Ditfurth und Elsässer treffen sich bei Meinhof

Von Bastian Bostell


Jutta Ditfurth und Jürgen Elsässer treffen sich in der Verehrung für die Antisemitin und Terroristin Ulrike Meinhof
Eigentlich hatte ich zu dem Buch, in dem Ditfurth Meinhofs Antisemitismus auf einer halben Seite abhandelt, ja nur eine Rezension von Peter Bierl verlinkt und zitiert. Da Ditfurth nun meint aus der Geschichte Kapital schlagen zu müssen werde ich die Rezensionen hier noch einmal verlinken und zitieren, diesmal öffentlich: 
„Journalisten lieben Jahrestage, deshalb beschert uns dieses Jahr allerlei Artikel, Bücher und Talkshow-Sendungen über die Achtundsechziger-Bewegung. Jutta Dit­furth hat zu dem Rummel ein Buch mit dem Titel »Rudi und Ulrike« beigesteuert, quasi das Sequel zu ihrer Meinhof-Biographie vom Vorjahr. Sie behauptet, die beiden Symbolfiguren der westdeutschen Achtundsechziger seien eng miteinander befreundet gewesen. Der Verlag schreibt in einer Presseinformation gar von einer »Freundschaft, die die Republik veränderte«. Wenn es dem Marketing dient, darf auch die autoritäre Legende, wonach große Männer Geschichte machen, benutzt werden. Dank Meinhof ist ja die Frauenquote erfüllt.“ http://jungle-world.com/artikel/2008/21/21850.html
„Die‘ Meinhof-Biographie‘, wie es im Untertitel der Ditfurth-Schrift in aller Bescheidenheit heißt, muss erst noch geschrieben werden. Bezeichnend für die mangelnde politische Auseinandersetzung ist schon, dass das bescheidene Literaturverzeichnis kein Werk zum Thema Israel und die Linke enthält. Im Text teilt Ditfurth lapidar mit, in Teilen der neuen Linken hätten sich antisemitische Ressentiments verbreitet, als handelte es sich um einen Grippevirus. Interessant wäre zu lesen, wie Meinhof reagierte, als ein PLO-Mann den deutschen Genossen im Trainingscamp in Jordanien erklärte: „Hitler gut“. Einen Funktionär der Fatah, der als Dolmetscher fungierte, stellt Ditfurth als Sohn eines „Helden des Aufstandes von 1936 bis 1939 gegen die britische Fremdherrschaft in Palästina und gegen die Zionisten“ vor.

