#lld16: Das haben Luxemburg/Liebknecht wirklich nicht verdient!

Und wieder grüßt das Murmeltier. Das Jahr hat kaum begonnen und die Linkspartei sowie die gesellschaftliche Linke gestalten, wie jedes Jahr um diese Zeit, einen Jahresauftakt, der im Gedenken an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht mehrere Veranstaltungen und Aktionen bereit hält. Manche nennen es den politischen und kulturellen Höhepunkt des Jahres, viele den erwarteten Tiefpunkt für eine progressive Linke.

Zunächst haben Luxemburg/Liebknecht ein ehrendes Gedenken, eine Kranzniederlegung auf dem Friedhof der Sozialisten, viele Nelken und das Gedenken der Opfer des Stalinismus verdient. Das alles findet in der Regel schon würdevoll in aller Herrgottsfrühe an einem tristen Sonntagmorgen statt.

Die gesamte Parteiführung, die Vertreter der Bundestagsfraktion (wobei die Frage erlaubt ist, was da, genau da, der Herr Lafontaine zu suchen hat) und schließlich die Linke Berlin und einige Altkommunisten sind dann meistens schon fertig, wenn die linke Großdemonstration, die sich an der Frankfurter Allee so gegen neun getroffen hat, aufs Friedhofsgelände eintrifft. Ein Blick auf die Transparente und auf das Fahnenmeer verrät den aufgeklärten Linken sehr schnell, dass hier seit Jahren so einiges aus dem Ruder gelaufen ist.

Die ganze Palette der stalinistischen und trotzkistischen Splitter- und K-Gruppen, gepaart mit Verehrerorganisationen für alte und aktuelle Diktatoren und antiimperialistische und kommunistischen Sekten aus aller Welt geben sich mit Genoss*innen der LINKEN, meistens aus den Westverbänden, ein einvernehmliches Stelldichein. Die Nostalgie, das Nachtrauern alter revolutionären Werte und die totalitäre Opposition zum herrschendem Kapitalismus eint die Demonstranten. Unter den Flaggen der KVDR (Nordkorea), Palästinas, der untergegangenen DDR und dem außerhalb dieser Demo schon verhasstem Assadregimes werden die Parolen und die Lieder skandiert, als wären sie aus der Zeit gefallen.

Ob diese brisante Mischung den Geehrten gefallen hätte, können wir leider nicht beantworten. Mit den von Luxemburg gepredigten Zusammenhang von Freiheit und Sozialismus hat das und was zum großen Teil die Demonstranten vertreten, dann aber sehr wenig zu tun.

»Entschärfte« Hetze: Bild.de am Sonntag abend. Screenshot: jWAm Vorabend des Gedenken, auch das hat schon Tradition, veranstaltet die „junge Welt“ die Luxemburg-Konferenz in der Urania. Auch hier findet man das Sammelbecken der Friedensaktivisten, Querfrontler, Sympathisanten eines strammen Kommunismus und fundamentalen Antiimperialismus. Fast immer gibt es einen Eklat, so auch dieses Jahr, wo man zum Kampf gegen das „faschistische“ Regime in der Ukraine aufruft und die zuhörenden Fraktionschefs der Linken, Wagenknecht und Lafontaine goutieren das mit schweigender Zustimmung.

Peter Laskowski, Ko-Kreis Ema.Li, schreibt dazu treffend: „Normalerweise würde ich die Bild aus Prinzip nicht teilen, aber nur so mach der Kommentar von Klaus (Lederer) Sinn. „Meine 5 Cent dazu: Wer sowas macht, straft sämtliche Friedensrhetorik Lügen. So wird das nie was mit einer überzeugenden linken Politik der Konfliktvermeidung und des Antimilitarismus. (Und bevor das kommt: Ja, BILD ist nicht besser. Aber das macht es trotzdem nicht besser)“

Ich möchte hinzufügen: Es exestiert ein unerträglicher „Putinismus“ in der Partei DIE LINKE.
Dass hochrangige Linke mit den Putinschen Bürgerkriegsmilizen in der Ost-Ukraine fraternisieren und sie zu „Antifaschisten“ umlügen, ist erbärmlich.

Im übrigen ist es vollkommen egal, wer vor Putin buckelt und die Lügen und Kriegspropaganda des Kremls verbreitet. Es geht nicht um die Personifizierung bestimmter Positionen sondern um die Ablehnung solcher Positionen, weil sie schlicht nicht links sind!“ 

Zu guter Letzt ist da noch der kulturelle Jahresauftakt der Linken, der auch schon einige Jahre von Diether Dehm konsipiert und verantwortet wird. Dazu ist hier eigentlich alles geschrieben worden. 

So jedenfalls öffnet man sich so, schon gar nicht im Superwahljahr 2016, neuen und relevanten Spektren der Gesellschaft oder neuen Wählergruppen. Es wäre eine ästhetische und kulturelle Bankrotterklärung und ein politisches Desaster, wenn man denen, die hier bei den Linken zur Zeit mit billiger Propaganda die Richtung vorgeben, nicht in die Parade fährt. Da sind viele Genoss*innen in exponierten Positionen und nicht nur sie, gefragt.

Zum Schluss kommt eine der Geehrten zu Wort: „Wir wollen das Andenken der Helden des »Proletariat« weder monopolisieren noch in engem parteilichem Interesse darum kämpfen wie um den Leichnam des Patrokles. Aber wenn die Ehrung des Andenkens der Gehenkten zu einem gedankenlosen und lauten Sport wird, wenn sie zur gewöhnlichen Reklame erniedrigt wird, zum Aushängeschild einer politischen Gruppe, mehr noch, wenn zu diesem niedrigen Zweck die eigenen Ideen und Taten der »Proletarier«, für die sie in den Tod gegangen sind, vor den Augen des Volkes mißbraucht und mißdeutet werden, dann ist es einfach die Pflicht derer, die dem Geiste ihrer Grundsätze nach die direkten Erben der revolutionären Tradition des »Proletariat« sind, laut zu protestieren. Wir sind keine Freunde jener regelmäßigen alljährlichen Feierlichkeiten zum Andenken revolutionärer Traditionen, die schon durch ihre mechanische Regelmäßigkeit alltäglich werden und, wie alles, was traditionell ist – ziemlich banal.“ (Rosa Luxemburg, Der Partei »Proletariat« zum Gedächtnis, in: Przeglad Socialdemokratyczny, Nr. 1, Januar / Februar 1903, in: Rosa Luxemburg, Politische Schriften III, Frankfurt am Main 1968)

 

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3 Antworten zu “#lld16: Das haben Luxemburg/Liebknecht wirklich nicht verdient!

  1. Was hat dieser Schreiberling bloß getrunken?

    • Eine Wutbürgervokabel wie „Schreiberling“ ist ein starkes Indiz dafür, dass der betreffende Text etwas taugt.

      MLPD? Alles klar. Ein Sektenjünger fühlt sich getroffen.

  2. Wie sagte mal ein alter Genosse, da war ich noch jung und idealistisch, der im aktiven Widerstand im 3. Reich war, Betriebsrat über Jahrzehnte immer wieder gewählt und den ich das Vergnügen hatte in meinen Leben kennengelernt zu haben..
    „Wer auch nur eine Genossin, wer auch nur einen Genossen, wer Arbeiter verrät der hat den Namen Genosse nicht verdient und ist nichts anderes als Abschaum“
    Stalin hat jede Menge Genossen, Genossinnen, Arbeiter, Arbeiterinnen verraten und verkauft an die Nationalsozialisten und dann zeigt man diesen Abschaum noch!
    Mehr gibt es nicht dazu zu sagen

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