Polizeigewalt in Hamburg: Versuchter Totschlag 

„Wie die Tiere“

„F. wird zu Boden gerissen, seine Brille fliegt weg und geht zu Bruch. Anschließend schlagen und treten mehrere Beamte auf ihn ein.

„Die sind über mich hergefallen wie die Tiere“, erinnert sich F., „Ich habe so etwas noch nie erlebt – und auch nicht für möglich gehalten.“ F. schildert Tritte und Schläge gegen den Kopf, sowie den ganzen Körper. Als einer der Beamten „verpiss Dich“ gerufen habe, habe er aufstehen wollen, doch sofort sei wieder auf ihn eingetreten worden. „Ich bin kein Jurist, aber für mich war das versuchter Totschlag“, schildert er die Massivität der Gewalteinwirkung aus seiner Sicht. Zumindest habe man seiner Ansicht nach mit einer derartigen Anzahl an Schlägen und Tritten schwere Verletzungen billigend in Kauf genommen.“

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#PolizeiHamburg #G20 Bullen im Blutrausch

„Plötzlich seien drei Polizisten gekommen. Einer erklärte, man gäbe ihm nur zurück, was seine Leute ihnen in der Schanze angetan hätten. „Ihr könnt mich festnehmen, ich werde mich nicht wehren“, will er ihnen zugerufen haben. Dennoch hätten sie ihn geschlagen und getreten, andere Polizisten hätten sie umringt, damit die Prügelszene von außen nicht zu sehen sei. Er erinnert sich an Beschimpfungen wie „Dreckszecke“, „Muschi“ oder „Kanake“, Castros Mutter ist Kubanerin.“

Die „Zeit“ berichtet

Der arme Rassist Boris 

Lieber Boris Palmer,
da haben Sie wohl – mal wieder – etwas vorschnell aus der Hüfte geschossen. „Völlig unbekannte Gewalt“ in Schorndorf und „sehr junge Asylbewerber mitten drin“, schreiben Sie da – und fühlen sich als Rassist „gebrandmarkt“, weil sie das Problem in Schorndorf beim Namen nennen. Blöd gelaufen, wenn einen die Wirklichkeit dann einholt und Bürgermeister und Polizei Sie Lügen strafen. 
Deshalb nochmal ganz schnell zu den Fakten: Im schwäbischen Schorndorf hat eine Handvoll alkoholisierter Jugendlicher am Rande eines Stadtfestes gegen Polizeibeamte randaliert. Die Polizei spricht von Flaschenwürfen – und wehrt sich gegen das Geschwafel vom „Ausnahmezustand“. Daneben gab es an anderem Ort vereinzelte sexuelle Übergriffe, die laut Polizei mutmaßlich von drei Afghanen und einem irakischen Mann begangen wurden. Schlimm genug, aber ganz sicher keine „völlig unbekannte Gewalt sehr junger Asylbewerber“.
Aber um Fakten geht’s Ihnen nicht. Sie wollen offensichtlich ganz dicht ran ans fremdenfeindliche AfD-Wählervolk. Schaut man sich die Reaktionen auf Ihrem Facebook-Profil an, haben Sie das auch geschafft. Tief gewühlt haben Sie da im tiefbraunen Sumpf, der Ihnen jetzt  – gleichermaßen faktenfrei – applaudiert. 
Was ich so ärgerlich finde an Ihren Schnellschüssen: Dass Sie mit Ihrem Vokabular niederste fremdenfeindliche Instinkte bedienen und sich dann auch noch als Aufklärer gegen die bösen Antirassisten in der Opfer-Rolle gefallen. Das schaffen sonst nur noch die Damen Weidel und Storch von der AfD und deren männliche Mitstreiter. 
Ja, es gibt laut Polizeistatistik ein Problem mit jungen ausländischen Gewalttätern, über das gesprochen werden muss. Genauso muss sexuelle Gewalt gegen Frauen thematisiert werden. Differenziert, nüchtern und an den Fakten orientiert. 

