#Polizeigewalt: Der Kessel von Dortmund

Anzeigen gegen Polizeikessel und Polizeigewalt in Dortmund

Der Polizeieinsatz vom vergangenen Wochenende in Dortmund, bei dem mit aller Gewalt eine Demonstration von 900 Nazis von der Polizei durchgesetzt wurde, hat ein Nachspiel.
Linke und Piraten kündigen an, den Polizeipräsidenten im Dortmunder Rathaus dazu zu befragen und auch mehrere Landtags- und Bundestagsabgeordnete haben sich eingeschaltet.
Auch die Grünen kündigen eine Anzeige wegen des exzessiven Pfeffersprayeinsatzes der Polizei an.

Auf dem Dortmunder S-Bahnhof Dortmund-Dorstfeld wurden über mehrere Stunden etwa 300 Demonstrant/innen von der Polizei unter katastrophalen Umständen eingekesselt. Dicht gedrängt wurden sie immer wieder von einer behelmten Polizeieinheit angegriffen. Es gab einige Verletzte. Über Stunden wurde ihnen der Zugang zur Toilette verweigert, so dass die Letzten im engen Kessel in Urinpfützen auf dem Bahnsteig ausharren mussten.
Dieser Kessel der Polizei wird ebenfalls juristische Folgen haben, da einige der darin Eingeschlossenen Klagen gegen diesen Polizeieinsatz einreichen werden.
Viele der Eingekesselten kamen aus dem Rheinland. Ihr könnt uns gerne eine Mail an das Bündnis „Köln gegen Rechts schicken. Die Mailadresse lautet: 
gegenrechts@riseup.net
Wir werden euch dann über weitere Schritte (auch Anzeigen gegen den Kessel) informieren.

Die bei dem Kessel eingesetzte Polizeieinheit „Blumberg“ aus der Nähe von Potsdam ist übrigens schon seit einigen Jahren für brutale Übergriffe berüchtigt. Hier ein Artikel der Taz zu dieser Polizeieinheit:
http://www.taz.de/Beruechtigte-deutsche-Polizeieinheit/!5285266/

Im Folgenden wollen wir ein paar Augenzeug/innen aus dem Kessel zu Wort kommen lassen.
Danach werden wir mal aus einem Bericht des SPD Ortsverbandes Huckrade zitieren. Deren Kundgebung am Marktplatz wurde ebenfalls mehrfach von der Polizei angegriffen

Die Berichte stammen überwiegend von der Seite der „Nordstadtblogger“ http://nordstadtblogger.de/

Die Fotos von dem Kessel in der S-Bahnstation haben wir von den Seiten des Anarchistisches Kollektiv Köln.
https://www.facebook.com/anarchokoeln/?fref=ts

Bericht Nr. 1:
„Ich war mit einer Gruppe aus Düsseldorf unterwegs, wir wurden schon von D,Dorf aus von Polizeieinheiten bis zum Bhf dorstfeld „begleitet“. In dorstfeld wurden wir drei Stunden, zusammen mit ca 300 anderen auf dem Bahnsteig (unterirdisch) festgehalten. Mehrfach haben wir versucht den abriegelnden Polizisten klar zu machen das wir und ca. 20 andere Personen hier nicht das Interesse haben zu blockieren. No Chance.
Es kam immer wieder zu Gedränge und regelrechter Panik wenn die Polizei einzelne demoteilnehmer rausgreifen wollte. Dabei wurde eine ältere Frau aus unseren Reihen verletzt, sie zog sich eine Rippenprellung zu und bekam schlecht Luft. Die eingekesselten Menschen waren zwischenzeitlich gezwungen ihre Notdurft in den einzigen Mülleimer auf dem Bahnsteig zu verrichten. Uns Kleingruppe(6Personen) , mit der verletzten Dame, wurde nach drei Stunden angeboten den Bahnsteig zu verlassen. Alle anderen mussten weitere Stunden dort ausharren. Nachdem wir den Bhf verlassen haben standen wir im nächsten Kessel der erst nach 1Std, durch Anmeldung einer Demo aufgelöst wurde.“…

