#Wagenknecht und #Petry: Bilder sagen mehr als Worte?

Von Felix Bartels

Gewiss, dieser Schnappschuss ist ungerecht. Er sagt eigentlich gar nichts, außer man möchte, dass er was sagt. Wir sehen, dass zwei politische Gegner, zwei Konkurrenten, am Rande einer Talkshow sitzen und lachen. Wir wissen nicht, was sie davor taten, und nicht, was danach. Dieses Bild zweier Rechtspopulistinnen herumzureichen ist selbst populistisch. Denn ebenso wie gilt, dass Bilder mehr Macht und Wirkung als Worte haben, so ist wahr, dass im Kampf um Wahrheit und Wirklichkeit immer die Wörter über die Bilder siegen. Wenn man sie denn lässt. Wer Bilder anstelle von Wörtern setzt, setzt sich dem Verdacht aus, seinen Gedanken und Worten nicht hinreichend zu vertrauen. Das Bild schlägt sich im Zweifel immer auf die falsche Seite, weil es, anders als die Sprache, nie nicht-einseitig sein kann und an allem scheitert, was komplexer, vermittelter und widersprüchlicher ist als eine noch so exemplarische Aufnahme eines Moments, in dem – sonst wäre es keiner – die Zeit stillestehen muss. Nur was, was nur fehlt hier beim Gipfeltreffen dieser beiden Politikerinnen?, die wie kaum jemand anders zur Zeit die Wut der Straßen und Kneipen artikulieren und mehr (Wagenknecht) oder weniger (Petry) begabt und mehr (Petry) oder weniger (authentisch) Virulenz dem einfachen Pinsel vom Gehsteig das Wort aus dem Mund nehmen, das er selbst nie drin hatte. Was fehlt, die Worte natürlich:
Wagenknecht: Guten Abend, Frau Petry. Ich will ja nicht alles gutheißen, was Sie so reden. In der Politik sind die Differenzen wichtiger als die Gemeinsamkeiten. Ich wurde zur Rechtspopulistin erklärt, in meiner eigenen Partei bespuckt man mich, aber mein Kompass ist intakt. Linkssein, das ist mehr als bloß eine Sachfrage. Es gibt rote Linien für mich, die man einfach nicht überschreiten darf. Ihre Partei ist jenseits dieser Linien. Ihre Vorschläge zum Steuersystem sind inakzeptabel. Also bei Kirchhoff, da hört für mich der Spaß auf.
Petry: Frau Wagenknecht, bedenken Sie bitte, dass wir noch gar kein Programm haben. Wir müssen doch erst herausfinden, was wir wollen. Aber die Tatsache, dass wir unsere Vorschläge zur Steuer an Kirchhoff anlehnen, heißt doch nicht, dass wir uns bei Fragen der Steuer an Kirchhoff orientieren. Das muss man doch differenzieren.
W: Ich will ja auch gar nicht darauf herumreiten. Nur ich bin halt Keynesianerin, müssen Sie wissen. Nur weil ich mich an Ludwig Erhardt orientiere, bin ich noch lange nicht liberal. Also das gilt jetzt für die nächsten 5 Jahre. Was danach kommt, kann ich Ihnen beim besten Willen nicht sagen. Man muss sich ja ändern, um gedanklich fit zu bleiben. Der Feige, sagt Goethe, stirbt schon viele Male, ehe er stirbt.
P: Das ist doch von Jünger.
W: Nein, von Sophokles. Sagte ich doch gerade. Ich muss das wissen, Sokrates hat mich schließlich zum Sozialismus geführt. Aber wir wollen nicht streiten, während der Hauptfeind Merkel weiter wütet. Ich werde mal bei Hayek nachlesen, wie das mit den Steuern ist. Aber solange mein nächstes Buch nicht draußen ist, werde ich die jetzige Linie bis zur letzten Tinte verteidigen.
P: Die Photographen sind jetzt weg, wir können aufhören zu lächeln. Schließlich kämpfen wir um dieselbe Zielgruppe.
W: Partiell! Das Linke geht im National schließlich nicht ganz auf.
P: Schön gesagt. Wenn ich mal wieder Lust auf Wissenschaft habe, können Sie gern meine Partei übernehmen.
W: Um Gottes Willen, gerade vor der Wissenschaft bin ich doch in die Politik geflüchtet.
P: Ich bin vor der Politik in die Politik geflüchtet.
W: Schön gesagt. Sie erinnern mich überhaupt nicht an Hitler, wenn ich das mal so bemerken darf.
P: Und Sie mich so gar nicht an Honecker.
W: Oh, da, das ist doch die Talkshowbeginnrassel.
P: Stimmt, ist das da hinten etwa Herr Retsidokularakis?

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