Passend zum Wahlkampf: Liebe SPD…

Von Thomas Blüm

Ein Text aus dem Jahr 2013, der eigentlich zeitlos ist, wie ich finde, und deshalb im Grunde stündlich gepostet werden kann: 
„Liebe SPD, du Knuddelpartei, Politresterampe, Biomülldeponie, du alles Bestehende überstrahlender Backpfeifengesichterverein der Weltgeschichte.
Du bist und bleibst auch die nächsten 150 Jahre wie ein im Tierheim von Hohenschönhausen von den Pflegern in einem Kellerverschlag vergessener einbeiniger, räudiger Hund, wie der lange erfolgreich verdrängte Verwandte, dem immer getrocknete Speisereste am Mundwinkel kleben, wie der uns aus dem Fernsehkasten entgegengrinsende Schädel von Markus Lanz: Wir empfinden bei deinem erbarmungswürdigen Anblick diffus etwas, das eine Mischung aus Ekel und Mitleid sein könnte. Aber haben wollen wir dich nicht, nicht jetzt und nicht in 150 Jahren, wenn du 300 Jahre alt wirst. Deine Politik riecht nach kaltem Bauer. Du bist das vorletzte Aufgebot des BDI.
Deine Kanzlerkandidaten wählst du zuverlässig so aus, dass man meint, sie seien, selbst von hartgesottenen Berufsladendieben verschmäht, am letzten Tag des Räumungsverkaufs auf den untersten Regalbrettern liegengeblieben und hernach vom Personal nur aus nackter Angst, jemand könnte sie doch noch entdecken und seinen Feind damit beschenken, mit nach Hause genommen worden: der armselige Scherzartikel, über den keiner je gelacht hat (Scharping), der Hefekloß mit abgelaufenem Haltbarkeitsdatum (Steinmeier), der abgeschabte Leitzordner, der seit 1976 daliegt und den einem zerlumpten moldawischen Straßenkind als Malunterlage anzubieten man sich schämen würde (Steinbrück).
Du bist und bleibst auch die nächsten 150 Jahre die Familie Hesselbach unter den Parteien: putzig anzuschauen, rührend in deinem beharrlichen Versuch, deinem astreinen autoritären Charakter ein libertäres Partyhütchen aufzusetzen, und von vollendeter Überflüssigkeit. Und immer, wenn wir deine Wahlkampfslogans lesen müssen, kommt uns pfeilschnell unweigerlich Hugo von Hofmannsthals berühmter Brief des Lord Chandos in den Sinn: Die Worte »zerfielen mir im Munde wie modrige Pilze«. Es ist nicht schön, dass es dich gibt.“

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