Von Karrieristen und Idealisten

Wenn man eine gerechtere Gesellschaft möchte, wenn man die Gesellschaft verändern will, wenn man mit denen, die regieren, nicht zufrieden ist, wenn man im Politischen mitmischen will und sich Gehör verschaffen möchte, geht man vielleicht in eine Organisation, noch besser, man tritt in eine Partei ein.

Nun wird man für sich selbst Themen priorisieren und die Partei, die den eigenen Vorstellungen zu bestimmten Bereichen am Nächsten kommt, wo die meisten Schnittmengen vorhanden sind, die ist es dann. So war das auch bei mir. Der Frust über das politische Handeln war so groß, dass ich was machen wollte. Ich trat in die LINKE ein.

Ich war vor 2009 noch nie in einer Partei und wusste gar nicht, was eine Mitgliedschaft eigentlich bedeutet. Mittlerweile habe ich da so eine Ahnung. Man kann, wenn man will und Mitstreiter findet, viel bewegen. Man kann viel diskutieren, Argumente sammeln, sich politisch bilden, durchaus kritisieren und unheimlich viel lernen.

Die bisherigen Jahre, die mitunter auch unangenehmen Erfahrungen, was das Miteinander zuweilen schwierig gestaltet hat, haben mir geholfen, im weiteren Agieren etwas bedachter und überlegter vor zu gehen. Bei meiner jetzigen ehrenamtlichen Tätigkeit in einer Bürgerinitiative ist vieles viel entspannter als in der Partei.

Ich habe immer noch nicht den Glauben verloren, dass es vielen Menschen in der Partei genauso oder ähnlich geht. Ich unterstelle den Meisten einfach den Idealismus, in dieser Partei was zu bewegen zu wollen und die Gesellschaft zu verändern, der Partei eine gesellschaftliche Hegemonie zu ermöglichen und dafür viel tun zu wollen.

Aber es gibt auch die Anderen, die, vielleicht früher mit tollen Zielen hinein gegangen sind, aber schnell gemerkt haben, dass sie hier Karriere machen können. Dass man, wenn man ein Pöstchen ergattert, wenn man sich in Wahlen durchgesetzt und damit Mandat und Funktion errungen hat, sich in einer privilegierten Machtposition befindet und diese für seine zuweilen auch ganz privaten Ziele auszunutzen versucht ist, ist einfach eine Tatsache. Dass man seinem Netzwerk mit Pöstchen versorgt und da in seiner Auswahl oft nicht von Leistung und Sachverstand geleitet wird, sondern von Loyalität und Arschkriecherei, bringt der Qualität der politischen Arbeit sicher keinen Vorteil.

Nun sind in diesem von der Partei bezahlten politischen Betrieb, ich sag mal in diesem Fall das KL-Haus, immer wieder haarsträubende Entwicklungen, Intrigen und Verletzungen zu beobachten, die dem einfachen Mitglied eine elitäre Abgehobenheit der Funktionäre zeigt, einen Missbrauch von Macht erscheinen lässt und eine Art von selbstgefälliger Selbstbeschäftigung zelebriert, dass oftmals nur ungläubiges Kopfschütteln bleibt.

Die hierarchische Parteistruktur bedarf einer grundsätzlichen Korrektur. Ob hier eine totale Transparenz hilfreich ist, wage ich zu bezweifeln. Sie würde vielleicht noch mehr Menschen in ihrer politischen Arbeit in der Partei abschrecken, wie sie dass bei den aktuellen Vorkommnissen im KL-Haus auch tun.

Man geht davon aus, dass erwachsende und verantwortungsvolle Menschen Lösungen  für diese Misere finden, indem sie miteinander reden und zielorientiert im Interesse der Partei und ihrer gesellschaftlichen Stellung Differenzen ausräumt und respekt- und taktvoll sich zusammenrauft, um den politischen Betrieb am Laufen zu halten. Das kann man von diesen Parteioberen erwarten.

Dieses unwürdige und aus persönlichen Befindlichkeiten gespeiste Scheingefecht ist dem einfachen Mitglied kaum zu vermitteln und macht uns nach außen einfach nur lächerlich.

Es gibt sie ja, die sich Gedanken machen, die nach Lösungen streben, die den Finger auf die Wunden legen, die respektvoll streiten, die trotz aller kulturellen und ideologischen Unterschiede nach Gemeinsamkeiten streben, die die kulturell-ästhetischen weißen Flecken der Partei überwinden möchten und die Öffnung der Partei zur Mehrheitsgesellschaft fördern, ohne die Rechte der Marginalen zu vernachlässigen.

Diese Menschen habe ich in dieser Partei gefunden und mit Diesen bin ich politisch aktiv. Sie zeigen mir die Kraft und kreative Energie, die Ressourcen, die Mitglieder haben und nähren die Hoffnung, dass dieser Duktus sich irgendwann auch im KL-Haus durchsetzt.

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Eine Antwort zu “Von Karrieristen und Idealisten

  1. Nun, die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Ich mache jedenfalls für diese narzisstisch Gestörten keinen Finger mehr krumm. Und: Die KarriereristInnen in Stiftung und Partei leben von der unbezahlten Arbeit und dem Engagement der IdealistInnen. So siehts aus.

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