Diese heimatlosen autoritären Charaktere….

„Diese heimatlosen autoritären Charaktere haben niemanden mehr, dem sie folgen können, deswegen müssen sie sich ihren abendländischen Neotraditionalismus zu Hause mit der Laubsäge basteln und unkontrolliert im Internet ausprobieren. Die hören nicht auf Vordenker, die sind auf ganz grauenhafte Weise emanzipiert in ihren selbsterfundenen autoritären, rassistischen Identitäten.“

„Es gibt noch eine weitere Front: der durch den Tod Helmut Schmidts verwaiste Typ des praktisch-kulturlosen Durchgreifers, aber mit sozialdemokratischem Augenmaß und protestantischem Klartext. Das mag so eine alte No-Bullshit-Fraktion der Mittelklasse, die mit Kulturkämpfen eigentlich nichts am Hut hat, sondern eher mal über Verschwendung von Steuergeldern lamentiert. Diese technische Intelligenz ist auch Teil des Bürgertums. Das sind gutausgebildete Leute, die sich aber nicht über eine bestimmte Kultur definieren und nicht mit linken oder liberalen Werten in Verbindung stehen, sondern die sich eher für pragmatisch halten. Das sind auch keine eifernden Rechten, aber da werden über die Statistik/Pragmatismus-Pose à la Sarrazin bestimmte rechte Positionen entwickelt. Obwohl Sarrazin auch den Kulturkämpfern Argumente liefert, geriert er sich und seine Argumente auch als eher pragmatisch und sachlich, ganz anders als Pirinçci und die Millionen Hater in den Foren.“

„Zwei patriotische, patriarchale, rechte Positionen können ja endlos streiten und sich begrifflich völlig einig sein. Doch besteht ein endloser Konflikt auf der Basis ihrer Konkretheit. Jeder Herrscher kann sich mit dem nächsten anderen Herrscher endlos bekämpfen. Dabei sind beide für dieselbe Sache, sind beide Nationalisten – nur der Vaterlandsverräter irritiert sie. Für das Patriarchat, für die Unterdrückung, gegen Emanzipation, der Streit geht ja nur ums konkrete Territorium, nicht um Werte, da könnten sich Putin, Erdogan, Trump, Hofer und die AfD den ganzen Tag die Hand schütteln. Der Kampf AfD, Pegida, Rechte gegen den Islam ist genauso. Strukturell unterscheiden die sich kaum. Der Streit zwischen links und rechts ist dagegen ein grundsätzlicher. Der linke Kampf gegen Rechte geht nicht um Territorien. Es geht dabei um Inhalte und Ideale. Das versucht die Rechte auszublenden, ihr ewiger Punkt ist, dass auch die Linke und der Vaterlandsverräter in Wirklichkeit irgendein Territorium beanspruchen. Dabei ist der Konflikt asymmetrisch.“

Mehr: http://jungle-world.com/artikel/2016/25/54310.html

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