Bericht Nr.2:
Wir sind also um 8.49 Uhr aus Köln mit einer Gruppe von ca. 250 Menschen nach Dortmund gefahren. Dort wollten wir unter anderem das genehmigte Fest „Nie wieder blöd“ in Dortmund Dorstfeld besuchen. Mit Freunden teilten wir uns das NRW Ticket. Nach einem Umstieg in Essen in die S 1 kamen wir kurz nach 11 Uhr in Dortmund Dorstfeld auf dem unterirdischen Bahnsteig an. War unsere Anreise schon von zahlreichen Polizisten in Kampfmontur begleitet worden, so erwarteten uns auf dem Bahnsteig noch mehr martialisch aussehende Polizisten. Beim Aussteigen aus dem Zug – wir befanden uns ganz vorne im Zug- stellten wir fest, dass der Ausgang auf der linken Seite schon von einer Polizeikette abgesperrt war. Wir orientierten uns auf die rechte Seite des Bahnsteigs, um dort die Bahnstation zu verlassen. Nach wenigen Metern stoppte die Gruppe, während die hinter uns befindliche Polizeikette sofort aufschloss. Die Größeren unter uns konnten erkennen, dass die Gruppe vorne ebenfalls durch eine Polizeikette am Weitergehen gehindert wurde. In der folgenden Stunde kam es immer wieder zu Lautsprecherdurchsagen, die aber hinten nicht zu verstehen waren. In dieser Stunde wurde es für uns alle immer enger, da die Polizei die Menschen immer mehr zusammendrängte. Auch gab es auf der Bahnebene keinerlei Handynetz. Deshalb habe ich versucht, nach vorne zu kommen, um zu erfahren, was los sei. Es war extrem eng, und ich musste mich schrittweise hart an der Bahnsteigkante entlang zwängen, damit ich überhaupt nach vorne kommen konnte. Vorne hatte die Polizei eine Gruppe von Demonstranten gesondert eingekesselt. An dieser Polizeikette war kein Durchkommen mehr. Ich fragte deshalb einen der Polizisten, wie ich herauskommen könnte. Er empfahl mir, wieder nach hinten zu gehen, um dort den Kessel zu verlassen. Ich könnte den Beamten hinten sagen, dass ich von vorne zu ihnen geschickt worden sei.
An der hinteren Polizeikette wurde mir aber von einem Beamten, der sich als Gruppenleiter der hinteren Sperre zu erkennen gab (Oberkommissar S… von der BFE Blumberg) mitgeteilt, dass ich dort nicht herauskäme. Ich sollte nach vorne gehen. Als ich ihm sagte, dass ich von dort käme und er doch bitte Funkkontakt aufnehmen möge, weigerte er sich das zu tun. Ich sagte ihm, dass es nicht rechtmäßig sei, dass wir hier eingekesselt sind und dass es Freiheitsberaubung wäre. Darauf meinte er, dass könnte ich ja später vor Gericht klären lassen. Neben uns stand ein älteres Ehepaar, dass die Beamten ebenfalls mehrmals darauf hinwies, dass diese Maßnahme nicht rechtmäßig sei…

SPD Huckarde:
„Kritik an der Polizei: Wie aus einer friedlichen Demonstration gegen Rechts eine gewalttätige gemacht wurde

