Dehm und Bartsch im Party-Patriotismus

wp-1466316330783.jpegVon Wolfgang Prinz

„“Was wollen wir trinken sieben Tage lang …?“

Dieter Dehm und Dietmar Bartsch feiern zur Zeit demonstrativ eine fröhliche Deutschlandbesoffenheit und grenzen sich bewußt gegen die Kritik der Grünen Jugend am Party-Patriotismus ab. Was soll das?

Die Nation ist nie etwas anderes gewesen als ein Funktionsraum des Kapitals. Die ideologisch-kulturellen Überhöhungen dieser Funktion waren immer bloß überschießendes Moment. Die  Globalisierung hat die Rolle des Nationalstaats als Klammer des jeweiligen national gebundenen Kapitals verändert: das Kapital ist längst über die Nation hinausgewachsenen und agiert unmittelbar global. Es ist Weltkapital geworden. Von einem Primat der Politik kann längst keine Rede mehr sein. Der Weltmarkt ist verwirklicht und das Kapital hat seine nationalen Färbungen abgestreift. Es zählt einzig die betriebswirtschaftliche Rationalität auf den global zerstreuten Produktionsketten. Ist es billiger, in Vietnam zu produzieren, dann geschieht dies auch. Die Rolle der Nationalstaaten reduziert sich auf die von Standorten, die dem Weltkapital Angebote machen, um Investitionen anzulocken.

Das Zeitalter der Nationalimperien, die als Akteure eines national gebundenen Kapitals um Kolonien, Rohstoffe und Einflußzonen Kriege führten, ist im wesentlichen vorbei. Die Kriege des Welt-Imperialismus werden heute eher darum geführt, die allgemeinen Voraussetzungen des Weltmarkts zu sichern. Piraterie muss bekämpft werden, um den sicheren Warenverkehr zu garantieren, der internationale Terrorismus wird bekämpft, um die bürgerlichen Freiheiten als Voraussetzungen des kapitalistischen Weltmarkts zu sichern,  und Flüchtlingsströme müssen kontrolliert werden.

Die Reduktion der Rolle der Nationalstaaten zu „Standorten“ des Kapitals hat Auswirkungen auf nationalistische Ideologien als typischen Wahnideen des Kapitals. Es fehlt diesem Wahnsinn an der nötigen Deckung durch das Kapital, das heute international betriebswirtschaftlich denkt. Der nationale Wahn hat heute eher eine Ähnlichkeit mit betriebswirtschaftlichen Standortgemeinschaften wie Opel oder VW, die in der Konkurrenz unter die Räder gekommen sind. Der Blut- und Bodennationalismus hat es heutzutage schwer.

Vor diesem Hintergrund muss man die jüngsten Bekenntnisse von Dieter Dehm und Dietmar Bartsch zum „lustvollen“ Party-Patriotismus betrachten. Sie sind Bekenntnisse zur Standortkonkurrenz und zum oberflächlichen Spaß-Konsum ohne jede kritische Distanz dazu. Die beiden wollen dabei sein, wenn alle fröhlich sind, und aus diesem Mitmachen Wählerstimmen abstauben. Hier herrscht die vollkommene Identität mit der kapitalistischen Freizeitgesellschaft.
Es ist wie die Verwirklichung des alten Liedes der Gruppe Bots aus den Zeiten der Friedensbewegung, das Dieter Dehm geschrieben hatte: „Was wollen wir trinken sieben Tage lang“. Schon damals erkannte Dehm im fröhlichen Mitmachen nicht die Handschrift der Kulturindustrie, die dahinter stand, um die Freiheit der Menschen für ihre Zwecke zu beschlagnahmen.

Adorno hat über die Kulturindustrie und ihre Funktion viel geschrieben. Er beschreibt die Freizeit als Verlängerung der Arbeit und als Verneinung echter Selbstbestimmung in der Muße. Kulturindustrie ist ein wichtiger Teil des Herrschaftssystems und die Ideologie von der Selbstverwirklichung in der Freizeit ist ihre Geschäftsidee.

Adorno: „Der Gesamteffekt der Kulturindustrie ist der einer Anti-Aufklärung.“

Die Stellungnahmen von Dehm und Bartsch für den fröhlichen Konsum der EM ist weniger als pro-nationalistisch zu werten, sondern als völlige Aufgabe jeder kritischen Distanz zur kapitalistischen Gesellschaft und ihrer kulturellen Verblödungsindustrie. Dehm spielt mal wieder den Schlagerfuzzi, als der er reich geworden ist und Bartsch springt auf diesen Zug auf. Alle sind echt gut drauf.“

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