#ausnahmslos: Etwas großartig Wirksames, Befreiendes entgegensetzen!

Von Doris Achelwilm

„Was für ein Jahr, jetzt schon. Während ich mich für einen Seminar-Urlaub zu Frigga Haugs Konzept von „Marxismus-Feminismus“ letzte Woche auf der Insel La Palma befinde und über „Kämpfe um Zeit“ diskutiere, überschlagen sich hier wieder Ereignisse, die (als politisches Wesen: auch mein) ständiges Handeln im rasenden Jetzt und Sofort erfordern (während es zugleich auch mal ratsam sein kann, nicht jedem ersten Reflex nachzugeben – und viele der akut notwendigen Forderungen z.B. zur gesellschaftlichen Abwehr sexualisierter Gewalt bereits früher mehrfach vorgetragen und entwickelt wurden, aber nicht durchkamen. Und das haben wir jetzt davon.).

Ich bin fassungslos (und auch wieder nicht), dass volle Plätze an Silvester bei allem Getöse und Alkohol- und Böllernebel nicht den leisesten Schutz vor reihenweise offenkundig sexuellen Tätlichkeiten bieten (Versagen von vermeintlichen Sicherheitspolitiken, aber auch allgemeiner Öffentlichkeit; jeweils unterschiedlich herzuleiten und zu bewerten, versteht sich). Ich bin fassungslos (und bin es nicht), wie unverhohlen die Ereignisse von so Typen (und Typinnen), freundlich gesagt, pseudo-feministisch für rassistische Wendungen missbraucht werden. Ich bin fassungslos (nicht), dass viele sog. Leitmedien und studierte Kommentatoren auf Bilder, Formulierungen und Argumentkonstruktionen zurückgreifen, als hätte es einen zumindest sensibilisierenden Feminismus, Rassismusdiskurse oder meinetwegen auch nur ‚logisches Denken‘ mit Verantwortungsperspektive nie gegeben.

Um es in groß zu sagen: Die inzwischen hochverdichteten und krude überlagerten Zusammenhänge und Folgen kapitalistischer, neoliberaler (und dabei auch immer noch patriarchaler) Weltzurichtung finden zunehmend Gelegenheiten, um perfide weiter nach hinten loszugehen, und es ist das Schwerste, diesen Momenten der anti-emanzipatorischen „Katharsis“ vor dem Hintergrund vielfach kleingesparter, entsolidarisierter und politisch abgestumpfter Zustände etwas großartig Wirksames, Befreiendes entgegenzusetzen. Und konkreter, kleiner: Den feministischen Aufruf ‪#‎ausnahmslos‬ finde ich in seinem Versuch, dem aktuellen Meinungswust mit 14 programmatischen und systematisch verschränkten Forderungen etwas Fundiertes entgegenzustellen, einen notwendigen Aufschlag. Bleibt zu hoffen, dass insbes. die Politiker*innen unter den Unterzeichnenden in den eigenen Reihen mit diesen Ansprüchen durchdringen. Und dass sich im Laufe der Debatte klarer herausstellen wird, dass dieser Kampf mit der herrschenden Austeritäts- und Verarmungspolitik nicht zu gewinnen ist. Für heute will ich Diskussionsräume organisieren und die Zeit finden, um für richtige, eingreifende Positionierungen und ihre (gern massive) Verbreiterung und Durchsetzung zu kämpfen. Was wir m.E. genau nicht brauchen, sind Abschottungen, Abschiebungen, Spaltungen und Machtdemonstrationen, die Fronten verhärten, Ungleichheiten verstärken, Probleme weiter auslagern statt lösen, und zu kurz Gedachtes weiter zu kurz denken lassen.“

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