Der Bartschismus ist tot

Alles was die oberen Chargen der Partei so in Papierform von sich lassen, wirkt oft unglaubwürdig, manchmal peinlich. Es werden alte Ressentiments bedient und wenn es gut läuft, lediglich Allgemeinplätze besetzt. Wiederholungen in der Endlosschleife fungieren als unbedeutende und kaum wahrgenommene Papierverschwendung.

Beim Thema Flüchtlinge hat Eins dann doch heraus gestochen, wollte es doch historische Zusammenhänge über die Ursachen der Flüchtlingsflut erklären. Aufgeschreckt waren dann einige Parteimitglieder nur deshalb, weil der Spiegel als Erster das Pamphlet „spiegelte“. Da wurde eine einseitige Schuldzuweisung gen USA formuliert, die hier im Blog bereits ausführlich besprochen wurden.

Ab Absatz zwei war es dann sogar leserlich und beinhaltete überraschend konstruktive Vorschläge. Aber wer liest schon ab Absatz zwei? Denn der Input ist unsäglich, gerade in seiner konkreten Unvollständigkeit.

Das Ganze wäre nicht so schlimm gewesen und hätte mich und vielleicht einige Andere nicht so erschüttert, wäre die Autorin allein Sahra Wagenknecht gewesen. Im Vorfeld auf den anvisierten Fraktionsvorsitz hat sie bereits mehrere Duftmarken ihrer Denkweise gesetzt.

Ganz als verlängerter Arm des Altvorsitzenden Lafontaine haut sie die Dinger raus, um das vermeintliche Reformerlager, also die Bartschisten, zu verschrecken und um ihre Machtfülle innerhalb der geplanten Fraktionsdoppelherrschaft schon mal klar zu machen. Es sollte also niemand überrascht sein, dass sie in ihrer antiimperialistischen Klassenkampf-Mission zu keinen anderen Mitteln greift.

Wir kennen bereits zur Genüge ihren rhetorischen Griff ins Klo, ihre Argumentation im Duktus des kalten Krieges aus den stalinistischen Kellern der kommunistischen Plattform.

Der sogenannte Dietmar Bartsch, die Reformer-Schnarchnase, stand bis dato als Ikone derer, die beim legendärem Machtkampf von Göttingen den Krieg verloren hatten. Das ist seit dem Erscheinen des ahistorischen Papiers, das überraschender Weise auch vom Dietmar getragen wird, wohl vorbei. Wagenknecht muss die Weichen ihrer Machtübernahme so gestellt haben, dass Bartsch schon jetzt jeden Bock der Orthodoxkommunistin abnickt. Mehr geht nicht und Oskar wird sich ins Fäustchen lachen.

Seit sich die einst so emanzipatorische Kipping an die Macht gehievt hat und mit dem Fundamentalisten- Korrektiv Ritzinger die Partei führt, ruhen weitestgehend die Waffen  der ewigen Strömungsscharmützel. Man hatte sich arrangiert, Fraktion blieb inhaltlich und methodisch weiterhin gespalten, ohne größeren Schaden anzurichten. Außerdem war da immer noch Gysi, der die Gräben überstrahlte. Das ist ja jetzt irgendwann vorbei und wie es aussieht, hat die Ikone der Fundis den Bartsch kassiert.

Damit wird mal wieder die Strömungsarithmetik durcheinander gewirbelt, fatal ist aber, dass sich die Rhetorik einer Wagenknecht innerhalb der Partei durchzusetzen beginnt und zwar auch in anderen Lagern.

Wie schrieb da treffend ein User: „Die Partei ist mir nicht mehr sonderlich wichtig. Sollen die Herrschaften doch die Linie verfolgen, die sie wollen! Ich nutze die Infrastruktur und Bekanntenkreise, die diese Partei mir bietet, und mache ansonsten mein Ding. Aber Werbung für den Laden mache ich schon lange nicht mehr.“

So werde ich das mal auch halten. Das Reformlager sollte sich viel mehr Gedanken machen, denn der Namensgeber des Bartschismus hat die Fronten gewechselt.

Hier noch ein schöner Beitrag, der sie inhaltlich mit dem Pamphlet auseinander setzt.

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Eine Antwort zu “Der Bartschismus ist tot

  1. Sahra Wagenknecht ist eine orthodoxe Kommunistin und Klassenkämpferin? So unverdiente Komplimente bekommt die Erhard-Anhängerin nur noch selten.
    Und der brave Gewerkschafter Riexinger soll ein Fundamentalist sein? Bin ich hier im Politikteil vom „Focus“? 😉

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