Die Eliten haben fertig

Von Thomas Osten Sacken

„Mea Culpa
Was man grad auch nicht braucht: Akademiker von Judith Butler (Adornopreisträgerin der Stadt Frankfurt!) bis zu Hans Ulrich Gumbrecht, die jetzt, einen Tag nach dem Wahlsieg Trumps, Asche auf ihr Haupt schütten und bekennen, sie hätten in Stanford und Berkely nicht gesehen, wie sehr sie in einer bubble gelebt hätten und dass der „Mann auf der Straße“ einen Hass auf Eliten empfände, deren größtes Problem bei horrenden Gehältern Diskussionen um Pinkwashing, genderneutrale Toiletten und die Frage, ob, wenn Weiße Yoga machen, dies rassistisch sei, waren.

 

Das zu wissen, war jetzt nicht so schwierig, nur schafften sie es, und ich habe es oft in Gesprächen mit Leuten aus diesen akademischen Zirkeln erlebt, sich völlig hermetisch abzuschirmen. Sie waren und sind ja die Linken, Progressiven, kümmern sich ums Elend und „international justice and  social justice“. Ihre Beiträge nur erscheinen in Magazinen, die ein Normalsterblicher nicht einmal lesen kann, weil er kein Abo hat, sind ja peer reviewed und in einer Sprache verfasst, die zu verstehen eh fast unmöglich ist.
Hannah Arendt, auf die sie sich alle immer so gerne beziehen, ohne sie offenbar gelesen zu haben, hat es vor über 60 Jahren schon geschrieben: Der Aufstand gegen die Eliten ist erst dann erfolgreich, wenn diese Eliten völlig dysfunktional geworden sind. Der „Mann auf der Straße“ hat nämlich per se kein Problem mit Eliten, erst wenn im Namen einer neuen Autorität man sich gegen solch alte Autoritäten, die eigentlich keine mehr sind, rebellisch auflehnen kann, entsteht so eine Dynamik.
Sehen konnte man das seit Jahren, lesen seit Jahrzehnten (aber lieber nutzte man Adorno, Arendt, Canetti und all die anderen, um Debatten über vollkommen abseitige Themen zu führen, statt sie zu verstehen), wer nun, statt wenigsten eine Woche mal die Klappe zu halten, schon den nächsten Essay parat hat, in dem seinem großen Erstaunen Ausdruck verliehen wird, in dem man gleich auch gerne Schuld und Verantwortung übernimmt, tut dies wohl nur, um im Gespräch zu bleiben. Aber es hilft nicht, denn diese selbsternannten Eliten sind eben fertig. Und das seit Jahren.“
Siehe: https://www.welt.de/kultur/article159389903/Wir-haben-Trumps-Anhaenger-zu-lange-verachtet.html und https://www.perlentaucher.de/9punkt/2016-11-10.html

Eine Antwort zu “Die Eliten haben fertig

  1. Also, dass TvdOS Judith Butler nicht verstehen will, finde ich jetzt nicht so furchtbar überraschend. Und kein bisschen aussagekräftig. Er arbeitet sich wie üblich an einer Projektion ab und nicht an der Person.
    Aber beruhigend zu erfahren, dass er nicht „diesen selbsternannten Eliten“ angehört, sondern offenbar der wirklichen Elite.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s