Zum Doppelinterview Wagenknecht/Petry in der FAS

Jörg Schindler:

 „Na, die Gemeinsamkeit zwischen SW und FP im FAS-Interview ergibt sich fast notwendig, wenn beide – und das tun sie eben beide – die Zuwanderung für problematisch, zu begrenzen, einzudämmen usw.. halten. Und im Übrigen „von Merkels Politik ausgelöst“ (Das ist sogar explizit von SW so benannt, obwohl diese „Mutti-Merkel-lädt-alle-zu-uns-ein-Grenzöffnungsmetapher“ falsch und mittlerweile ein originär rechter Toppik ist). 

Unter dieser Prämisse also, die Flüchtlinge möglichst „draußen“ zu halten, sind Übereinstimmungen dann im Interview ganz unvermeidbar, und obwohl – was ich explizit SW zugute halte – sich SW bemüht, das zu verschleiern oder Unterschiede zu betonen, wanzt sich FP verbal an SW heran: Nämlich, dass in den Krisenregionen selbst und den Flüchtlingslagern was passieren müsse usw…. Das ist ja alles nicht falsch, von FP ordentlich Kreide gefressen, aber am Ende eben WOHLFEILES GEREDE, weil aus dieser beiderseitigen Absichtserklärung daraus nichts folgt (nichts im Sinne der Emanzipation bei SW und auch keine Abgrenzung vom Rassismus hier VOR ORT bei FP). 

Die harten Konflikte hätte es doch gegeben, wenn man den Umgang mit Flüchtlingen und Zuwanderung nach Deutschland konkret thematisiert hätte. Denn HIER liegt doch der aktuelle gesellschaftliche Konflikt zwischen linkem Lager (eben dieses Lager der Solidarität) einerseits und AfD andererseits. Dazu kommt es aber auch bei SW aufgrund o.g. eigener Prämisse nicht, sie möchte Leute dieses Lagers eben nicht ansprechen, sondern die andere Seite, die sie für fehlgeleitet hält. Und deshalb hinterlässt eben das „Streitgespräch“ nicht wirklich einen streitigen Charakter, sondern für uns Linke einen schalen Beigeschmack.“
Olaf Bernau: 

„Wer sich in maßloser Selbstüberschätzung (und mit falschen politischen Strategien) auf ein Streitgespräch mit Frauke Petry einlässt, ohne dass die Öffentlichkeit dabei wäre (wie das z.B. der Fall war, als jüngst Katja Kipping Frauke Petry in irgendeiner Talkshow gestellt hat), muss am Ende damit leben, dass der Gegner die Definitionshohheit hat.

 Denn das Problem liegt doch darin, dass niemand wissen kann, ob das Gespräch über weite Strecke tatsächlich harmonisch verlaufen ist oder ob sich Wagenknecht dezidierter zum gesamtgesellschaftlichen Rassismus (inklusive antimuslimischen Rassismus) geäußert hat bzw. dies hätte tun können – oder halt nicht. 

Gleiches gilt für Europa: Als Unbeteiligte wissen wir nicht, in welchem Ausmaß Wagenknecht Europa als uneingelöstes Versprechen verteidigt hat (um mal den m.E. unhintergehbaren Bezug von Ernst Bloch auf bürgerliche Rechte zu zitieren) oder ob sie genau dies unterlassen und stattdessen den Schmarren propagiert hat, wonach kleinere Einheiten per definitionem demokratischer wären (so, als ob es am Ende nicht um Inhalte, sondern bloße Formen gehen würde).

 Kurzum: Das Problem heißt Wagenknecht, Lafontaine und Co – und wenn beträchtliche Teile der Linken tatsächlich glauben, dass es einen nicht-muffigen Nationalstaatsbezug gäbe (wie das ja Wagenknecht offensichtlich tut), dann liegt das einzig daran, dass die fatale (seit über 20 Jahren laufende) Dynamik des Extremismus der Mitte massiv unterschätzt wird. 

Noch bekloppter scheint es indessen, in antidemokratischer Manier von neoliberaler Kampfpresse zu schwadronieren und dabei überhaupt nicht zu kapieren, dass ein nicht unwesentlicher Teil derer, die das Wagenknechtsche links-rechts-Projekt ernsthaft kritisieren (und nicht skandalisierend wie der Mainstream), dieses deshalb tun, weil sie Interesse an einer starken LINKEN haben und eben nicht umgekehrt. Wer dies verkennt, tut dies, weil sie_er es sich schon lange in der gemütlichen Ecke des vermeintlichen Besserbescheidwissens eingerichtet hat, anstatt sich auf das viel schwierigere gesamtgesellschaftliche Handgemenge einzulassen, wo die Grenzen und Widersprüche ungleich fließender und komplexer sind, als das dichotomisierende Gerede von Wir und Die. 


Schließlich: Wenn die durch das veröffentlichte Interview entstandenen Eindrücke falsch sind, dann könnte sich Wagenknecht ja klar und deutlich distanzieren und klar machen, dass sie all dies so nicht gesagt hat. Aber genau dies hat sie bislang nicht gemacht – und es steht zu befürchten, dass dies keineswegs Zufall ist.“

Eine Antwort zu “Zum Doppelinterview Wagenknecht/Petry in der FAS

  1. Sahra darf also nicht.
    Komisch – Gregor durfte seinerzeit:
    https://www.neues-deutschland.de/artikel/410790.spiegel-tv-interview.html

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