis getragenen Kreuzberger CSD gegeben werden.

Für uns stellt sich die Frage, wie wir mit dieser Eskalation in Zukunft umgehen. Wollen wir, dass sich diejenigen, die nicht mit einseitiger Verurteilung Israels einverstanden sind, wieder – wie in den letzten Jahren – organisieren, um ebenfalls zwei Redebeiträge zum Nahost-Konflikt oder zu Antisemitismus in der queeren Szene zu halten? Wollen wir, dass sie massiv Präsenz mit Fähnchen zeigen und nun andersrum versuchen, Vertreter_innen anderer Positionen aus der Demonstration zu drängen? Dies würde die Ausgewogenheit wieder herstellen. Es würde aber auch bedeuten, dass wir den Nahost-Konflikt zum zentralen Thema einer Demonstration machen, deren verbindendes Thema die sexuelle und geschlechtliche Emanzipation ist. Aus Erfahrung wissen wir, dass dies zu keinen fruchtbaren Diskussionen führen würde. Schon gar nicht hätten die Menschen in Israel oder Palästina davon einen Nutzen. Oder können wir uns darauf verständigen, dass Positionen, die von einem sehr großen Teil der Teilnehmer_innen des X*CSD scharf abgelehnt werden, zumindest kein Forum auf dessen Bühne bekommen? Wenn es stimmt, dass Gruppen Redebeiträge hielten, die nicht dem entsprachen, was mit dem Orgateam des X*CSDs abgesprochen war, würde dies auch bedeuten, dass diese Gruppen keine Redebeiträge mehr halten dürfen, da sie bewusst, um einen innerlinken Streit zu eskalieren, mit der Absprache der Organisator_innen gebrochen haben.

Wir halten es für eine absolute Notwendigkeit, politische Auseinandersetzungen innerhalb der queeren Linken in einer Form zu führen, die das leichtfertige Denunzieren anderer politischer Positionen als antisemitisch bzw. rassistisch, Einschüchterungen und Bedrohungen, körperliche Gewalt und das Abdrängen von andersdenkenden Teilnehmer_innen ausschließt.
Einige queer-feministische Teilnehmerinnen des X*CSD

#AfD: Aus dem NPD-Programm der 60er wörtlich abgeschrieben

„Wolfgang Benz gilt als der Kenner und Experte des Nationalsozialismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus in Deutschland. Einige von Benz Veröffentlichungen gelten als Standardwerke der Geschichtsforschung zur Zeit des Nationalsozialismus und zu den Abläufen des Holocaust, darunter die „Enzyklopädie des Nationalsozialismus“ (1997, mit Hermann Graml und Hermann Weiß) und das mehrbändige Handbuch des Antisemitismus. Auch Benz Buch Was ist Antisemitismus? (2004) wurde als Standardwerk bezeichnet, ebenso die mit Barbara Distel herausgegebene neunbändige Reihe „Der Ort des Terrors. Die Welt der nationalsozialistischen Zwangslager“ (2005), die als umfassendste Darstellung des NS-Lagersystem gilt und erstmals die verfügbaren Forschungsergebnisse im engeren Sinne der Aufarbeitung zusammenführte.

Das vorliegende Interview hat Antworten gesucht, auf die Fragen, die uns zur Zeit so beschäftigen. 
„Beim Hass auf das Fremde haben Sie schon häufiger versucht, historische Parallelen aufzuzeigen. Für Ihren Vergleich, dass die derzeitige Verfolgung der Muslime stark denen der Juden ähnelt, wurden Sie heftig kritisiert…

Ich wurde dafür nicht kritisiert, ich wurde geschmäht und mit Kampagnen überzogen.  

 

Aber würden Sie weiter an dem Vergleich festhalten?

