#linkeBPT:“Mein linker Alltag XIX – Eine Magdeburger Flugtorte und meine Herztropfen“

Von Jörg Prelle

„Halina Wawzyniak und Uwe Schwarz sind schuld! Auf ihre gestrigen Kommentare im FB hin las ich heute – ausgerechnet nach einem guten Frühstück – einen Artikel von Jens Berger in den ‚NachDenkSeiten‘ zu den Konsequenzen, die sich nun aus dem – für ihn – ungeheuerlichen  Torten-Attentat in Magdeburg  ergeben müssen.  Folgt man ihm führe die Spur der Torte zur Rosa Luxemburg Stiftung! Hat die RLS die Torte gar aus Fördermitteln bezahlt?
Als ‚Alt-86er‘, der ich nun mal im Gegensatz zu Jens Berger und Albrecht Müller bin (Letzterer zwar alt, aber kein 68er), habe ich für solche Artikel, eben altersbedingt, meine Herztropfen in unmittelbarer Reichweite. Meine Herztropfen haben die Form einer Computertastatur und in die haue ich nun doch eine Bemerkung dazu in die Tasten. Widerwillig – denn eigentlich hielt ich das ganze Geschehen um die Skandaltorte für wenig diskussionswürdig. Nicht einmal im FB.

Zunächst deswegen also zum eigentlichen Vorgang selbst:
Wie bereits gesagt, als „versiffter“ (Meuthen, AfD)  Alt-68er habe ich ja nun mal reichlich Torten- und Farbbeutel-‚Attacken‘ im Rahmen der innerlinken Disputfolklore erlebt. Aber alle, ich betone, alle “Opfer” einer solchen Attacke haben als politische Menschen sofort gewusst, dass der Wurf einer Torte oder Farbbeutels immer politisch auf den Werfer zurückfällt und es dem ‚Opfer‘ nutzt. Und haben deswegen einen solchen ‚Vorfall‘ auch mit (zumindest gespielter) Souveränität pariert. Von dem frühsten Eier-‚Attentat‘ auf Karsten Voigt, annodunnemals als Juso-Vorsitzender, bis hin zu Joschka Fischers Farbbeutel (war selbst Adorno nicht mal ‚Opfer‘ eines unvergesslichen ‚Busen-Attentats?).

Nur jetzt bei uns habe ich mit Erstaunen erlebt, dass beispielsweise Katja Kipping mit dem Gesichtsausdruck unendlichen Entsetzens ausrufen kann: “Der Angriff auf Sahra war ein Angriff auf uns alle” (Je suis Sahra!? Pas vraiment🙂. Und das ganze Gehabe um diesen “Angriff” hatte fast die Anmutung eines leibhaftigen Attentatsversuchs. Dabei war es nichts mehr als ein ärgerlicher  und auch alberner Zwischenfall. Verharmlose ich? Ja, und zwar mit  voller Absicht. Erstens weil die erregte Dramatisierung mangelnde politische Souveränität und Selbstbewusstsein verrät. Wenig saft- und kraftvoll. Und zweitens weil das in der Folge sofort die ‚Cui bono‘ Experten und Säuberungsnostalgiker – wie eben Jens Berger – auf den Plan ruft. 

Also, „cui bono“, wem nützt es denn? Der Rechten sowieso, aber sie haben ihre „Kettenhunde“ in der LINKEN und deshalb ist es an der Zeit, „ernsthafte Konsequenzen aus diesem Vorfall zu ziehen. Der Täter und seine Hintermänner sind der Partei nämlich sehr gut bekannt “. Die “Antideutschen” – wer das auch sei – sowieso.   Berger weiß: dass „derlei Umtriebe unter dem Dach der Linkspartei nicht nur geduldet, sondern sogar von interessierten Kreisen gefördert werden“. Zu den „interessierten Kreisen“ gehören „aber genau jenen Kräften innerhalb der Linkspartei, die die Partei von innen aushöhlen und „reformieren“ wollen, also dem rechten Parteiflügel mit führenden Funktionären wie Klaus Lederer oder Halina Wawzyniak“. Unter hinter allem verbirgt sich die Krake RLS, „die die Antideutschen, vor allem die Kettenhunde des rechten Parteiflügels, deren wirres Treiben vor allem deshalb fördert“.  Nun ist es also für die Parteiführung Zeit „dem Schulterschluss mit ihrer gedemütigten Fraktionsvorsitzenden .. auch Taten folgen zu lassen“.  

Auch wenn man es glauben könnte, das sind keine Textbausteine aus dem Jahr 1936.  In Stalins Sowjetunion hätte man wenigstens noch gewusst, welche Taten folgen sollen, heute muss Jens Berger – dumm für ihn – die Antwort auf die Frage, welche Taten denn nun eigentlich folgen sollen, offen lassen.
Das kommentierte Uwe Schwarz gestern mit einem gewissen Recht so: „Ich denke bei solchen Leuten sehr oft: „Zum Glück wird so etwas nie wieder Macht bekommen. Das ist der erfreulichste Unterschied zwischen Stalinisten und Nazis“.  Ich lasse es nur insofern nicht dabei bewenden und zitiere diesen Bergerschen Stalinisten-Stuss deswegen, weil man diese Phantasie aus Denunziation und politischem Säuberungsbedürfnis im Sprachduktus durchaus mit den völkischen Reinheitsphantasien  von rechts vergleichen kann und muss. Und selbst wenn die stalinistische Variante heute als Farce keine Machtoption mehr hat, kann sie doch durchaus ein Projekt wie die LINKE gefährden. Und ein ‚Projekt‘ ist und bleibt sie.  Und schließlich sind die NachDenkSeiten nicht irgendein Sektenblog, sondern beziehen ihr Renommee zuweilen immer noch aus den aufklärerischen Ansprüchen aus ihrer Anfangszeit, sind aber mittlerweile – spätestes seit dem begründeten Ausstieg von Wolfgang Lieb –  neben der Jungen Welt‘ ein Organ der linken Gegenaufklärung geworden.

Und ja, die Rosa Luxemburg Stiftung ist für diese Fans der ‚Gesäuberten  Generallinie‘ kein zufälliges Denunziationsobjekt, weil für sie die RLS als Plattform einer Diskussion der breiteren gesellschaftlichen Linken – auch mit ihren Ungereimtheiten – geradezu ein „rotes Tuch“ sein muss. Wenn nun schon die RLS in vorauseilender Vorsicht ihre Kooperationslisten nochmal durchkämmen sollte, dann schon sollte sie mögliche Kooperationen mit den NachDenkSeiten überdenken. Das wäre zwar eine „Konsequenz“ die Jens Berger nicht meinte, aber eine Konsequenz schon.

Höchste Zeit meine ‚Herztropfen‘ zuzuklappen.“

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