Die neuen Antideutschen

„Es gab eine rege und breite Debatte darüber, wie Linke auf das Wiedererstarken deutschnationaler Ideologie und Politik reagieren sollten. Viele Linksradikale trugen das Label »antideutsch« nicht als Bekenntnis vor sich her, sondern organisierten praktisch die Kritik der deutschen Verhältnisse. Dem offenen Streit zwischen linken Optionen folgte die Phase der Fossilisierung. Die von der Wiedervereinigung aufgescheuchte Linke war geschrumpft, Positionen waren eingeschliffen. Drei Jahre nach Rostock-Lichtenhagen, bei den Aktivitäten rund um den 50. Jahrestag der Niederlage Nazideutschlands, war radikale Deutschlandkritik nicht mehr erwünscht. Die lebhafte Kontroverse vom Beginn der neunziger Jahre war für Traditionslinke abgegessen. Ein bisschen Antirassismus und, wenn’s hoch kommt, eine Prise Antinationales, das ließ die Traditionslinke noch zu, aber die unbequeme Deutschland-Kritik wurde verdrängt.

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In der antideutschen Hauptstadtszene rund um die Bahamas setzte alsbald eine Selbstethnisierung ein. Der Ausgrenzung und Ignorierung durch die deutsche Linke folgte die entgegengesetzte Abgrenzung von den »anderen«, traditionellen Linken. Diese Inszenierung fand ihren erbärmlichen Schlusspunkt darin, sich als Turbo-»Antideutsche« zu gerieren, indem die US-Army als bewaffneter Arm der Emanzipation herbeihalluziniert wurde. Dieses turbo-»antideutsche« Gehabe setzt aber voraus, antiherrschaftliche Positionen als Ballast abzuwerfen. “

http://jungle-world.com/artikel/2005/47/16437.html

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