Der Song zum Parteiaustritt

Von Michael Schreiner

Wenn Parteiaustritte den musikalischen Horizont erweitern…

Es gibt eine sehr überschaubare Anzahl guter Coversongs. [Beispiele: „Therapy?“ lieferten 1994 eine brillante Version von Joy Divisions „Isolation“, Zeraphine überzeugten mitte der 2000er mit einem Cover des Depeche Mode Klassikers „In your room“, und der wunderbare Morrissey spielte 2004 ein großartiges Remake von „No one can hold a candle to you“ ein, das im Original 1987 von der britischen Band „Raymonde“ veröffentlicht wurde.]

Das vorliegende Cover eines Stereolab-Songs von 1993 gehört unbedingt dazu.

Ein wenig traurig sind die Umstände, unter denen ich darauf stieß: ein lieber Genosse fügte den Song seinen erklärenden Worten, weshalb er die Partei DIE LINKE verlassen hat, hinzu.

Ich habe den Song dieser Tage oft angehört und dabei über die Worte nachgedacht, mit denen besagter Genosse seinen Austritt erklärt hat.

Mich bewegt das. So manche Austritte der letzten Jahre haben mich traurig gemacht, nachdenklich, trübsinnig. Vorliegender Austritt hat aber noch einmal eine ganz eigene, besondere Dimension:

Ich kenne den Betreffenden seit etwa 10 Jahren. Trotz einiger Unterschiede im Damals und im Heute gibt es bei ihm reichlich inhaltliche Parallelen zu meiner eigenen politischen Vita, und nicht zuletzt ist er jemand, der mich über die Jahre immer mal wieder -sei es durch Diskussion oder auch mal durch Provokation- dazu brachte, meine eigenen politischen Positionen zu reflektieren und manchmal auch zu revidieren. Nichts ist produktiver als Streit.

Ich könnte noch viel dazu schreiben, beschränke mich aber hier mal darauf, auszudrücken, dass ich seinen Austritt gleichsam sehr bedauerlich wie sehr nachvollziehbar und mit Abstand betrachtet sogar richtig finde. Den Widerspruch dieser Aussage zu meinem eigenen Verbleib (wenn auch als derzeit passives Mitglied) in der Partei mag und kann ich gerade nicht aufdröseln.

Um hier mal ein Ende zu finden:
es ist schon ein einschneidendes Erlebnis, den Parteiaustritt eines Menschen zu erleben, der in so vielen Punkten Verbündeter war (besser: ist. Denn politische und persönliche Verbundenheit hat mit einem gemeinsamen Parteibuch erfahrungsgemäß eher wenig zu tun) und gleichsam in manch anderen Fragen zur Reflektion anregender Streitpartner. Es macht nachdenklich.

„Es ist sicherlich absurd
in dieser Welt zu leben-
sie erscheint dir sinnentleert
doch zieh dich nicht zurück.

Spontane Rebellion und Solidarität
sind Akte die jetzt wertvoll sind.
Es ist nie zu spät.“

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