#FPÖ, nein danke!

VonZdenaChristinaSchmid 

„Mein Mann hat mir geraten, diesen Beitrag nicht zu posten, er könnte mir geschäftlich schaden. Er hat recht. Aber dieses Wochenende könnte ein Land Schaden nehmen, dem ich viel zu verdanken habe, also poste ich ihn trotzdem:

Vor einigen Tagen haben wir unsere Tochter zu einer Bushaltestelle gebracht, wo eine Gruppe muslimischer Jugendlicher herumgehangen ist. Es war sonst niemand dort und die Bushaltestelle steht mitten im Niemandsland, nur Felder rundherum. Aufgrund der jüngsten Kriminalfälle ist bei uns natürlich sofort Kopfkino gelaufen. Wir haben sie nicht aussteigen lassen, wir haben sie selbst gefahren. Und haben uns geärgert. Wir haben uns geärgert, weil wir die Sicherheit unserer Tochter gefährdet sehen, schließlich sind wir in solchen Situationen nicht immer dabei.

Eine Weile später habe ich mich aber auch über mich selbst und meine Gedanken geärgert. Höchstwahrscheinlich waren das nämlich ganz normale Jungs, die nichts Böses im Schilde führten. Ich ärgere mich darüber, dass Integration auf eine Weise stattfindet, die das Misstrauen in die andere Kultur nährt. Ich ärgere mich, dass ich mich gezwungen sehe, über Menschen aufgrund ihrer Herkunft zu urteilen, wenn ich mein Kind schützen will. 

Ich ärgere mich genauso wie viele Hofer-Wähler. Ich ärgere mich, weil ich unsicher bin. Ich wünsche mir Politiker, die mir helfen, meine Tochter zu schützen. Wenn ich an diesem Punkt aufhöre nachzudenken, mache ich mein Kreuzchen am Sonntag beim Hofer. Aber lasst uns nicht an diesem Punkt aufhören. Lasst uns die Sache aus der Nähe anschauen. 
Ich möchte jetzt mal nicht von dem wuchernden Nationalsozialismus reden, zu dem sich die FPÖ auf jede legal irgendwie verträgliche Weise bekennt. Auch nicht davon, dass im Nationalsozialismus nicht „das Recht vom Volk ausgeht“, wie Hofer wirbt, sondern, dass das Volk im Nationalsozialismus den Mund zu halten hat. Und auch nicht, dass der Nationalsozialismus für die Frau nur das Heim  und den Herd vorgesehen hat. Sollen das die Werte der FPÖ sein? Alles Spekulationen!

Ich will Tatsachen sehen. Ich will offen sein und die FPÖ kennenlernen, ich will sehen, wofür sie abseits ihrer durchgestylten Auftritte steht. Und so sehe ich mir an, wie sich die FPÖ bei Abstimmungen im Parlament verhält: 
2014 stimmte die FPÖ gegen die Erhöhung des Pflegegeldes. 2010 stimmte die FPÖ gegen die bedarfsorientierte Mindestsicherung. 2015 entscheidet sich die FPÖ dagegen, eine Kampagne der UNO gegen Frauendiskriminierung zu unterstützen. 2014 verhindert die FPÖ ein Gesetz für schärfere Strafen bei Unterbezahlung der Arbeitnehmer. 2015 stimmt die FPÖ auf EU-Ebene gegen Maßnahmen zur Verringerung des Lohngefälles zwischen Mann und Frau. 2014 ist die FPÖ gegen Überbrückungsgeld für Bauarbeiter. 2014 keine Zustimmung für Begrenzung von Luxuspensionen. 2014 stimmt die FPÖ gegen die Streichung von Steuerprivilegien von Konzernen. 2011 stimmte die FPÖ gegen die Europäische Sozialcharta, die sich für das Recht auf bessere Arbeitsbedingungen, das Recht auf soziale Sicherheit, das Recht auf gerechtes Arbeitsentgeld u.ä. stark machte. Die FPÖ ist gegen öffentliche Unterstützung von Frauenhäusern für misshandelte Frauen.
Ich habe also eine Tochter. Ich denke nicht, dass diese Partei meiner Tochter eine gute Zukunft bietet. Ich denke, dass sich diese Partei für meine Tochter nicht die Bohne interessiert (für eure übrigens auch nicht, deswegen streicht Hofer die Töchter gleich aus der Bundeshymne). Ich fürchte sogar, dass diese Partei die Zukunft meiner Tochter mehr gefährdet als ein paar herumhängende Jugendliche. Ich denke nämlich auch nicht, dass man in Burschenschaften mit einer besonders hohen Achtung Frauen gegenüber groß wird. Ich denke, dass so manche Burschenschaften in diesem Punkt mehr mit Islam gemeinsam haben als sie öffentlich zugeben würden. Und das war jetzt ganz gewiss eine Beleidigung für viele liberal denkende Muslime, für die ich mich auch umgehend entschuldigen möchte. Zumindest von Frauen dürfte diese Partei keine einzige Stimme bekommen.
Ich ärgere mich. Denn ich sehe klar, dass diese Partei meine Sorgen als Mutter dazu missbraucht, mir etwas zu verkaufen, was ich nicht haben will. Rhetorikschulungen, Marketing und Manipulation machen noch keine gute Partei aus. 
Ja, Van der Bellen hat den Charme eines Gürteltiers und das in Zeiten, wo selbst ein Telefon Sexappeal haben muss. Das mag irritieren. Wir sind es nicht mehr gewohnt, einen authentischen Menschen auf der Politikbühne zu sehen. Wir sind es nicht gewohnt, statt vorformulierter Parolen echtem Nachdenken zuzusehen und intelligent formulierten Sätzen zu folgen. Menschen, die Sorgen haben, bringen oft die Geduld nicht auf, so jemandem zuzuhören. Sie wollen einen charismatischen Verkäufer, dessen Versprechen fast therapeutisch wirken. Aber das hier ist keine Dancing-Stars-Abstimmung. Es ist auch keine Frage, ob Van der Bellen der ideale Präsident ist. Es ist eine Tatsache, dass alles besser ist als Hofer. Nur weil jemand ein guter Wahlkämpfer ist, ist er noch lang kein kluger Präsident.
Ich habe viel Verständnis für die Ängste und Sorgen der Menschen, die Hofer wählen. Sie tun mir nur sehr leid, denn ihre Enttäuschung ist vorprogrammiert. Die FPÖ ist definitiv keine soziale Partei. Welche Motivation sollte sie auch haben, den Menschen zu helfen, wenn sie sich doch einzig und allein von ihren Sorgen und Ängsten ernährt?
Ich wünsche euch ein schönes Wochenende. Be wise, think twice! Es ist nicht immer klug, aus dem Reflex heraus zu handeln.“

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