Syrienkrieg: Gedankenexperiment

Von Karl Kobs

Um eine gewisse Vorstellung von dem zu erhalten, was gerade in Syren passiert, muss man vielleicht ein kleines Gedankenexperiment wagen. Was Assad mit Putins Hilfe gerade seinem Volk antut, ist so, als würde die Protestantin Merkel mit Unterstützung der USA nicht nur die Parteizentralen von AfD und „Die Linke“ bombardieren, sondern auch weite Teile des katholischen Südens von der Außenwelt abschneiden. CSU-Rebellen würden in München eingekesselt und mit bunkerbrechenden Bomben und Kampfgasen angegriffen. Humanitäre Hilfskonvois der UN, die den eingeschlossenen Bewohnern in München Medikamente und Nahrungsmittel bringen sollen, werden ebenfalls vernichtet. Hin und wieder bildet man Fluchtkorridore, um jene Gebiete in Bayern, in denen noch Zivilisten leben, ethnisch zu säubern. Die Überlebenden fliehen über Tschechien und Polen an die Ostseeküste, wo Schlepper ihnen gegen Geld Plätze in wackligen Schlauchbooten anbieten. Wer die Ostseeflucht überlebt, kommt in St. Petersburg an, wo die Menschen anfangs mit Fähnchen und Teddybären begrüßt werden. Doch je mehr Flüchtlinge ankommen, desto schneller kippt die „Refugees-Welcome“-Stimmung. Flüchtlingsheime werden von russischen Neonazis angezündet, Busse blockiert, der römische Katholizismus als Gefahr für die orthodoxe Kirche bezeichnet. Besorgte Bürger greifen Putin für seine Worte an: „Мы справимся – Wir schaffen das“. Merkwürdigerweise und vollkommen schizophren bejubeln weite Teile des russischen Volks Angela Merkel und ihre amerikanischen Verbündeten für ihre entschlossene Haltung, obwohl sie unmittelbar für das Flüchtlingsdrama verantwortlich ist, und weisen jede Kritik an Amerika als russische Kriegshetze zurück. Amerika werde „eingekreist – so argumentieren auch namhafte russische Politiker, Wissenschaftler und Publizisten. Und starten Unterschriftenlisten zur Unterstützug der NATO.
Habe ich irgendwas vergessen … ?

Faschismus war nie tot!

​#NoNazis Zeev Sternhell über Faschismus: „Faschistische Mentalität war nie tot“ 
Taz schreibt: „Die faschistische Mentalität ist eine revolutionäre Mentalität, keine konservative. Faschisten haben nichts aufrechtzuerhalten in der modernen Welt, außer den Kapitalismus. Faschisten kämpfen gegen die intellektuellen und moralischen Prinzipien des Liberalismus. Nicht gegen die liberale Wirtschaft. Die kommunistische Revolution war die Art von Revolution nach den Vorstellungen des 19. Jahrhunderts: eine wirtschaftliche und soziale Revolution. Die faschistische Revolution war jedoch recht unterschiedlich: eine echte Revolution des 20. Jahrhunderts. Es war eine kulturelle, moralische, psychologische und politische Revolution. Aber eine, die nie die Grundlage der existierenden Wirtschaftsordnung berührte. Somit wurde eine neue menschliche Ordnung geschaffen, aber soziale sowie wirtschaftliche Ungerechtigkeiten und Ungleichheiten wurden nicht beseitigt. Den Kapitalismus als das natürliche Fundament von Gesellschaft zu akzeptieren war ein grundlegendes Merkmal von Faschismus. Denn der Kapitalismus kommt mit den schlimmsten Tyranneien genauso problemlos zurecht wie mit der Demokratie.“
http://taz.de/Zeev-Sternhell-ueber-Faschismus/!5339974/

Astreines Ossi-Bashing

​Aus gegebenen, ostzonalen, bauztschen Anlass Wolfgang Pohrt:
„Um diesen Gedanken zu verdeutlichen, will ich mich bemühen, über die Ossis einmal so zu reden, wie hier im Westen eigentlich jeder von ihnen denken müßte, der nur etwas gesunden Menschenverstand und ein halbwegs intaktes moralisches Urteilsvermögen besitzt. Jeder hier merkt doch, daß das Gebrüll der Ossis Betrug gewesen war, als sie im Herbst l989 nach Demokratie und Einheit riefen. So riefen sie nur, weil sie unseren Luxus wollten; im Ostblock die Reichsten zu sein, war ihnen nicht genug. Das zeigt sich jetzt, wo sie die Einheit und die Demokratie besitzen, aber noch nicht unser ganzes Geld. Wenn wir es nicht hergeben, drohen sie uns mit sozialen Explosionen. Seit sie wählen dürfen, mögen sie nicht mehr, da sie unter freien Wahlen freie Auswahl im Autosalon verstanden. Seit sie die Marktwirtschaft von uns bekommen haben, sollen wir die Sozialisten sein, ihnen die Rente und Krankenkasse bezahlen und obendrein Fabriken schenken.

