Höcke und 1000 Jahre Deutschland

Von Chronik der Gutmenschen
Tausend Jahre Muff

Björn Höcke ist ein gefährlicher Mensch. Neonazis wie bürgerlichen Rassisten spricht der Mann mit den leicht femininen Zügen nach dem Munde, wenn er seine Lobreden auf Volk und Nation mit biologistischen Thesen und apokalyptischen Prophezeiungen füttert. Biologistisch. Auch nur eine beschönigende Alternativbezeichnung für klassischen Rassismus, mit dessen Hilfe Höcke nicht nur Farbige abwertet, sondern zudem in Anbetracht eines angeblich drohenden Untergangs Deutschland und seine Gesellschaft in alte Zeiten zurückzukatapultieren fordert.

Er ist so ein bisschen wie der Typ aus Frauentausch, dem der Streit um weibliche Emanzipation, den Schutz von Minderheiten und kulturelle Selbstbestimmung zu viel wird: „Halt Stopp! Jetzt rede ich! Deutschland muss deutsch bleiben! 1000 Jahre Deutschland, ich gebe euch nicht her!“

Tja, Höcke, damit bist du knapp 50 Jahre zu spät, denn damals hat eine ganze Generation erkannt, welch ein Muff sich in 1000 Jahren ansammeln kann, wenn man den Talar nicht ab und zu gegen einen Kaftan tauscht. Oder gegen Jeans und T-Shirt. Die 68er-Bewegung, die du und deine Partei am Liebsten ungeschehen machen wollt, hat unser Land aus seiner gesellschaftlichen Schockstarre befreit und unsere Herzen geöffnet.

Lange hat es gedauert, bis Homosexualität anerkannt wurde – in Teilen ist sie es heute noch nicht, siehe Fußball – oder bis die Frau nicht mehr als vom Mann abhängiges Wesen galt.

All diesen sozialen Fortschritt wollt ihr einstampfen. Frauen sollen zur Heimarbeit ermuntert werden, weil sie angeblich zu sehr ins Erwerbsleben gedrängt werden. Das klingt mir stark nach verängstigten alten Männern, die sich vor zu großer weiblicher Konkurrenz fürchten. Darum wohl auch das Gefasel von „falsch verstandenem Feminismus“ und die heroisierte, fast schon fanatisch daherkommende Nationalbezogenheit, die mitunter stark ins Völkische abdriftet, wie es die Antisemiten der Weimarer Zeit pflegten. Da du Geschichte studiert hast, ist dir das sicher bekannt.

Denn Völkisches, Nationalistisches – oder, wie du es gern nennst: Patriotisches – das mieft verdammt stark nach Ausgrenzung, nach Hass und Gewalt. Nach Faschismus. Nach Macht durch Unterdrückung von Schwächeren. Nach männlicher Überlegenheit.

Tu uns den Gefallen: Wenn du mal wieder deine Männlichkeit suchst, geh nicht auf irgendeine Bühne und schwätze vom Vaterland, sondern schau zuhause nach. Von mir aus schnapp dir eine Axt und hacke ein paar Scheite klein oder schau Fußball. Ja, das ist sexistisch, aber wenn es dich von Bühnen fernhält, kann ich diese Art Sexismus verschmerzen.

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