Dass sie daran ganz offensichtlich nicht interessiert sind, haben Sie nun erneut unter Beweis gestellt. Als Politiker haben Sie sich damit diskreditiert. Als Grüner erst recht.  
Georg Restle

#Schorndorf: Über die Strenge geschlagen oder erfolgreiche Integration?

Von Antifa UG

In irgendeinem schwäbischen Kuhkaff haben am Wochenende ca. 1.000 Jugendliche und junge Erwachsene randaliert, von denen laut Polizei knapp die Hälfte einen Migrationshintergrund gehabt haben soll.
Nun kann man zynisch konstatieren, dass es doch gelebte Integration sei, wenn deutsche und „ausländische“ Jugendliche gemeinsam über die Stränge schlagen. 
Man kann natürlich auch sachlich die verschiedenen Ursachen wie Alkoholeinfluss, soziale Probleme, Gruppenzwang, Unreife oder Leichtsinn beleuchten, deretwegen junge Leute sich zu solchen Handlungen hinreißen lassen. 
Oder man kann dummdreist ausblenden, dass mehr als die Hälfte der Delinquenten Deutsche waren und sich auch nicht ergibt, woher die „nichtdeutschen“ Täter kamen, um völlig undifferenziert gegen Geflüchtete zu hetzen. 
Wir hoffen, dass diese Einfaltspinsel von AfD und PEGIDA damit auch dem letzten Bürger, der sich tatsächlich „nur“ Sorgen macht, zeigen, dass diesem rechtsextremen Gesocks nicht an tatsächlicher Lösung irgendwelcher Probleme oder Anprangerung von Integrationsproblemen gelegen ist, sondern schlichtweg an pauschaler Hetze, die jegliche Gegebenheiten großzügig ausblendet.

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Sanitäter mit Schusswaffen bedroht #PolizeiHamburg #G20

„Das Spiel ist jetzt vorbei!“ – Statement zum Einsatz bewaffneter Spezialkräfte in der Nacht vom 07. – 08.07.2017 in Hamburg #NoG20 #G20 https://t.co/6qfOcZ6S6y


#G20-Nachlese: Die Angst vor der entfesselten Polizei 

Black Mosquito: Bericht einer zu Hause – Gebliebenen 
Auch die Perspektive derer, die die Ohnmacht daheim vor den Bildschirmen erleben mussten, soll Gehör finden – denn die psychischen Schäden der entfesselten Polizei in Hamburg treffen auch sie.

„Ich habe gelernt wie sich Angst anfühlt. Ich spreche nicht von der Angst um mich selbst, sondern von der Angst um andere Menschen. Der G20-Gipfel fand statt und damit einhergehend auch die Proteste. Ich positioniere mich klar gegen den Gipfel und wäre eigentlich gerne in Hamburg dabei gewesen, um meine Meinung auch deutlich zu zeigen, ich konnte allerdings nicht nach Hamburg fahren. Also bin ich zu Hause geblieben, während meine Freund*innen und Bekannte zu den Protesten fuhren. Bereits zuvor dachte ich mir, dass ich mir Sorgen machen werde. Doch am vergangenen Wochenende habe ich mir nicht nur Sorgen gemacht, ich hatte Angst. Angst um das Leben von Menschen – und spätestens als die Meldung von dem Warnschuss kam, wusste ich nichts mehr mit mir anzufangen. Später häuften sich die Meldungen und Fotos von schwerst bewaffneten Cops, die Straßen absperrten, oder vor Häusern standen und sie stürmten. Und ich saß zu Hause und wusste nicht, wie es den Menschen, die da sind, geht. Ich wusste nicht, welche Personen verletzt sind. Ich wusste hingegen, dass noch Materialien für die Versorgung von Verletzten gebraucht wurden. Diese Angst, in die sich die Wut über die massive Gewalt von Seiten der Cops und die einseitige Berichterstattung vieler Medien mischte, wurde begleitet von einem Gefühl der Hilflosigkeit. Denn ich konnte nichts tun außer mir die Bilder und Berichte anzuschauen.