Daß ihr Rassismus hochkonzentrierte ordinäre Schäbigkeit ist, geben sie selber zu, andere zu verfolgen halten sie nämlich unter Verweis auf die angebliche eigene schwierige Lage für ihr Recht. Gut fühlen sie sich, wenn sie der Feigling sind, der brutal seine schwache Frau verprügelt, weil er selber vor einem Stärkeren gekrochen ist. Auf die Idee, daß auch mal Ossi-Busse im Westen brennen könnten, solche mit Pendlern aus Rostock beispielsweise, die den Hamburgern die Arbeitsplätze nehmen, kommen diese sonderbaren Menschen mit dem abgeschalteten moralischen Empfinden nicht. Unerbittlich und erbarmungslos sind sie gegen Arme, aber von den Reicheren erwarten sie Mitleid und Mildtätigkeit. Grausamkeit und Weinerlichkeit sind jeweils separat schon ekelhaft in der ossi-typischen Mischung aber bilden sie gemeinsam ein Brechmittel von besonderer Wirkungskraft. Selber haben die Ossis sich unter Vortäuschung ideeller Beweggründe bei uns eingeschlichen, nicht aus Not, sondern wegen des erhofften materiellen Vorteils. Treffen sie aber einen Elendsflüchtling fallen sie über den Bedürftigen her und beschimpfen ihn als Scheinasylanten, wo sie doch selber Wirtschaftsflüchtlinge im unangenehmsten Sinn des Wortes sind.

Weil wir reicher sind als sie, kommen sie uns auf die soziale Tour: Teilen ist ein Gebot unter Christenmenschen, geben ist seliger denn nehmen. Bittet ein Ärmerer sie ums Nötigste, darf er froh sein, wenn sie ihn nicht töten. Müssen vor ihrer Haustür Asylbewerber nachts unter freiem Himmel schlafen, fühlen die Ossis weder Mitleid noch Empörung darüber, daß den armen Menschen keiner hilft, sondern sie fühlen sich belästigt. Nicht die Not, sondern die Notleidenden wollen sie beseitigt wissen. Unentwegt fordern sie für sich selber Solidarität, ohne sie anderen jemals zu gewähren. Als sie nach der Maueröffnung in den Westen durften, klauten sie dort wie die Raben, lauter Krimskrams, den sie gar nicht nötig hatten. Nimmt bei ihnen sich ein armer Teufel von noch weiter östlich, was er dringend braucht, aber nicht bezahlen kann, möchten sie ihn am liebsten Iynchen. Jeder weiß, daß in der Zone Zehntausende auf unsere Kosten den Staat beim Begrüßungsgeld betrogen und ihn immer noch beim Arbeitslosengeld, bei der Arbeitslosenhilfe und bei der Sozialhilfe betrügen. Kriegt aber ein armer Schlucker aus Rumänien vom Staat, den wir bezahlen,gerade so viel, daß er nicht verhungert, toben sie und beschweren sich, daß ihr gutes Geld verschleudert werde. Offensichtlich glauben sie, daß ihnen eigentlich alles gehören müßte und wir mit ihrem Geld gefälligst sparsam umzugehen hätten.

