#dietotenkommen: “Es gibt keine richtige Demo mit den falschen Leuten”

Das “Zentrum für Politische Schönheit” hat bereits Flüchtlinge, die vorher im Mittelmeer ersoffen sind, in Berlin begraben. Mit einer aufwendigen Kunstaktion bringen sie das Elend vom südlichen Rand von Europa ins Zentrum der Macht, in die deutsche Hauptstadt. Damit bekommt das Flüchtlingsdrama eine Aufmerksamkeit, dass es nach Meinung der Künstler und vieler anderen Europäer bisher nicht genossen hat. Soweit, so gut.

Das man so gegen die Festung Europa protestieren kann, ist einerseits an sich eine gutmenschliche Aufgabe. Kinderleichen nach Berlin zu karren, um sie “menschlich” zu bestatten, ist aber auch Geschmackssache. Jeder sollte für sich entscheiden, wie er diese spektakuläre Aktion beurteilt.

Ich habe sie zunächst begrüßt und sie auf dieses Blog gepostet. Durch verschieden Quellen bin ich aber auf irritierende Informationen zu dem Künstlerkollektiv aufmerksam geworden, so dass ich die “Werbung” für die Aktion “Die Toten kommen” wieder runter genommen habe.

Während die TAZ noch über Geschmacksfragen streitet, sind die Ruhrbarone auf Texte der Künstlergruppe gestoßen, die an einem gesunden Geschichtsverständnisses, gerade in Hinblick auf den Holocaust, zweifeln lässt:

Wirklich erschreckend wird es aber, wenn man sich die Texte des „Zentrums für politische Schönheit“ einmal genauer anschaut. In einer etwas unvermittelt dastehenden Abhandlung über Genozide werden die Künstler zu Kriegsstrategen und erklären den Alliierten, sie hätten die Gleise nach Auschwitz doch 1944 bombardieren können. Hier winkt der deutsche Stammtisch, der der Anti-Hitler-Koalition schon lange nachsagt, auch nichts für die Juden übrig gehabt zu haben. Der Holocaust ist auch Bezugspunkt für eine Dystopie des Künstlerkollektivs. Für das 21. Jahrhundert sagt das „Zentrum für politische Schönheit“ voraus, dass sich „zwei Völkermorde in Afrika und Asien ereignen, die die Ereignisse des Holocaust in den Schatten stellen“. Ohne Holocaust geht’s eben auch für die „aggressiven Humanisten“ des Künstlerkollektivs nicht. Wenn man mit den eigenen, aufsehen erregenden Aktionen nicht etwas schlimmeres als den industriellen Massenmord an sechs Millionen Juden verhindern kann, dann ist es halt nur langweilige Aktionskunst.” Der ganze Artikel

Diese Holocaust-Relativierung könnte einer gewissen Naivität oder historischen Orientierungslosigkeit der Akteure entsprungen sein. Wenn man aber im politischen Spektrum glaubhaft Ideale und Grundwerte moralisch und ethisch vertreten will und dafür streitet, ist dieser Fauxpas nicht tragbar. Wie schreibt dazu eine Userin: “Im Prinzip, so findet es jedenfalls das Zentrum für politisches Schönheitsgedöns, sind die Allierten schuld. Es ist ein Elend.” Quelle

…und ein Anderer führt aus:Eine gewisse Belanglosigkeit ist durchaus ein stilistisches Markenzeichen dieses Zentrums. Und auch assoziativer Brainstormstil. Betrachtet man die einzelnen, aus dem Kopf gefallenen Gedanken nacheinander, wird der Holocaust 1. wohl bald in den Schatten gestellt 2. muss er von uns stets vergleichend ins Feld geführt werden dürfen (eine nachträgliche Erklärung und Entschuldigung dafür, dass der Holocaust bereits durch “narrativiertes”, noch Schlimmeres relativiert ist), 3. muss der Holocaust der Ausgangspunkt sein für jede Auseinandersetzung dieser Künstler mit dem Thema Genozid, was heißt, das mit dem so zurechtgelegten Holocaust sich in Sachen Fingerzeigen so einiges machen lässt, was dann überleitet zu Punkt 4, dass vor allem nochmal daran erinnert werden kann, dass die Allierten den Holocaust hätten verhindern können (und nicht etwa die Deutschen). De facto sollten sie also “Zentrum für deutsche Geschichtsklitterung zum Wohle unbefangener Menschenrechtsmichelei” heißen, aber dieses im Kontext widerliche “Schönheit” passt eigentlich auch total gut. Da wollen welche strahlen, Lichtgestalten sein. Das ist die “Wiedergutwerdung der Deutschen”; wie sie im Buche steht. Mit dem Talismann Holocaust.” Quelle

Wer auch immer hinter den Künstlern des “Zentrums für Politische Schönheit” steht, sie haben auf jedem Fall Nachhilfe in Sachen deutscher Geschichte bitter nötig. Darum: Aktion gut, Akteure na ja.

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