Hetzjagd gegen Journalisten in Deutschland?

​Von Boris Reitschuster

Hetzjagd und Gewaltandrohung gegen Journalisten in Deutschland im KGB-Stil: Gestern stürmten zwei Randalierer – Möchtegern-Journalisten von Russia Today und der Jungen Freiheit* – in die correctiv-Redaktion in Berlin, machten dort Rabatz, schrien „Lügenpresse“, filmten unerlaubt und suchten nach Marcus Bensmann – einem Kremlkritiker, der mit seinen Recherchen zum Abschuss des Fluges MH-17 über der Ostukraine in Moskau für großen Unmut gesorgt hat (siehe Link unten). Einer der Männer rief Bensmann, der nicht in der Redaktion war, an, beschimpfte ihn minutenlang, u.a. als Prostituierte für die CIA. Hetze und Provokation nach Art des FSB/KGB-Art der 1930er Jahre, wie sie in Moskau seit langem üblich sind – jetzt auch bei uns. Immer öfter. Hajo Seppelt, der Doping-Enthüller der ARD, wurde bereits Opfer, über mich gibt es ganze Hetzsendungen im Staats-TV, das auch Millionen Russischsprachiger in Deutschland sehen können. Putin-Getreue in offiziellen Ämtern rufen offen dazu auf, Kritiker auch im Ausland zu verfolgen, bis hin zum Ermorden. Die Reaktion hierzulande bislang: null. Dazu passt die Reaktion unseres Auswärtigen Amts (siehe P.S. unten) ebenso wie das Urteil von Köln gegen gewalttätige russische Hooligans, die mit höchster Milde davon kamen (Link unten). Alles zusammen ein klares Signal nach Moskau: Macht weiter, wir wehren uns nicht. Früher sagte man dazu, jemand wird für vogelfrei erklärt. Höchste Zeit, dass unsere Behörden und Verbände (DJV, dju, Reporter ohne Grenzen) aufwachen. Oder ehrlich sind und den Adler im Bundeswappen durch die drei Affen  ersetzen: Wir sehen nichts, hören nichts und sagen nichts.
Gefällt mir = Missfällt mir 
P.S.: Die Frankfurter Allgemeine hat den Vorfall jetzt aufgegriffen, und die Aufforderung aus dem Post hier. Hier der Link zu dem Beitrag von Gerhard Gnauck, der gut platziert ist auf der Homepage der Zeitung. Ich hoffe sehr dass andere Medien nachziehen. http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/zwei-moechtegern-reporter-randalieren-14370797.html
*Einer der beiden war Graham W. Phillips, seines Zeichens eine Hauptfigur in der russischen Propaganda der „Volksrepubliken“ im Donbass.
Links:

Attacke auf correctiv: 

Hetzsendung gegen mich: 

http://www.focus.de/politik/ausland/journalisten-als-freiwild-moskaus-staatsfernsehen-hetzt-gegen-einen-deutschen-journalisten-ihm-bleibt-nur-galgenhumor_id_5748812.html

Reaktionen: 

Aktion gegen Seppelt: 

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/doping-rechercheur-hajo-seppelt-bekam-besuch-vom-russischen-staatsfernsehen-14280409.html

Das Hooligan-Urteil von Köln: http://www.spiegel.de/panorama/justiz/hooligans-in-koeln-zur-em-russen-zu-bewaehrungsstrafen-verurteilt-a-1105418.html
P.S.: Reaktion des Auswärtigen Amts auf eine Anfrage, was man angesichts der Hetze zu tun gedenke: 
Sehr geehrte (…)
vielen Dank für Ihre Anfragen vom 20.07. sowie 28.07. an das Auswärtige Amt.
Sie äußern darin Ihre Besorgnis angesichts einer Fernsehsendung des russischen

Senders TV-Center, in dem Kritik an dem deutschen Journalisten Boris

Reitschuster und seiner Arbeit geübt wird.
Das Auswärtige Amt beobachtet die Einschüchterung der russischen

Zivilgesellschaft sowie die verbreitete Diffamierung und Bedrohung

Oppositioneller seit geraumer Zeit mit großer Sorge. Daher hat das Auswärtige

Amt Russland immer wieder öffentlich, in bilateralen Gesprächen, aber auch

gemeinsam mit unseren EU-Partnern dazu aufgerufen, ein Klima der

Meinungsfreiheit und der Toleranz zu schaffen und sicherzustellen, dass

Gesetze im Rahmen der internationalen Menschenrechtsverpflichtungen Russlands

angewandt werden. Die Pressefreiheit ist ein besonders hohes Gut, für das sich

die Auswärtige Amt auch im Ausland einsetzt. Pluralismus von Meinungen,

öffentlicher Diskurs und freie Berichterstattung sind unverzichtbare

Bestandteile eines jeden funktionierenden demokratischen Gemeinwesens. Die

Möglichkeit, Meinungen frei von Sorgen um die eigene Sicherheit äußern zu

können, ist dabei entscheidende Voraussetzung.
Aus diesem Grunde haben wir uns die von Ihnen erwähnte Sendung gründlich

angesehen. Diese mag nicht den Standards eines fairen und objektiven

Journalismus genügen. Auch nach nochmaliger Analyse konnten wir jedoch den

Tatbestand einer direkten Bedrohung der Sicherheit von Herrn Reitschuster

nicht feststellen. Sollte Herr Reitschuster sich dennoch aufgrund hier nicht

bekannter weiterer Umstände in seiner Sicherheit in Deutschland bedroht

fühlen, regen wir unter Bezugnahme auf konkrete Bedrohungstatbestände eine

unverzügliche Kontaktaufnahme mit den zuständigen innerdeutschen

Sicherheitsbehörden an.
Das Auswärtige Amt vertritt die deutschen Interessen und die Interessen der

deutschen Staatsbürger im Ausland. Wir werden daher auch in Zukunft die

Situation von deutschen Journalisten in Bezug auf ihre internationalen

Aktivitäten in Drittstaaten beobachten. Falls sich aus russischer

Medienberichterstattung eine konkrete Bedrohung deutscher Journalisten ergibt,

wird das Auswärtige Amt dies in geeigneter Weise gegenüber den zuständigen

russischen Stellen geltend machen.
Das Auswärtige Amt steht in regem Austausch mit Vertretern der russischen

Zivilgesellschaft und setzt sich dafür ein, diese Kontakte noch stärker als

bisher zu fördern. Einschüchterung und Feindseligkeit gegenüber

Andersdenkenden muss stets aktiv entgegengetreten werden. Gleichzeitig ist das

Auswärtige Amt der Überzeugung, dass langfristige Sicherheit in Europa nur

gemeinsam mit und nicht gegen Russland zu erreichen ist. Mit einer Vielzahl

von Initiativen setzen wir uns dafür ein, auf einen Schutz der europäischen

Friedensordnung sowie auf den Schutz der Menschenrechte hinzuwirken.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr Bürgerservice im Auswärtigen Amt

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