An die Ausländer, sagen sie, würden sie sich erst ganz langsam gewöhnen müssen. Daß aber wir von ihrer unerfreulichen, nimmersatten, raffgierigen Sorte gleich 17 Millionen auf einen Schlag verkraften mußten, halten sie für unsere Pflicht. Nicht nur daß sie stets zu feige waren, gegen das von ihnen angeblich ungeliebte Regime zu protestieren, als der Protest noch so viel Mut gekostet hätte, wie man braucht, um den Verzicht auf Beförderung und Bevorzugung zu riskieren – den Verzicht auf die Zuweisung einer der begehrten Wohnungen im Neubauviertel etwa, wo heute die widerlichsten Rassisten sippenweise nisten. Sondern in typischer Radfahrermanier treten die ewigen Mitläufer wieder nur die Schwachen. Statt sich mit den Gleichaltrigen anderer Nationalität eine faire Prügelei zu liefern, wenn ihnen schon nach Prügeln und Nationalitätenkrieg zumute ist überfallen Horden glatzköpfiger Klopse die Familien in Asylbewerberheimen, weder Frauen noch Kinder schonen sie dabei. Die Gesichter dieser Helden kann man, wenn man’s aushält, lange betrachten, und findet doch keinen menschlichen Zug darin. Abstoßend häßlich sind sie und in der Häßlichkeit einander zum Verwechseln ähnlich.

Dies, meine Damen und Herren, war eine kurze Liste zutreffender Beobachtungen und richtiger Uberlegungen, die eigentlich keiner weiteren Kommentierung oder Zuspitzung mehr bedürften, um Verärgerung, bittere Vorwürfe, moralische Empörung hervorzurufen. “
(Multirassismus)

Ditfurth und Elsässer treffen sich bei Meinhof

Von Bastian Bostell


Jutta Ditfurth und Jürgen Elsässer treffen sich in der Verehrung für die Antisemitin und Terroristin Ulrike Meinhof
Eigentlich hatte ich zu dem Buch, in dem Ditfurth Meinhofs Antisemitismus auf einer halben Seite abhandelt, ja nur eine Rezension von Peter Bierl verlinkt und zitiert. Da Ditfurth nun meint aus der Geschichte Kapital schlagen zu müssen werde ich die Rezensionen hier noch einmal verlinken und zitieren, diesmal öffentlich: 
„Journalisten lieben Jahrestage, deshalb beschert uns dieses Jahr allerlei Artikel, Bücher und Talkshow-Sendungen über die Achtundsechziger-Bewegung. Jutta Dit­furth hat zu dem Rummel ein Buch mit dem Titel »Rudi und Ulrike« beigesteuert, quasi das Sequel zu ihrer Meinhof-Biographie vom Vorjahr. Sie behauptet, die beiden Symbolfiguren der westdeutschen Achtundsechziger seien eng miteinander befreundet gewesen. Der Verlag schreibt in einer Presseinformation gar von einer »Freundschaft, die die Republik veränderte«. Wenn es dem Marketing dient, darf auch die autoritäre Legende, wonach große Männer Geschichte machen, benutzt werden. Dank Meinhof ist ja die Frauenquote erfüllt.“ http://jungle-world.com/artikel/2008/21/21850.html
„Die‘ Meinhof-Biographie‘, wie es im Untertitel der Ditfurth-Schrift in aller Bescheidenheit heißt, muss erst noch geschrieben werden. Bezeichnend für die mangelnde politische Auseinandersetzung ist schon, dass das bescheidene Literaturverzeichnis kein Werk zum Thema Israel und die Linke enthält. Im Text teilt Ditfurth lapidar mit, in Teilen der neuen Linken hätten sich antisemitische Ressentiments verbreitet, als handelte es sich um einen Grippevirus. Interessant wäre zu lesen, wie Meinhof reagierte, als ein PLO-Mann den deutschen Genossen im Trainingscamp in Jordanien erklärte: „Hitler gut“. Einen Funktionär der Fatah, der als Dolmetscher fungierte, stellt Ditfurth als Sohn eines „Helden des Aufstandes von 1936 bis 1939 gegen die britische Fremdherrschaft in Palästina und gegen die Zionisten“ vor.