Absolut. Die Ausgrenzung erfolgt mit ähnlichen Argumenten. 1879 sagte man noch: „Der Jude überfremdet hier alles, der will hier nur die Macht ergreifen, er ist aufgrund seiner Konstitution böse und nicht assimilationsfähig.“ Heute kann man da das Wort „Jude“ mit „Muslim“ austauschen. Früher sagten die Leute auch: „Im Talmud steht, dass der Jude jedes Verbrechen gegen Andersgläubige verüben darf.“ Heute sagen die Leute mit Schaum vorm Mund: „Im Koran steht geschrieben, dass man die Ungläubigen töten müsse.“ Das ist dieselbe Methode, eins zu eins. Aber das ist sehr schwer zu vermitteln.“
http://www.jetzt.de/aus-geschichte-lernen/wolfgang-benz-im-interview
#AfD #noAfD #Rechtsextremismus #Antisemitismus #Benz

Feine Sahne Fischfilet vs. AfD: Zwischen Dreck und erbärmlich

​Ein Brief an Frauke Petry
„(…) „Hat nicht vor kurzem Ihre Parteikollegin Beatrix von und zu Storch auf ihrer Facebookseite verlauten lassen, dieses Land (also Deutschland) sei erbärmlich? Wie groß mag der Unterschied sein zwischen „Dreck“ und „erbärmlich“? Und hat nicht ein anderer Kollege von Ihnen neulich noch behauptet, die AfD und ihre Anhänger seien die Sex Pistols ihrer Zeit und sich somit in die Nähe einer Band gerückt, die in ihren Liedern die englische Königin als faschistische Idiotin bezeichnete und ihr absprach ein menschliches Individuum zu sein, die nach Anarchie schrie und, auch das noch, Sympathien mit dem Judentum zeigte, wo doch Teile ihrer Partei behaupten, der Jude sei schon immer der innere Feind Deutschlands gewesen. Nun gut, FSF sagen, Deutschland sei Dreck. Das ist nicht strafbar. Ihre Anhänger aber bezeichnen Menschen als Dreck und Schweine, wenn sie auf den einschlägigen Demonstrationen „Weg mit dem Dreck“ oder „Wir woll’n keine Asylantenschweine“ gröhlen. Was wiegt da schlimmer? So ist es auch kein Wunder, dass Ihre Anhänger reihenweise wegen Beleidigung und Volksverhetzung verurteilt werden. Und warum erwähnen Sie nicht den Umstand, dass die Band in früheren Zeiten vom Verfassungsschutz beobachtet wurde (was die Band im übrigen erst bekannt gemacht und aus verrauchten Kellern auf die Rock am Ring Hauptbühne katapultiert hat), wie es andere AfD Seiten gestern noch getan haben? Vielleicht, weil die AfD selbst eine Beobachtung befürchten muss? Weil Teile der AfD mit der Identitären Bewegung sympathisieren, die vom Verfassungsschutz als gefährlich und verfassungsfeindlich eingestuft wird und in entsprechenden Berichten mehr Platz beansprucht als jene Band? Weil in Ihren Reihen immer wieder organisierte Neonazis mitmischen und Sie denen auch noch das Wort geben wie kürzlich in München? Ihre Anhänger monieren, dass gegen Mitglieder der Band ermittelt wurde (übrigens wurden alle Ermittlungen, soweit ich weiß eingestellt), aber wird nicht auch gegen Herrn Rudy, immerhin Thüringer MdL ermittelt, auch noch wegen Steuerhinterziehung, also eine erhebliche Schädigung des Staates? Und was ist mit Ihnen? Meineid? Oder ist das wieder nur eine Ente der Lügenpresse. Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen schmeißen. Die Causa Maas zeigt vielleicht, dass Herr Maas keine Ahnung von der deutschen Popkultur hat und sich allenfalls im Schatten von Campino suhlen wollte. Aber besser informiert sind Sie auch nicht. Denn, geben Sie’s schon zu, bis vorgestern hatten Sie doch keine Ahnung, wer oder was FSF ist und bei diesem Namen allenfalls ans Kühlregal bei REWE gedacht. Oder können Sie ganz spontan, aus purem Wissen heraus, sagen, aus welchem Lied die monierten Zeilen stammen? Worum es da überhaupt geht? Und von wann der Song stammt? Na also.“(…)“ http://robsierichter.blogspot.de/2016/08/ein-brief-frauke-petry.html

