Gruseliges Schaulaufen der extremen Rechten.

Von Blockmd

Die gestrige Nazi-Hooligan-Veranstaltung in Magdeburg war ein gruseliges Schaulaufen aller möglichen Akteur*innen der extremen Rechten. Wir haben das mal ein bisschen ausgewertet ‪#‎md0904‬ ‪#‎nohogesa‬

GRUPPIERUNGEN

GSD – Gemeinsam Stark für Deutschland e.V. als Nachfolgeorganisation von HoGeSa – Hooligans gegen Salafisten ist als Organisator in Erscheinung getreten. Personell überschneidet sich GSD stark mit MAGIDA, dem äußerst neonazistischen Ableger der PEGIDA-Bewegung. Neben GSD war die Nazi-Partei DIE RECHTE präsent. Ihr Kreisvorsitzender Ingo Zimmermann griff am Rande der Demonstration einen Journalisten an. Auch die Holocaustleugner-Vereinigung „Europäische Aktion“, die in Sachsen-Anhalt einen „Stützpunkt“ in Dessau eröffnet hat, war vertreten, u.a. mit einem Transparent, auf dem „A(r)my go home, Besatzer [gemeint: USA] raus“ prangte. Am Aufmarsch nahm auch ihr „Gebietsleiter“ (korrekt müsste das wohl „Gauleiter“ heißen) Marcel Kretschmer teil.

Gesichtet wurden außerdem zahlreiche Autonome Nationalisten aus mehreren Bundesländern. Eine Gruppe aus Hamburg trug ein Transparent mit der Parole „Gemeinsam gegen Überfremdung – Volkstod stoppen. Frei. Sozial. National“ mit Schwarzer Sonne und DAF-Zahnrad. Ebenfalls dabei: Nazis aus Duisburg, Oberhausen, Nazis vom PEGIDA-Ableger ‚NDH.GE.SA‘ aus Nordhausen (Thüringen), Nazis aus der alten Kameradschaft „Festungsstadt Magdeburg“, Nazis aus Halle (Brigade), Nazis aus Hannover (GSD), Nazis aus Dortmund, angeführt von Siegfried „SA-Siggi“ Borchardt, Nazis von der „Division Wolfsburg“ a.k.a. „Berserker Deutschland“ aus Niedersachen (http://oireszene.blogsport.de/…/die-division-wolfsburg-der…/), Nazis aus dem Münsterland, die sich „Divion braune Wölfe“ oder Divison 44 – offenbar inspiriert von der 44. Infanterie-Division der Wehrmacht – nennen, Nazis von der „German Defence League“, Nazis aus Berlin-Marzahn-Hellersdorf (https://twitter.com/ruhig_brauner/status/719140320764674049) sowie die Rassisten der „Identitären Bewegung“, die vor allem im Harz aktiv sind.

TRANSPARENTE, KLEIDUNG & CODES

Pullover, T-Shirts und Basecaps mit HKNKRZ („Hakenkreuz“)-Aufdruck scheinen der neueste Nazi-Chique zu sein. Hiermit wurden gleich mehrere Personen gesichtet.

Neben dem erwähnten Volkstod-Banner wurde ein Transparent mit der klaren Gewaltandrohung „Linke Aktivisten haben Namen und Adressen, kein Vergeben, kein Vergessen“ getragen.

Ein Nazi rannte mit einem Pullover herum, auf dem das ukrainische „Regiment Asow“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Regiment_Asow), in dessen Logo die in Neonazi-Kontexten verbotene „Wolfsangel“ prangt, mit dem Begleitspruch „Terror Machine Combat“ und zwei Granaten abgebildet war. Passend dazu bewarb ein anderer Nazi die „Misantrophic Division“, eine ukrainische faschistische Gruppierung, die ebenfalls im Asow-Bataillon kämpft. Ihr Motto: „Töten für Wotan“ (http://de.sputniknews.com/politik/20150324/301625752.html)

Ebenfalls gesichtet wurden Pullover mit der Aufschrift „Support 81 Dark Side“, einem Support-Pullover für die Hell’s Angels.

Natürlich durften auch Musik-Devotionalien wie Landser- oder Kategorie-C-Merch nicht fehlen.

Ein Nazi trug ein T-Shirt mit der Aufschrift „Stressstraffel – SS“. Selbsterklärend soll SS hier für etwas anderes stehen.

Ein weiterer Nazi stellte die Odal-Rune zur Schau, die das Erkennungszeichen der 7. SS-Freiwilligen-Gebirgs-Division „Prinz Eugen“, der Hitler-Jugend (HJ) und des Rasse- und Siedlungshauptamt im „Dritten Reich“ war.