Sie schreibt nichts über die antisemitische Orientierung des Aufstands, nichts über die Kollaboration des Anführers, des berüchtigten Mufti von Jerusalem, mit den Nazis. Solche Leerstellen kontrastieren mit der akribischen Aufarbeitung der Nazivergangenheit der Meinhof-Familie. Insofern geht es um mehr als ein Heldenepos. Zum Massaker von 9/11 schrieb Ditfurth, „Ich gedenke heute auch der Toten in Chile von 1973“, was nach Aufrechnung der Opfer klingt. Einen Beitrag zum Irak-Krieg 2003 leitete sie mit dem Verweis auf Israel als einziger Atomwaffenmacht des Nahen Ostens ein. Ditfurth zählt zwar immer auch den Antisemitismus auf – als Übel, das es zu bekämpfen gilt. Sie klingt dabei aber wie ein Politiker, der Problembewußtsein mimt und nicht wie jemand, der einen Begriff von Antisemitismus hätte, der heute in der Linken als Antiamerikanismus, Antiimperialismus und Israelfeindlichkeit auftritt, und in dieser Form von einer undogmatischen APO mitgeprägt wurde, in deren Tradition sie sich selbst sieht. Besserung scheint nicht zu erwarten. Ditfurths nächstes Werk heißt: „Rudi und Ulrike. Geschichte einer Freundschaft“.“ http://www.kritiknetz.de/politischeundkulturkritischeeingriffe/257-diemeinhofbiographievonjuttaditfurth
Die Achtung für Ulrike Meinhof teilt Ditfurth übrigens mit einem alten Jürgen Elsässer, der wie Meinhof selbst sich aufmacht um Dresden und Auschwitz zu vergleichen und einen Aufsatz von ihr aus der konkret von 1965 besprach, der ihm angeblich „zugespielt“ wurden sei:
„Mit Opferzahlen. Manchmal möglichst groß, bei anderer Gelegenheit so klein wie möglich. Als ob die Geschichte dadurch erklärbarer würde. Opfer sind Opfer und bleiben dies. Auch wenn der Betrachter mit der Manipulation dieser Zahlen seinen Standpunkt dokumentieren möchte. Das erste Schild zum Gedenken an die Toten in Auschwitz soll von der Roten Armee angebracht worden sein. Darauf waren 4 Millionen vermerkt. Der Wunsch, den Tod von Menschen so noch furchtbarer erscheinen zu lassen, muss der Vater des Gedankens jener ersten Manipulateure gewesen sein.
[…]
Dem Autor wurde in diesen Tagen ein Text zugespielt, den Ulrike Meinhof 1965 in konkret veröffentlichte. In jenem Jahr jährten sich die Bomben von Dresden zum 20. Mal. Meinhof beginnt ihren Text sehr sachlich: „Vor zwanzig Jahren, am 13. und 14. Februar 1945, in der Nacht von Fastnachtdienstag auf Aschermittwoch, ist der größte Luftangriff der alliierten Bomberkommandos im Zweiten Weltkrieg auf eine deutsche Stadt geflogen worden: Der Angriff auf Dresden. Dreimal innerhalb von 14 Stunden wurde die Stadt bombardiert.“ Um wenig später dem Leser einen kleinen Eindruck jenes Grauens zu vermitteln: „Als die englischen Bomber abflogen, hinterließen sie ein Flammenmeer, das über 80 Kilometer weit den Himmel glühend machte.“
Jeder Manipulation unverdächtig schrieb Meinhof: „Über 200 000 Menschen sind in den Flammen von Dresden umgekommen.“ Heute ein Sakrileg, damals noch völlig harmlos, zitiert die Meinhof den britischen Historiker [und späteren Holocaustleugner] David Irving: „Zum ersten Mal in der Geschichte des Krieges hatte ein Luftangriff ein Ziel so verheerend zerstört, daß es nicht genügend unverletzte Überlebende gab, um die Toten zu begraben.““ http://www.compact-online.de/meinhof-ueber-dresden-als-linke-noch-nicht-link-waren/
Jahrzehnte zuvor schrieb der damals noch einigermaßen vernünftige Elsässer über den gleichen Aufsatz der Holocaustrelativierin Ulrike Meinhof:
„Das Privileg, Dresden expressis verbis mit Hiroshima und Nagasaki auf eine Stufe gestellt zu haben, gebührt zwei westlichen Autoren. Axel Rodenberg, dessen Buch „Der Tod von Dresden“ aus dem Jahre 1951 in der BRD die meisten Auflagen erlebte (und 1995 im Frühjahrsprogramm von Ullstein neu auftaucht) und das Geschichtsbild entscheidend prägte, verbreitete die Zahl von 350.000 bis 400.000 Opfern. David Irving gibt in „Der Untergang Dresdens“ (Erstauflage 1964) 135.000 an.[…]
„Dresden ging in Schntt und Asche, zwei Jahre nachdem der Ausgang des Zweiten Weltkrieges in Stalingrad entschieden worden war“, polemisierte Ulrike Meinhof. Sie vergaß, daß die mörderischen Angriffe der V-Waffen auf London bis März 1945 weitergingen. Sie ignorierte, daß die Arbeit der Nazis an der Atombombe bis in die letzten Kriegstage weiterging – für Harris ein wesentliches Motiv -, und daß die Stadt von erheblicher militärischer Bedeutung war. So wird Dresden im Operationsbericht des Informationsbüros der UdSSR als „wichtiger Stützpunkt faschistischer Verteidigung in Sachsen“, vom Sowjetische Oberkommando als „mächtiger Verteidigungsknoten der Faschisten in Sachsen“ bezeichnet.
[…] Ulrike Meinhof bezog sich 1965 in einem Aufsatz für die „konkret“ positiv auf David Irving, schlug auf dessen gefälschte Opferzahlen lässig noch einmal die Hälfte drauf („über 200.000“) und kam dann zu folgendem atemberaubenden Schluß: „Als die deutsche Bevölkerung die Wahrheit über Auschwitz erfuhr, erfuhr die englische Öffentlichkeit die Wahrheit über Dresden. (…) In Dresden ist der Anti-Hitler-Krieg zu dem entartet, was man zu bekämpfen vorgab und wohl auch bekämpft hatte: Zu Barbarei und Unmenschlichkeit, für die es keine Rechtfertigung gibt. Wenn es eines Beweises bedürfte, daß es den gerechten Krieg nicht gibt Dresden wäre der Beweis.
Diese Äußerungen, der entstehenden Neuen Linken in die Wiege gelegt, konzentrieren alle Geburtsfehler dieser Linken: die nivellierende Einreihung von Auschwitz in die Schrecken des Krieges; die fehlende Unterscheidung von Nationalsozialismus und gewöhnlichem Faschismus; die Gleichsetzung von Nazi-Deutschland und den Feindstaaten; die Verwechslung von Antifaschismus mit Pazifismus, von Pazifismus mit Appeasement. Wem zum 13. Februar und zum 8. Mai statt des naheliegenden „Nie wieder Deutschland“ nur ein „Nie wieder Krieg“ einfällt, in dem sich auch der Haß auf die Armeen der Anti-Hitler-Koalition gut aufgehoben sieht, stand 1965 rechts von Konrad Adenauer und steht 1995 rechts von Roman Herzog. Eine neue Linke kann sich nur im Bruch mit diesen Traditionen konstituieren.“ http://www.trend.infopartisan.net/trd0603/t100603.html