Burka-Verbot: Vor dem Anblick des Fremden…

Von Michel Reimon

„Jetzt platzt mir der Kragen, jetzt schreib ich wirklich auch was zur Burka-Debatte. Ich lese gerade in einer deutschen Zeitung über eine Umfrage: „Mehrheit ist gegen Vollverschleierung“ – als ob das Kleidungsverbote rechtfertigen würde.
Was ist das Nächste? Mehrheit gegen jüdische Kippa? Mehrheit gegen Punks? Mehrheit gegen Vollbärte, Tätowierungen oder Beidlmattn?
Und? 
Ich bin Teil dieser Mehrheit gegen Vollverschleierung. Gegen die erzwungene sowieso, aber auch die freiwillige find ich falsch. Ein Gesellschaftsbild, in dem eine Frau selbst glaubt, sich anonymisieren und ent-individualisieren zu sollen, finde ich grundfalsch.
Deshalb soll ich sie zwingen, sich auszuziehen? Gehts noch?
Und die – meist von Männern und älteren Frauen der Familie – erzwungene Vollverschleierung? Das grenzt meiner Meinung nach an Nötigung. Aber dann ist der Täter der Mann oder das Familienmitglied. Okay, reden wir über Gesetze und Verbote und Strafen. Reden wir darüber, wie die Menschen zu bestrafen sind, die Vollverschleierung erzwingen. Werte Konservative und Rechtssozen, legt mir dafür mal einen intelligenten Entwurf vor, wie ihr das juristisch greifbar machen wollt, gern europaweit, und ich schau es mir an. Sowas habt ihr aber nicht. Es wäre wohl auch ziemlich schwer zu fassen, aber ihr versucht es nicht mal. Kleiner Hinweis: Der (österreichische) Nötigungsparagraf würde das durchaus jetzt schon erlauben.
Euch gehts nicht darum, die Frauen vor Zwang zu schützen, euch geht es darum, EUCH zu schützen: Vor dem Anblick des Fremden. 
Das ist eure Motivation.
Und die ist gefährlich. Die Umfragemehrheit soll beeinflussen, wer wie auf die Straße gehen darf, wer was am Strand anziehen darf? Umgesetzt von euch per Gesetz, kontrolliert von Sittenwächtern?
Ihr geht an die Substanz unserer aufgeklärten, liberalen Gesellschaft, die ihr angeblich verteidigen wollt. So, wie ihr das anlegt, befreit ihr keine muslimischen Frauen – ihr schränkt unser aller Recht auf Freiheit ein. Und das regt mich gerade auf, ganz persönlich. Ich will auf den Straßen, Stränden und Bahnhöfen Europas tragen können, was ich will – ohne eure Vorschriften, Umfragen und Sittenwächter. Das ist mein Recht.
Ich will euch nicht gefallen müssen.
(Und die größte Ironie: Natürlich darf man jetzt schon nicht alles tragen, nämlich nicht nichts. Nacktbadeverbote gibts ja schon. Weil der menschliche Körper ja Sünde ist, gell? Bei einer nackten Muslima am Strand würds euch wohl komplett aushängen.)“