Ich freue mich über jeden Menschen, der un- oder nur leicht verletzt nach Hause kommt. Doch das ist nur der physische Teil. Denn die unsichtbaren psychischen Wunden, die zum Teil noch Jahre nachwirken können und genauso schwer wiegen, wie die physischen, werden nur wenig bis gar nicht beachtet. Viele meiner Freund*innen und Bekannten sind nach Hause gekommen und ich merke wie dieser Gipfel etwas mit ihnen gemacht hat. Ich merke wie schwer das Erlebte nachwirkt und wie groß der Bedarf ist zu reden. Ich führe Gespräche so gut ich es kann, doch ich weiß nicht ob das reicht. Ich sehe Menschen, die eine traumatisierende Situation erlebt haben, in der sie versuchten Menschen zu helfen und dabei von schwerbewaffneten, vermummten Cops überrannt werden. Diese Menschen sind verändert zurückgekommen und ich kann sie zum Teil kaum wiedererkennen. Ich habe das Gefühl, dass ein anderer Mensch vor mir sitzt. Ich schreibe diesen Text, weil ich das nicht mehr wortlos hinnehmen kann. Ich kann es nicht wortlos hinnehmen, dass Menschen traumatisiert werden und im nachhinein nichts davon berichtet wird. Merkel fordert eine Entschädigung für die Cops im Einsatz. Für die Cops also, die gewalttätig waren. Für die Cops, die andere Menschen verletzt und traumatisiert haben. Es wird den Cops gedankt, die bewusst Menschen verprügelt und dabei schwerst verletzt haben. Die ihr Pfefferspray oftmals wahllos in die Straßen gesprüht haben, um Menschen zu verletzten. Ich frage mich wie das sein kann und finde keine Antwort; außer, dass es in ein Bild von Staat und Politik passt, in dem jede Form von Protest und Kritik im Keim erstickt werden soll. Es wird nach Gerechtigkeit geschrien und ich frage mich, wo diese Gerechtigkeit bleibt, wenn nicht einer dieser Cops für seine Gewalt verantwortlich gemacht wird. Ich sehe traumatisierte Menschen und ich frage mich, wer diese Menschen überhaupt nur wahrnimmt, von einer Entschädigung ist gar nicht die Rede.

Ich habe noch etwas gelernt an diesem Wochenende, es ist wichtig, dass wir nicht allein sind und das Erlebte zu erzählen. Im Anschluss an dieses Wochenende habe ich für mich eine „Aufgabe“ gefunden, die darin besteht mit den Menschen zu reden und sie darin zu unterstützen das Erlebte zu verarbeiten. Denn uns kann nur die eigene Struktur auffangen und wir müssen für einander da sein.
In diesem Sinne: Bildet Banden and never stop fighting!
L. / BlackMosqCrew“

@PolizeiHamburg: Versuchter Totschlag

Immer mehr kommt an Tageslicht. Und es wird immer unglaublicher, was heute gerade in Deutschland, wieder wahr werden kann :
„Bei der Auseinandersetzung gibt es zahlreiche Schwerverletzte, Knochenbrüche, Platzwunden. Polizeibeamte drängen Protestler*innen gegen eine Metallabsperrung, dahinter geht es rund vier Meter in die Tiefe. Die Absperrung bricht, einige Demonstrant*innen stürzen in die Tiefe. So schildert eine junge Aktivistin aus der kurdischen Freiheitsbewegung die Szenerie. Abgespielt hat sie sich am frühen Freitagmorgen, noch Stunden bevor in der Hamburger City die Luft brannte. „Da waren keine Kameras, keine Presse, das wurde einfach vertuscht“, sagt sie. Ihren Namen will die Aktivistin in der Zeitung nicht sehen.“….

„Rund eine Woche ist der Vorfall jetzt her: die Polizei gibt noch am selben Tag eine kurze Pressemitteilung heraus, einige Zahlen zu Verletzten, kaum Hintergründe. In Hamburg-Bahrenfeld seien 80 Personen von der Polizei festgesetzt, elf von ihnen beim Fluchtversuch schwer verletzt worden.“
http://lowerclassmag.com/2017/07/versuchter-totschlag-beim-g20/