Ein totes Pferd oder Das Instrument Ema.Li

totes Pferd

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Die Demission eines lieben Freundes aus der Emanzipatorischen Linken ist der Anlass für diesen Text. Vielleicht wird es ein Abgesang auf das Ehrenamt im Politischen oder das Eingeständnis eines Versagens. Am Ende könnte auch ein Leitfaden für Interessenten rauskommen, die sich dann daran orientieren können, wie man es nicht macht. Man muss eben nicht jeden Fehler durchziehen.

Was hat mich eigentlich damals geritten (um im Bild zu bleiben…wegen des toten Pferdes), so im Frühjahr 2009, mit anderen mittlerweile lieben Freunden und Mitstreitern nicht nur eine BO zu gründen, sondern den frischen Eintritt in DIE LINKE auch noch voller Enthusiasmus auf dem Spielfeld Ema.Li zu untermauern, weiß ich heute auch nicht mehr. Die von Katja Kipping, Caren Lay, Julia Bonk und Anderen gegründete Strömung verhieß zumindest in ihrer inhaltlichen und methodischen Ausrichtung eine mir am nächsten gelegenen Verortung innerhalb des politischen Handelns und der Partei DIE LINKE.

Was hat uns dann aber geritten, der Aufforderung des damaligen und später geschassten Kipping-Mitarbeiters Norbert Schepes zu folgen und einen Berliner Ableger der Ema.Li zu gründen. Wollten wir wirklich was verändern, wollten wir wirken und gestalten, wollten wir Relevanz und Bedeutung? Ich glaube das aufregende und spannende Zusammengehen der damaligen Akteure im Politischen und Persönlichem war Triebfeder meines Handelns geworden.

Nachdem Kipping und ihre Jünger vom „Prager Frühling“ das Projekt Ema.Li still und heimlich so gut wie beerdigt hatten, um sich neuen Totgeburten (z.B. Institut Solidarische Moderne) zuzuwenden, hatte die Berliner Sektion die grandiose Idee, die Bundesebene der Ema.Li neu zu beleben.

Was hat uns damals eigentlich geritten, bei dem schwebenden Leichengeruch eine Art Widergeburt der Ema.Li zu feiern? Wir hatten dann einfach mal das bis dato intellektuelle Schwergewicht Christoph Spehr abzuwählt und mit Julia Bonk und Olaf Michael Ostertag Versagen, Parteisprech, egomanische Inkompetenz und kommunikatives Desaster auf das Sprecher*innenamt gehoben.

Was will die Ema.Li und warum sitzt man mit unsympathischen Leuten in Gremien sonntags stundenlang rum, waren die drängendsten Fragen. Die Planung von Großprojekten, wie einer Anarchismuskonferenz, basierten auf Zufällen und dem starken Willen Einzelner. Eine solche Konferenz zu wuppen, war die eine Herausforderung. Ein Buch zur Freiheit parallel herauszubringen, war eine Zweite. Die größte Arbeit machte aber, gegen massive Destruktivität und herrschaftlicher Blockade der von uns gewählten Sprecher*innen anzugehen.

Nachdem der sinnlose Sprecher*innen-Posten nach endlosen Bundesmitgliederversammlungen dann endlich abgeschafft war, warteten neue Herausforderungen auf die „Diktatur der Tätigen“, sprich des kleinen  Kreises der Aktiven. Zwar war ein neuer Ko-Kreis gewählt, von dem aber weitestgehend nichts zu erwarten war.

Als Nächstes wurde eine kulturelle Öffnung der Ema.Li anvisiert. Die Anfrage zur Mitarbeit und -gestaltung beim Mühsamfest kam gerade recht. Am Ende war man zwar nur Wasserträger, konnte Konflikte und Streit nur schlichten, aber man war bei etwas „Großem“ dabei. Es wurde, wie immer bei solcher Art von Veranstaltungen, nur der eigene Kosmos bespielt, die Außenwirkung war eher gering. Dennoch war es neu, interessant und lehrreich. Und eine Zeitung sprang auch raus.

Die alternative Einheitsfeier „Vorsicht Volk“ hätte eine wirkungsvolle und bitter nötige Aufarbeitung der Aufarbeitung der DDR- und BRD-Vergangenheit werden können. Es wurde aber die Spielwiese der egomanischen, selbstgefälligen und sich selbst genügenden Pseudo-Hipster-Gilde von Jungle World, die völlig ignorant ihren antideutschen Stiefel schnürten und in dogmatischer Art und Weise ihre eigenen Wahrheit verkündeten. Hätte die Ema.Li sich nicht ein paar Panels der Veranstaltung gesichert, wären wir wieder völlig untergegangen und hätten uns in der uns schon altbekannten Wasserträger-Rolle wieder gefunden. So blieb wenigstens der Hauch von selbstbestimmter Mitgestaltung.