Merkel: Fischen am rechten Rand

Von Chronik der Gutmenschen

Fischen am rechten Rand
Was Kanzlerin Merkel da sagt, ist ganz gefährlich. Rein naiv betrachtet, ja, da fordert sie von türkischstämmigen Deutschen und Türken, die hier leben, bloß Loyalität zu Deutschland.
Kann man machen, is‘ aber halt scheiße.
Fangen wir mit der Motivation an. Warum sagt sie das? Schwierig. In den letzten Wochen kamen von der Bundesregierung immer wieder – berechtigte wie unberechtigte – Provokationen in Richtung Türkei. Auch fasste man die pro-AKP-Demo in Köln eines Teils der Türken als Akt einer gewissen Illoyalität auf. Zum Dritten ist in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern gerade Wahlkampf und Merkels Forderung dürfte besonders beim rassistischen Wähler gut ankommen.
Zur Bedeutung: Wenn Merkel sagt, von Türkischstämmigen erwarte man ein hohes Maß an Loyalität, dann impliziert sie, dass sie diese vermisst. Es wirkt ein Stück weit wie die in der AfD praktizierte Unterscheidung in „Uns“ Biodeutsche und „Die“ Anderen (Türkischstämmige, Geflüchtete, Personen mit Migrationshintergrund, People of Colour…) – Merkel bewirkt also eher das Gegenteil von dem, was sie verbal sagt. Derartige Bestätigung, das hat uns die Geschichte gelehrt, gräbt den Rechten aber keineswegs das Wasser ab, sondern bestärkt sie nur, noch radikaler zu werden. Mit solchen Sätzen stärkt und bestärkt sie rechte Gesinnung.
Zum Schluss möchte ich den Begriff „Loyalität“ hinterfragen. Kurz: Ich verstehe ihn nicht, für mich ist er nicht mehr zeitgemäß. Loyalität steht in meinen Augen für Gehorsam, Treue, Ergebenheit. Das kann und das will ich keinem Staat leisten und ich würde es auch nicht von Anderen fordern. An Gesetze halten? Klar! Das kannst du aber nicht von einem Bevölkerungsteil fordern, weil du ihn damit stigmatisierst. Die rassistische rechte Forderung „kriminelle Ausländer abschieben“ ist ein gutes Beispiel.

Loyalität bedeutet Unterordnung. Wer von jemandem Loyalität einfordert, erhöht sich gegenüber demjenigen, schafft Hierarchie. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das der Kanzlerin nicht bewusst war.
Zusammengefasst: Ich halte das Zitat der Kanzlerin für hochgefährlich. Sie gibt den Rassisten Zucker und entfremdet den türkischstämmigen Teil unserer Bevölkerung, wertet ihn herab. Es gibt keinen guten Grund für derartiges Handeln. (f)

Bitte nicht ausgrenzen!

„Anlässlich der Nachricht, dass eine Schule einem Kind mit Autismus verboten hat an einem Schulausflug teilzunehmen, fühle ich mich mal in der Pflicht, das zu schreiben. Es gibt Buben und Mädchen, die nicht eingeladen werden auf Geburtstage, zum Beispiel. Es gibt spezielle Kinder, die gerne Teil eines Teams wären, aber nicht gewählt werden, weil es wichtiger ist, zu gewinnen als diese Kinder zu integrieren. Kinder mit besonderen Bedürfnissen sind entweder selten oder anders. Sie wollen, was jeder will: akzeptiert werden!!! Gibt es jemanden, der bereit ist, diese Nachricht zu kopieren und auf seiner Pinnwand zu veröffentlichen, damit die Kinder mit speziellen Bedürfnissen auch normal behandelt werden?

Ich kopiere das sehr gerne in meine Chronik, denn kein Mensch, ganz besonders Kinder, sollten das Gefühl haben ausgegrenzt zu werden.

KOPIEREN ist absolut erlaubt!