Strahlender Sonnenschein, hochsommerliche Temperaturen, nette Leute, einem super Frühstücksbüfett, Live-Musik vom Feinsten: Auf der alle drei Monate stattfindenden Kundgebung gegen Rechts des Huckarder Bündnisses gegen Rechts auf dem Marktplatz an der Rahmer Straße stimmte am Samstag im Vorfeld des Nazi-Aufmarsches alles.
Wir haben uns gefreut, als die Demonstrations-Teilnehmer einer Antifa-Gruppe gegen 12.30 Uhr zu uns stießen. Junge freundliche Menschen, die uns halfen, die von den Kundgebungs-Teilnehmern und –Teilnehmerinnen mitgebrachten Unmengen an Brötchen, Aufschnitt und andere Leckereien zu vertilgen.
Nach unserer Veranstaltung um 13.30 Uhr überließen wir den Platz, den das Huckarder Bündnis gegen rechts ursprünglich bis 18 Uhr angemeldet hatte, diesen jungen Leuten, zu denen sich zwischenzeitlich auch noch weitere Demonstranten, u.a. von den Grünen und den Piraten gesellt hatten. Wir wollten vor Ort mit weiteren Bündnis-Mitgliedern, Genossinnen und Genossen aus Mengede, Jusos, Falken und Huckarder Bürgerinnen und Bürgen ebenfalls auf die Nazi-Demo warten, um friedlich gegen den brauen Aufmarsch zu demonstrieren.
Vergeblich hatten im Vorfeld einige von uns versucht, eine spontane Gegendemo anzumelden.
Die Antragstellerin wurde hingehalten, bis die Nazis vorbeigelaufen waren. Nachdem die Rechten durch Huckarde marschiert waren, waren viele von uns enttäuscht. Wer Glück hatte, konnte eine Blick durch die Polizeibarrikade auf die Rechten erhaschen – mehr nicht.
Trotzdem machte sie Erleichterung breit. Niemand hatte versucht, die Polizeibarrikade zu durchbrechen, wir konnten keine Handgreiflichkeiten gegen die Polizei wahrnehmen.

Doch dann mussten wir beobachten, wie die Ordnungshüter plötzlich dafür sorgten, dass aus einer friedlichen Kundgebung eine gewalttätige wurde.
Immer wieder stürmten schwarz uniformierte Polizeitrupps plötzlich in die Menschenmenge um junge Leute herauszuholen. Dabei rempelten sie rücksichtslos im Weg stehende Demonstranten an, trieben sie vor sich her, wie eine Herde Vieh.

Eine ältere Frau stürzte, als sie von einer heranstürmenden Polizistin zur Seite geschubst wurde. Von einem Mann darauf angesprochen blaffte die Ordnungshüterin bloß: „Halts Maul!!“.
Was wir noch beobachtet haben:
Ein zehnjähriger gänzlich unbeteiligter Junge wurde bei den wilden Verfolgungsjagden von der Polizei mit Tränengas besprüht.
Ein 60-Jähriger, der sich wütend mit erhobenen Händen vor die Polizei stellte, bekam eins auf die Nase.
Zwei junge Leute, die ebenfalls im Weg gestanden hatten, lagen schnell verletzt auf dem Boden.
Über Lautsprecher kam dann irgendwann die Drohung der Polizei, uns nicht zu den Straftätern zu stellen, sonst würden wir Gefahr laufen, ebenfalls verhaftet zu werden. Wir hatten Angst.
Wer waren die Übeltäter – was hatten sie getan? – Mit wem durften wir uns noch unterhalten, wenn wir nicht ebenfalls abgeführt werden wollten? – Wir hatten wirklich keine Ahnung, weil vor dem von uns sehr gewalttätig empfundenen Polizeieinsatz alles friedlich gewesen war.
Mag sein, dass jemand aus dem Antifa-Spektrum einen Stein oder eine Plastikflasche auf Polizisten geworfen hat – alles haben wir wirklich nicht im Blick gehabt. Sowas verurteilen wir natürlich aufs Schärfste. Gewalt geht gar nicht.
Aber ist das ein Grund, alle anderen Demonstrationsteilnehmer ebenfalls zu Tätern zu machen? – Natürlich versuchen wir einen Menschen zu schützen, der direkt vor uns mit Gewalt abtransportiert wird. Das ist ein Helfer- bzw. Gruppenreflex, den sich auch die Polizei zu Eigen macht und machen muss.
Natürlich haben wir mit den jungen Leuten der Antifa gemeinsam eine Menschenkette gebildet, um uns alle gemeinsam vor den Polizeiattacken zu schützen. Und werden dafür jetzt radikalsiert. Dagegen protestieren wir aufs Schärfste…“

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