Nach diesen Konflikten waren wir so ausgepumpt, dass wir diese innerparteiliche Strömung gerne an neue Mitstreiter übergeben hätten. Der Bundes-Ko-Kreis war meistens tot oder stellte sich so, einige Wenige suggerierten Leben, indem sie Facebook-Accounts und Blogs sporadisch bedienten. Da plötzlich und unerwartet tauchten heimatlose Piraten am Horizont auf und suchten unkomplizierte und niedrigschwellige Strukturen. Das hatte die Ema.Li zu bieten.

Es folgte die freundliche und erfolgreiche Übernahme der Ema.Li von „prominenten“ Ex-Piraten, die die Offerten dankend annahmen. Die Veranstaltungsreihe “ Sozialismus und die digitale Revolution“ versprach neuen Schwung, neue Themen und neue Leute. Das aber die Neuen ebenfalls nur ein vorrangig instrumentelles Verhältnis zur Ema.Li hatten, konnte man damals nicht ahnen.

Der Türöffner zur LINKEN über die Ema.Li funktionierte, damit war die Mission erfüllt. Der Bundes-Ko-Kreis fiel wieder in die ihm so bekannte Agonie und ist bisher noch nicht wieder aufgewacht. Immerhin hatten wir somit einen gewichtigen Anteil am Wahlerfolg der Berliner LINKEN zu verbuchen, der auch auf Grund der Wählerwanderung von den Piraten zu den LINKEN (23000) zu Stande gekommen ist. Für eine Ex-Piratin ist sogar ein Mandat rausgesprungen.

„Es ist so einsam im Sattel, seit das Pferd tot ist.“ Wahrscheinlich war es immer tot, doch wir haben es nicht gemerkt oder wollten es nicht wahr haben. Es war eine tolle Zeit, nun ist es soweit, vom Aktionist zum Beobachter zu werden. Die Prioritäten haben sich geändert. Politisches Ehrenamt bei Desinteresse an Mandat und Funktionen wird irgendwie irgendwann irrelevant. Sie geht ins Leere.

Der Bedarf an Karrieristen, Vollpfosten, Heißdüsen und Psychopathen ist dank dieser jahrelangen und ehrenamtlichen Tätigkeit ohne wirklich eigene Ambitionen in dieser Strömung auf Jahre gedeckt.

Geblieben, und dafür bin ich dieser Zeit sehr dankbar, sind Freundschaften, Stammtische und coole Gedanken. Und die Erhabenheit, es erlebt zu haben. Das ist leider zu wenig, um wirklich aktiv weiter zu machen.

 

3 Antworten zu “Ein totes Pferd oder Das Instrument Ema.Li

  1. Alle Doof außer „ich“. Vor allem die, die anders sind und anders handeln als „ich“. Ja, sehr fortschrittlich…

  2. Lieber wer auch immer, mir von dir sagen zu lassen, das ich nur „ein vorrangig instrumentelles Verhältnis zur Ema.Li habe“ empfinde ich nicht mehr als unverschämt, sondern als zutiefst Niederträchtig. Die wie du es nennst „Agonie des Bundes-Ko-Kreis“ besteht darin, das wir dutzende initiativen zur Bekanntmachung und Reaktivierung der EmaLi ergriffen haben, Stunden an Arbeit in die Organisation einer Akademie gesteckt haben, offensiv und deutlich sichtbar auf dem BPT aufgetreten sind, an XX Veranstaltungen in diversen Kreisverbänden teilgenommen haben, Versucht haben, eine neue Schriftenreihe zur Inhaltlichen Profilschärfung zu initialisieren, und und und. Wenn „Agonie des Bundes-Ko-Kreis“ bedeutet, 20 bis 40 Stunden arbeit im Monat für die EmaLi zu investieren, dann will ich nicht wissen, was Leben in deinen Augen ist.
    Mehr Lebenszeit werde ich nicht an diesen Text verschwenden, denn die kann ich anders und besser investieren: z.B. in die „Agonie des Bundes-Ko-Kreis“. Lieber wer auch immer, ich weiß nicht, ob ich dich kenne, aber kich wünsche dir trotz allem ein schönes leben.

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