Nicht teilen!!! Einfach lang auf den Text drücken.“ Via Steffen Oppermann

Ernst Nolte, der alte, antikommunistische Reaktionärssack, ist tot

Von Fabian Lehr

Quelle https://m.facebook.com/story.php?story_fbid=10208846136664958&id=1660329755

„Ernst Nolte, der antikommunistische alte Reaktionärssack, hat schließlich doch noch den Löffel abgegeben. Nolte, im großen „Historikerstreit“ der 80er Jahre die zentrale Figur, war der bedeutendste intellektuelle Wortführer der rechten Intellektuellen in dieser Auseinandersetzung und entwickelte sich später in seinen politischen Ansichten zu so einer Art Halbfaschisten. Politisch war der Kommunistenfresser Nolte so ziemlich das Rechteste, was im intellektuellen Establishment der Bundesrepublik so durchgeht. Aber: Der Mann hatte intellektuell unbestreitbar was drauf, war vermutlich der klügste reaktionäre deutsche Historiker seiner Generation, der Theorie und Geschichte des Marxismus und der hegelianischen und marxistischen Philosophie im Gegensatz zum liberalen 08/15-Antikommunisten wirklich tiefgehend studiert hatte, ehe er an deren intellektuelle Bekämpfung ging. Das schlägt sich in seinen Büchern nieder, die hart reaktionäre, aber oft sehr klug argumentierte Positionen vertreten, die meistens schlauer sind als die sich über ihn empörenden bundesrepublikanisch-staatstragenden liberalkonservativen Historiker. Sogar im Historikerstreit selbst kommt der Ultrareaktionär Nolte auf der analytischen Ebene einer marxistischen Position viel näher als seine liberalen KritikerInnen: Noltes Kernthese besteht darin, dass der Nationalsozialismus und seine Gräueltaten eine Reaktion auf den Bolschewismus darstellen. Dass der Faschismus eine Reaktion der Bourgeoisie auf die außen- und innenpolitische Gefahr durch die Ausbreitung der kommunistischen Parteien und der kommunistisch beeinflussten ArbeiterInnenbewegung seit dem ersten Weltkrieg war, dass Faschismus nicht denkbar ist, ohne dass zuvor kommunistische Revolutionen und revolutionäre Parteien der Bourgeoisie einen Schreck in die Glieder gejagt haben, ist ja für MarxistInnen eine völlige Trivialität. Der Antikommunist Nolte belässt es halt nicht bei dieser trivialen analytischen Feststellung, sondern zieht daraus dümmliche moralische Urteile, dass die bösen Bolschewiken indirekt an Auschwitz „schuld“ seien und Stalin auch kein besserer Mensch als Hitler war usw. usf. – aber die große Masse der liberalen Intellektuellen, die Nolte im Historikerstreit von einer staatstragend-liberalkonservativen Warte aus angriffen, attackierten ihn vornehmlich gar nicht für solche Dämlichkeiten, sondern für sein grundlegendes analytisches Urteil, dass der Faschismus eine aus bürgerlicher Sicht rationale Reaktion auf die Bedrohung ihrer Herrschaft durch die Fortschritte der kommunistischen Bewegung darstelle, wohingegen sie den Faschismus und besonders den Nationalsozialismus als irrationalen Ausbruch wahnwitziger Verbrecherinstinkte betrachteten, die als rationales Handeln zu verstehen moralisch inakzeptabel sei – wohl nicht zuletzt, weil das Bemühen um Verständnis der historischen Logik des Faschismus zum Schluss führen würde, dass dieser eben NICHT, wie von staatstragenden Liberalen und Konservativen gern behauptet, die Negation des bürgerlich-kapitalistischen Staates ist, sondern eine spezifische Ausprägung von ihm in Zeiten schwerer ökonomischer und sozialer Krisen. Der Rechtsextremist Nolte hat analytisch das Wesen des Faschismus viel besser erfasst als solche liberalen Verfassungspatrioten, nur dass der Clou bei ihm eben darin besteht, dass er daraus keine Ablehnung des bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaftssystems ableitet, sondern Nachsicht gegenüber dem Faschismus.

Aber ich schreibe demnächst eh mal eine Rezension zu Noltes „Der Faschismus in seiner Epoche“.“