Ernst Nolte, der alte, antikommunistische Reaktionärssack, ist tot

Von Fabian Lehr

Quelle https://m.facebook.com/story.php?story_fbid=10208846136664958&id=1660329755

„Ernst Nolte, der antikommunistische alte Reaktionärssack, hat schließlich doch noch den Löffel abgegeben. Nolte, im großen „Historikerstreit“ der 80er Jahre die zentrale Figur, war der bedeutendste intellektuelle Wortführer der rechten Intellektuellen in dieser Auseinandersetzung und entwickelte sich später in seinen politischen Ansichten zu so einer Art Halbfaschisten. Politisch war der Kommunistenfresser Nolte so ziemlich das Rechteste, was im intellektuellen Establishment der Bundesrepublik so durchgeht. Aber: Der Mann hatte intellektuell unbestreitbar was drauf, war vermutlich der klügste reaktionäre deutsche Historiker seiner Generation, der Theorie und Geschichte des Marxismus und der hegelianischen und marxistischen Philosophie im Gegensatz zum liberalen 08/15-Antikommunisten wirklich tiefgehend studiert hatte, ehe er an deren intellektuelle Bekämpfung ging. Das schlägt sich in seinen Büchern nieder, die hart reaktionäre, aber oft sehr klug argumentierte Positionen vertreten, die meistens schlauer sind als die sich über ihn empörenden bundesrepublikanisch-staatstragenden liberalkonservativen Historiker. Sogar im Historikerstreit selbst kommt der Ultrareaktionär Nolte auf der analytischen Ebene einer marxistischen Position viel näher als seine liberalen KritikerInnen: Noltes Kernthese besteht darin, dass der Nationalsozialismus und seine Gräueltaten eine Reaktion auf den Bolschewismus darstellen. Dass der Faschismus eine Reaktion der Bourgeoisie auf die außen- und innenpolitische Gefahr durch die Ausbreitung der kommunistischen Parteien und der kommunistisch beeinflussten ArbeiterInnenbewegung seit dem ersten Weltkrieg war, dass Faschismus nicht denkbar ist, ohne dass zuvor kommunistische Revolutionen und revolutionäre Parteien der Bourgeoisie einen Schreck in die Glieder gejagt haben, ist ja für MarxistInnen eine völlige Trivialität. Der Antikommunist Nolte belässt es halt nicht bei dieser trivialen analytischen Feststellung, sondern zieht daraus dümmliche moralische Urteile, dass die bösen Bolschewiken indirekt an Auschwitz „schuld“ seien und Stalin auch kein besserer Mensch als Hitler war usw. usf. – aber die große Masse der liberalen Intellektuellen, die Nolte im Historikerstreit von einer staatstragend-liberalkonservativen Warte aus angriffen, attackierten ihn vornehmlich gar nicht für solche Dämlichkeiten, sondern für sein grundlegendes analytisches Urteil, dass der Faschismus eine aus bürgerlicher Sicht rationale Reaktion auf die Bedrohung ihrer Herrschaft durch die Fortschritte der kommunistischen Bewegung darstelle, wohingegen sie den Faschismus und besonders den Nationalsozialismus als irrationalen Ausbruch wahnwitziger Verbrecherinstinkte betrachteten, die als rationales Handeln zu verstehen moralisch inakzeptabel sei – wohl nicht zuletzt, weil das Bemühen um Verständnis der historischen Logik des Faschismus zum Schluss führen würde, dass dieser eben NICHT, wie von staatstragenden Liberalen und Konservativen gern behauptet, die Negation des bürgerlich-kapitalistischen Staates ist, sondern eine spezifische Ausprägung von ihm in Zeiten schwerer ökonomischer und sozialer Krisen. Der Rechtsextremist Nolte hat analytisch das Wesen des Faschismus viel besser erfasst als solche liberalen Verfassungspatrioten, nur dass der Clou bei ihm eben darin besteht, dass er daraus keine Ablehnung des bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaftssystems ableitet, sondern Nachsicht gegenüber dem Faschismus.

Aber ich schreibe demnächst eh mal eine Rezension zu Noltes „Der Faschismus in seiner Epoche“.“

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