Das Rennen um die beliebteste Kleidungsmarke machte dieses Mal wieder „Thor Steinar“, dicht gefolgt von „Pro Violence“ und „YAKUZA“.

Außerdem gesichtet: Divison 39, ein Rocker-Club mit engen Verbindungen zur Nazi-Szene (http://www.mz-web.de/…/sachsen-anhalt-neonazis-interessiere…)

Des Weiteren: „Patriotische Europäer sagen Nein – PEsN“ mit einem Transparent „Gemeinsam statt einsam“ und „für die Einhaltung der Meinungsfreiheit (sic!), für einen gemeinsamen Volksentscheid, gegen die Willkür der Regierung“. PEsN ist eine eher rechtspopulistisch-Putin-treue Sekte aus der Verschwörungs-Community.

Ein Nazi zeigte offenbar sogar den Hitler-Gruß:https://twitter.com/PatrickRebien/status/718917494694612992

SPRECHCHÖRE

„Antifa-Hurensöhne“, „Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen“, „Frei. Sozial. National“, „Hier marschiert der nationale Viehbe…ääh…Widerstand“, „Nie wieder Israel“, „Antisemiten kann man nicht verbieten“, „Lügenpresse, Lügenpresse“, „Merkel muss weg“, „Deutschland erwache!“, „Wir kriegen euch alle“

REDEBEITRÄGE

Im ersten Redebeitrag wünschte ein PEGIDA-Redner Journalisten den Tod („sie sollen an ihren Lügen ersticken“) und „Multikulti-Befürwörtern ein bisschen Multikulti in allen Löchern“.

Zweiter Redner: Graziani, der übelsten Geschichtsrevisionismus betrieb (kein Volk hätte in den letzten 70 Jahren so viel gelitten wie die Deutschen), den „Gefallenen der Wehrmacht“ dankte und im Islam die Wurzel allen Übels sah. Zum Ende seiner Rede sagte er noch, dass „Volksverräter vor ein internationales Nürnberger Tribunal gezerrt werden sollen“.

Eine gute Zusammenfassung anderer Beiträge gibt es hier:http://schriftglueck.de/neonazismagdeburg-2/

ZAHLEN

Die Polizei hab die GSD-Demo mit 580 – 710 an. Wir zählten 650.

SONSTIGE VORKOMMNISSE

Eine Verhaftung eines Nazis ist dokumentiert. Zahlreiche Teilnehmer der GSD-Demo waren stark alkoholisiert und kippten sich tonnenweise Bier außerhalb der Hamburger Gitter hinter die Binde – Das Alkoholverbot ganz toll umgesetzt, liebe Polizei. Während der Musikbeiträge von „Teutonicus“ verließen die ersten stark angetrunkenen Nazis den Domplatz, um in Kleingruppen „erlebnisorientiert“ durch die Innenstadt zu ziehen. Etwa 35 Hatecore-Nazis versuchten dann am Abend auch, sich der großen Demonstration KEINE ALTERNATIVE! auf dem Breiten Weg zu nähern, wurden aber von Polizeieinheiten im italienischen Restaurant „Rialto“ festgehalten. Über die gewalttätigen Angriffe auf Pressevertreter*innen wurde schon viel berichtet: http://www.mdr.de/…/demos-magdeburg-samstag-100_zc-fd08c406…

Ein Polizei bezogenes Vorkommnis schockiert uns allerdings besonders: Im Vorfeld der Nazi-Demo lancierten Faschisten gezielt eine Falschmeldung über angeblich beschädigte Autos. Die Polizei übernahm diese Meldung offenbar ungeprüft, verbreitete sie dann sogar bei Twitter, um sie dann später wieder zu dementieren. Das ist ungeheuerlich und muss ein Nachspiel haben:https://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=1123552167679710&id=923290317705897. Für uns ist außerdem völlig unklar, warum die Volksstimme.de titelt, es hätte keine größeren Zwischenfälle gegeben. Sind Angriffe auf Kolleg*innen jetzt „keine größeren Zwischenfälle“ mehr? Des Weiteren ist völlig schleierhaft, dass die o.g. Falschmeldung dennoch den Zwischentitel „Vereinzelt Sachbeschädigungen“ in einem Volksstimme-Artikel auslöst: http://www.volksstimme.de/…/kundgebung–demonstranten-bleib…. Sauber journalistische Arbeit sieht anders aus.

Umfangreicher Fotostream von Presseservice Rathenow: https://www.flickr.com/…/press…/sets/72157666424739970/page1

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