Sie schreibt nichts über die antisemitische Orientierung des Aufstands, nichts über die Kollaboration des Anführers, des berüchtigten Mufti von Jerusalem, mit den Nazis. Solche Leerstellen kontrastieren mit der akribischen Aufarbeitung der Nazivergangenheit der Meinhof-Familie. Insofern geht es um mehr als ein Heldenepos. Zum Massaker von 9/11 schrieb Ditfurth, „Ich gedenke heute auch der Toten in Chile von 1973“, was nach Aufrechnung der Opfer klingt. Einen Beitrag zum Irak-Krieg 2003 leitete sie mit dem Verweis auf Israel als einziger Atomwaffenmacht des Nahen Ostens ein. Ditfurth zählt zwar immer auch den Antisemitismus auf – als Übel, das es zu bekämpfen gilt. Sie klingt dabei aber wie ein Politiker, der Problembewußtsein mimt und nicht wie jemand, der einen Begriff von Antisemitismus hätte, der heute in der Linken als Antiamerikanismus, Antiimperialismus und Israelfeindlichkeit auftritt, und in dieser Form von einer undogmatischen APO mitgeprägt wurde, in deren Tradition sie sich selbst sieht. Besserung scheint nicht zu erwarten. Ditfurths nächstes Werk heißt: „Rudi und Ulrike. Geschichte einer Freundschaft“.“ http://www.kritiknetz.de/politischeundkulturkritischeeingriffe/257-diemeinhofbiographievonjuttaditfurth
Die Achtung für Ulrike Meinhof teilt Ditfurth übrigens mit einem alten Jürgen Elsässer, der wie Meinhof selbst sich aufmacht um Dresden und Auschwitz zu vergleichen und einen Aufsatz von ihr aus der konkret von 1965 besprach, der ihm angeblich „zugespielt“ wurden sei:
„Mit Opferzahlen. Manchmal möglichst groß, bei anderer Gelegenheit so klein wie möglich. Als ob die Geschichte dadurch erklärbarer würde. Opfer sind Opfer und bleiben dies. Auch wenn der Betrachter mit der Manipulation dieser Zahlen seinen Standpunkt dokumentieren möchte. Das erste Schild zum Gedenken an die Toten in Auschwitz soll von der Roten Armee angebracht worden sein. Darauf waren 4 Millionen vermerkt. Der Wunsch, den Tod von Menschen so noch furchtbarer erscheinen zu lassen, muss der Vater des Gedankens jener ersten Manipulateure gewesen sein.
[…]
Dem Autor wurde in diesen Tagen ein Text zugespielt, den Ulrike Meinhof 1965 in konkret veröffentlichte. In jenem Jahr jährten sich die Bomben von Dresden zum 20. Mal. Meinhof beginnt ihren Text sehr sachlich: „Vor zwanzig Jahren, am 13. und 14. Februar 1945, in der Nacht von Fastnachtdienstag auf Aschermittwoch, ist der größte Luftangriff der alliierten Bomberkommandos im Zweiten Weltkrieg auf eine deutsche Stadt geflogen worden: Der Angriff auf Dresden. Dreimal innerhalb von 14 Stunden wurde die Stadt bombardiert.“ Um wenig später dem Leser einen kleinen Eindruck jenes Grauens zu vermitteln: „Als die englischen Bomber abflogen, hinterließen sie ein Flammenmeer, das über 80 Kilometer weit den Himmel glühend machte.“
Jeder Manipulation unverdächtig schrieb Meinhof: „Über 200 000 Menschen sind in den Flammen von Dresden umgekommen.“ Heute ein Sakrileg, damals noch völlig harmlos, zitiert die Meinhof den britischen Historiker [und späteren Holocaustleugner] David Irving: „Zum ersten Mal in der Geschichte des Krieges hatte ein Luftangriff ein Ziel so verheerend zerstört, daß es nicht genügend unverletzte Überlebende gab, um die Toten zu begraben.““ http://www.compact-online.de/meinhof-ueber-dresden-als-linke-noch-nicht-link-waren/
Jahrzehnte zuvor schrieb der damals noch einigermaßen vernünftige Elsässer über den gleichen Aufsatz der Holocaustrelativierin Ulrike Meinhof:
„Das Privileg, Dresden expressis verbis mit Hiroshima und Nagasaki auf eine Stufe gestellt zu haben, gebührt zwei westlichen Autoren. Axel Rodenberg, dessen Buch „Der Tod von Dresden“ aus dem Jahre 1951 in der BRD die meisten Auflagen erlebte (und 1995 im Frühjahrsprogramm von Ullstein neu auftaucht) und das Geschichtsbild entscheidend prägte, verbreitete die Zahl von 350.000 bis 400.000 Opfern. David Irving gibt in „Der Untergang Dresdens“ (Erstauflage 1964) 135.000 an.[…]
„Dresden ging in Schntt und Asche, zwei Jahre nachdem der Ausgang des Zweiten Weltkrieges in Stalingrad entschieden worden war“, polemisierte Ulrike Meinhof. Sie vergaß, daß die mörderischen Angriffe der V-Waffen auf London bis März 1945 weitergingen. Sie ignorierte, daß die Arbeit der Nazis an der Atombombe bis in die letzten Kriegstage weiterging – für Harris ein wesentliches Motiv -, und daß die Stadt von erheblicher militärischer Bedeutung war. So wird Dresden im Operationsbericht des Informationsbüros der UdSSR als „wichtiger Stützpunkt faschistischer Verteidigung in Sachsen“, vom Sowjetische Oberkommando als „mächtiger Verteidigungsknoten der Faschisten in Sachsen“ bezeichnet.
[…] Ulrike Meinhof bezog sich 1965 in einem Aufsatz für die „konkret“ positiv auf David Irving, schlug auf dessen gefälschte Opferzahlen lässig noch einmal die Hälfte drauf („über 200.000“) und kam dann zu folgendem atemberaubenden Schluß: „Als die deutsche Bevölkerung die Wahrheit über Auschwitz erfuhr, erfuhr die englische Öffentlichkeit die Wahrheit über Dresden. (…) In Dresden ist der Anti-Hitler-Krieg zu dem entartet, was man zu bekämpfen vorgab und wohl auch bekämpft hatte: Zu Barbarei und Unmenschlichkeit, für die es keine Rechtfertigung gibt. Wenn es eines Beweises bedürfte, daß es den gerechten Krieg nicht gibt Dresden wäre der Beweis.
Diese Äußerungen, der entstehenden Neuen Linken in die Wiege gelegt, konzentrieren alle Geburtsfehler dieser Linken: die nivellierende Einreihung von Auschwitz in die Schrecken des Krieges; die fehlende Unterscheidung von Nationalsozialismus und gewöhnlichem Faschismus; die Gleichsetzung von Nazi-Deutschland und den Feindstaaten; die Verwechslung von Antifaschismus mit Pazifismus, von Pazifismus mit Appeasement. Wem zum 13. Februar und zum 8. Mai statt des naheliegenden „Nie wieder Deutschland“ nur ein „Nie wieder Krieg“ einfällt, in dem sich auch der Haß auf die Armeen der Anti-Hitler-Koalition gut aufgehoben sieht, stand 1965 rechts von Konrad Adenauer und steht 1995 rechts von Roman Herzog. Eine neue Linke kann sich nur im Bruch mit diesen Traditionen konstituieren.“ http://www.trend.infopartisan.net/trd0603/t100603.html

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s