Erörterungen über Schuld und Sühne

Von Robert Zion

„Das, was sich für so viele hier mit Sahra Wagenknecht als die Speerspitze der progressiven Opposition in Deutschland darstellt, ist für mich bestenfalls Hobby-Theologie: Erörterungen über Schuld und Sühne.
Es gibt niemanden mehr, der nicht für diese Kriegsdesaster ursächlich mitverantwortlich ist – nirgends. Denn die Verantwortung liegt bei denen, die für sich die Entscheidungsgewalt darüber beanspruchen, Menschen für das Erreichen politischer Zwecke mit militärischer Gewalt töten zu dürfen.
Diese Verantwortung liegt in den USA ebenso wie in Russland, in Europa wie auch beim Hause Saud, dem Iran oder bei Assad.

Katja Kipping, ihre Parteivorsitzende, schrieb gestern: „Jeder der seine Heimat verlässt, tut dies in dieser Weltordnung letztlich aus politischen Gründen.“ Ich würde es noch präzisieren. Sie verlassen ihre Heimat, weil sie in dieser Welt zynischer Geopolitik, der Kriegsherren und ökonomischer Unterordnungsverhältnisse, einfach noch nicht die Hoffnung auf ein besseres Leben aufgegeben haben. Daraus müssen wir, wir alle, jetzt eine Politik machen.

Die Geopolitik hingegen ist eine Politik geografischer Großräume und Einflusszonen, für deren Kontrolle die Menschen nur Mittel zum Zweck sind. Hat sie dies in seiner ganzen Tragweite überhaupt begriffen? Oder ist sie den US-Neokonservativen in ihrem einfach nur spiegelbildlich umgekehrten, manichäischen Weltbild nicht am Ende viel näher, als sie es sich je selbst eingestehen würde?

Diese traditionslinke Sichtweise führt zu nichts mehr – und dass hier, keineswegs konstruierte, Querfronten um Projektionen von Volk und Nation auftauchen, hat seinen Grund -, sie ist noch nicht einmal auf der Höhe der theoretischen Reflexion und politischen Forderungen der eigenen Philosophen und Aktivisten:

„Die Menge muss dazu in der Lage sein zu entscheiden, ob, wann und wohin sie sich bewegt. Sie muss darüber hinaus das Recht haben, zu verharren und sich an einem Ort einzurichten, statt immer wieder gezwungen zu werden, sich auf den Weg zu machen. Das allgemeine Recht, ihre eigenen Bewegungen zu kontrollieren, ist letztlich die Forderung der Menge nach einer Weltbürgerschaft. Diese Forderung ist insofern radikal, als sie den grundlegenden Apparat imperialer Kontrolle über Produktion und Leben der Menge in Frage stellt. Weltbürgerschaft bedeutet die Macht der Menge, die Kontrolle über den Raum wiederzuerlangen und damit eine neue Weltkarte zu entwerfen“ (Michael Hardt/Antonio Negri: Empire – Die neue Weltordnung, 2000).

Ich sage: Die Migration ist die Desertion der Menschen aus der Logik dieser Weltordnung, aus der Logik der: Gewalt.“

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