Sorry fürs Auskotzen: Nicht Flucht sondern Recht auf Migration

Von Matthias Zwack

Es kotzt mich so an, es nervt mich so gewaltig, auf von (vermeintlich) progressiven Leuten in der Migrationspolitik immer nur dieses Argument zu hören, wir müssten nur die Lebensbedingungen „dort“ verbessern, dann wären die Fluchtursachen und damit das „Flüchtlingsproblem“ erledigt. Nicht weil das Argument nicht partiell stimmen würde – natürlich bin ich für eine globale Umverteilung des Reichtums, natürlich bin ich für den Stopp von Waffengeschäften und anderen Geschäften, die Verelendung und Kriege fördern. Aber was soll bitte diese Ausschließlichkeit des Arguments, die eigentlich auch anerkennt, dass es so etwas wie ein „Flüchtlingsproblem“ überhaupt gibt und im Endeffekt in die selbe Bresche schlägt wie der national-völkische Mob, der sich vor Unterkünften zusammenrottet und Brandsätze legt? Hinter der humanistischen Fassade verbirgt sich nämlich die selbe Vorstellung: Diese Leute müssen draußen bleiben.

Wie wäre es denn statt dessen damit, in einer Zeit, in der sich einerseits die Debatte und Auseinandersetzung mit Rassist*innen brutal gewaltförmig zuspitzt, während die Gegenseite nicht viel leistet als ab und an mal eine Demo oder einen Kommentar, anderseits aber auch Tagesschau-Kommentator*innen in der Lage sind, anzuerkennen, dass so etwas wie „Wirtschaftsflucht“ ein hinreichendes Argument für Migration ist, mal klar zu sagen, dass es hier nicht um Flucht geht. Menschen wandern aufgrund verschiedenster Zumutungen und Unerträglichkeiten aus, aber nicht alle davon hängen unmittelbar mit Armut, Krieg und Verfolgung zusammen und ich finde, es steht uns schlicht und einfach nicht zu, von außen eine Wertigkeit der Fluchtursachen einzuführen.

Im Grunde genommen sollten wir überhaupt nicht mehr von Flucht reden, sondern vom Recht auf Migration, vom Recht, den eigenen Wohnsitz zu wählen, wie und wo mensch will – und zwar weltweit und ohne Sonderbehandlungen und entwürdigende und gefährliche Wegstrecken. Das wäre nicht einmal sonderlich revolutionär, sondern schlicht und einfach ein Aufgriff eines längst allgemein anerkannten, aber niemals wirklich umgesetzten Menschenrechts. Und ich verstehe einfach nicht, warum auch Linke immer wieder solche Widerstände gegen dieses Recht aufbauen.

Sorry fürs Auskotzen und danke fürs Mitlesen.

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