Blödsinns-Bashing Linke vs. Grüne zu CETA

Von Jürgen Kasek


#CETA Abstimmung: Derzeit macht bei Facebook ein namentliches Abstimmungsergebnis die Runde, dass zeigen soll, dass die Grünen CETA im Bundestag nicht abgelehnt hätten. 
Dem liegt ein Antrag der LINKEN zu Grunde. Die vorherige Abstimmung auf Antrag der Grünen (18/9621) CETA abzulehnen haben LINKE und Grüne zugestimmt. 
Den Antrag der LINKEN haben die GRÜNEN aus folgenden Gründen abgelehnt. 
In ihrer Stellungnahme fordern die LINKEN die BReg auf CETA im Rat nicht zuzustimmen – eine Forderung, die wir teilen, und selbst in unserer Stellungnahme nach Art. 23 GG aufstellen. Wir lehnen die Stellungnahme der LINKEN trotzdem ab, weil sie sowohl im Feststellungsteil als auch in den Forderungen Punkte enthält, bei denen wir inhaltlich dezidiert anderer Auffassung sind.
Im Ansatz entsprechen die aus unserer Sicht kritischen Punkten in der Stellungnahme (für Details s.u.) der Prozessstrategie der LINKEN bei ihrer Verfassungsklage gegen CETA: sie folgen einer ähnlichen Argumentationslinie, wie etwa in den Klagen von Hr. Gauweiler (gegen Lissabon-Vertrag), CETA verletzte unsere  „Verfassungsidentität“ – im Kern eine aus unserer Sicht anti-europäische Argumentation. Wir halten CETA politisch für falsch,  aber deswegen verletzt es nicht gleich unsere Verfassungsidentität. Genau aus diesem Grund haben wir, anders als die Linken, auch keine Klage gegen CETA vor dem BVerfG eingereicht. Nun dieser Artikel 23 Stellungnahme zuzustimmen, würde deshalb den bisherigen Weg konterkarieren.
Die Punkte im Einzelnen:

1.    Die Behauptung im Beschlussteil, dass die vorläufige Anwendung von CETA gegen Unionsrecht und Grundgesetz verstößt (S.1 Satz 1), halten wir für nicht haltbar.
2.    Die Behauptung im Beschlussteil, dass das Investitionsgericht mit dem Unionsrecht unvereinbar sei (S. 2 Punkt 2), teilen wir ebenfalls nicht in dieser Absolutheit, obwohl das denkbar ist.
3.    Der dritten Forderung im Forderungsteil des Antrags können wir nicht zustimmen: „für den Fall, dass die Beschlüsse mit qualifizierter Mehrheit getroffen werden und der deutsche Vertreter im Rat überstimmt werden sollte, juristisch gegen diese Beschlüsse vorzugehen“ – diese Forderung macht nur Sinn, wenn man die Ansicht teilt, CETA sei grundgesetzwidrig.
4.  Daneben sind in der fachlichen Bewertung, die wir zu großen Teilen teilen, einige Faktenfehler.
Bewusst versuchen hier einige zu manipulieren und machen sich gar nicht erst die Mühe sich über die Wahrheit zu informieren. Mehrheitlich Wähler der LINKEN, deren binäres Denkmodell offensichtlich auf Behauptungen beruht. Auch das schwer unter Querfrontverdacht stehende Netzwerk Vorsicht Freihandel teilt diesen Unsinn. Man darf das als Retourkutsche verstehen. Es ist und bleibt gezielte Desinformationspolitik.

#Wagenknecht und #Petry: Bilder sagen mehr als Worte?

Von Felix Bartels

Gewiss, dieser Schnappschuss ist ungerecht. Er sagt eigentlich gar nichts, außer man möchte, dass er was sagt. Wir sehen, dass zwei politische Gegner, zwei Konkurrenten, am Rande einer Talkshow sitzen und lachen. Wir wissen nicht, was sie davor taten, und nicht, was danach. Dieses Bild zweier Rechtspopulistinnen herumzureichen ist selbst populistisch. Denn ebenso wie gilt, dass Bilder mehr Macht und Wirkung als Worte haben, so ist wahr, dass im Kampf um Wahrheit und Wirklichkeit immer die Wörter über die Bilder siegen. Wenn man sie denn lässt. Wer Bilder anstelle von Wörtern setzt, setzt sich dem Verdacht aus, seinen Gedanken und Worten nicht hinreichend zu vertrauen. Das Bild schlägt sich im Zweifel immer auf die falsche Seite, weil es, anders als die Sprache, nie nicht-einseitig sein kann und an allem scheitert, was komplexer, vermittelter und widersprüchlicher ist als eine noch so exemplarische Aufnahme eines Moments, in dem – sonst wäre es keiner – die Zeit stillestehen muss. Nur was, was nur fehlt hier beim Gipfeltreffen dieser beiden Politikerinnen?, die wie kaum jemand anders zur Zeit die Wut der Straßen und Kneipen artikulieren und mehr (Wagenknecht) oder weniger (Petry) begabt und mehr (Petry) oder weniger (authentisch) Virulenz dem einfachen Pinsel vom Gehsteig das Wort aus dem Mund nehmen, das er selbst nie drin hatte. Was fehlt, die Worte natürlich:
Wagenknecht: Guten Abend, Frau Petry. Ich will ja nicht alles gutheißen, was Sie so reden. In der Politik sind die Differenzen wichtiger als die Gemeinsamkeiten. Ich wurde zur Rechtspopulistin erklärt, in meiner eigenen Partei bespuckt man mich, aber mein Kompass ist intakt. Linkssein, das ist mehr als bloß eine Sachfrage. Es gibt rote Linien für mich, die man einfach nicht überschreiten darf. Ihre Partei ist jenseits dieser Linien. Ihre Vorschläge zum Steuersystem sind inakzeptabel. Also bei Kirchhoff, da hört für mich der Spaß auf.
Petry: Frau Wagenknecht, bedenken Sie bitte, dass wir noch gar kein Programm haben. Wir müssen doch erst herausfinden, was wir wollen. Aber die Tatsache, dass wir unsere Vorschläge zur Steuer an Kirchhoff anlehnen, heißt doch nicht, dass wir uns bei Fragen der Steuer an Kirchhoff orientieren. Das muss man doch differenzieren.
W: Ich will ja auch gar nicht darauf herumreiten. Nur ich bin halt Keynesianerin, müssen Sie wissen. Nur weil ich mich an Ludwig Erhardt orientiere, bin ich noch lange nicht liberal. Also das gilt jetzt für die nächsten 5 Jahre. Was danach kommt, kann ich Ihnen beim besten Willen nicht sagen. Man muss sich ja ändern, um gedanklich fit zu bleiben. Der Feige, sagt Goethe, stirbt schon viele Male, ehe er stirbt.
P: Das ist doch von Jünger.
W: Nein, von Sophokles. Sagte ich doch gerade. Ich muss das wissen, Sokrates hat mich schließlich zum Sozialismus geführt. Aber wir wollen nicht streiten, während der Hauptfeind Merkel weiter wütet. Ich werde mal bei Hayek nachlesen, wie das mit den Steuern ist. Aber solange mein nächstes Buch nicht draußen ist, werde ich die jetzige Linie bis zur letzten Tinte verteidigen.
P: Die Photographen sind jetzt weg, wir können aufhören zu lächeln. Schließlich kämpfen wir um dieselbe Zielgruppe.
W: Partiell! Das Linke geht im National schließlich nicht ganz auf.
P: Schön gesagt. Wenn ich mal wieder Lust auf Wissenschaft habe, können Sie gern meine Partei übernehmen.
W: Um Gottes Willen, gerade vor der Wissenschaft bin ich doch in die Politik geflüchtet.
P: Ich bin vor der Politik in die Politik geflüchtet.
W: Schön gesagt. Sie erinnern mich überhaupt nicht an Hitler, wenn ich das mal so bemerken darf.
P: Und Sie mich so gar nicht an Honecker.
W: Oh, da, das ist doch die Talkshowbeginnrassel.
P: Stimmt, ist das da hinten etwa Herr Retsidokularakis?

#Piratenpartei: Dem Wahnsinn entronnen

Von Julia Schramm

In den Tagen nach der Wahl haben sich die Ereignisse bei den Piraten überschlagen. Nach der Wahlniederlage wurde bekannt, dass Claus Gerwald Brunner – Faxe – sich das Leben genommen hat. Schnell wurde eine Rede von ihm im Plenum öffentlich, wo er auf einen baldigen Tod anspielte. Diese Nachricht schockte mich und machte mich traurig. Faxe und ich waren nie Freunde, im Gegenteil, er beschimpfte mich gerne und regelmäßig, ich gehörte für ihn zum korrupten, unehrlichen Flügel, dem es nur um das eigene Wohl gehe. Ich habe die Partei irgendwann verlassen und sah Faxe seitdem auch nicht mehr. Trotzdem betrübte mich sein Tod und ich vergoß eine Träne. 
Die Reaktionen der verbliebenen Mitglieder der Piratenpartei betrübten mich ebenso – wie eh und je übertrafen sie sich in Schuldzuweisungen und Bösartigkeiten, in Verschwörungstheorien und genereller Hyperaktivität. 
Als dann herauskam, dass es neben dem Suizid noch ein Verbrechen gegeben hat, dass Faxe („wahrscheinlich“) einen Menschen ermordet hat (die schaurigen Details entnehmt ihr bitte der Boulevardpresse) wurde mir klar, was die Piratenpartei und die damit verbundenen Dynamiken in den Sozialen Medien eigentlich für eine vollkommen irre Dimension haben und hatten. Mir wurde klar, dass dieser Wahnsinn, der sich Partei nannte, der aber vielleicht auch nur ein Phänomen des Zeitgeistes war, Menschenleben zerstörte und zerstört. Dass das alles kein Spiel ist, nie war und dass, im Namen politischer Differenzen, menschliche Tragödien nicht nur hingenommen wurden, sondern pathologisches Verhalten glorifiziert wurde, ignoriert, hingenommen wurde, dass zu Gunsten einer Harmonie und Parteiräson, die sowieso niemals real war, Menschen geschützt wurden, die schwer entrückt waren, die Hilfe gebraucht hätten, denen Hilfe angeboten wurde, die sie aber verweigerten, bis sie einem anderen Menschen das Leben nahmen. 
Die Piratenpartei war eine krasse, eine lehrreiche Zeit, eine Zeit, die Menschen eine Plattform gegeben hat, die sonst vielleicht nie eine bekommen hätten. Sie war so groß wie die Abgründe tief waren. Wir können dankbar dafür sein, wenn wir lebend und gesund aus diesem Wahnsinn rausgekommen sind.
RIP