Kritisches zur LL-Demo

Traditionelle Demonstration am Sonntag / Kritik an dogmatischen Teilnehmern

Von Jérôme Lo
Gedenkstein für Rosa Luxemburg auf dem Zentralfriedhof in Friedrichsfelde

Die rote Nelke darf auch in diesem Jahr nicht fehlen: Sie wird traditionell an den Gräbern von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht abgelegt, um den beiden am 15. Januar 1919 während des Spartakusaufstands von rechtsextremen Freikorpssoldaten ermordeten Sozialisten zu gedenken.

Die traditionelle Liebknecht-Luxemburg-Demonstration, kurz »LL-Demo« genannt, führt auch in diesem Jahr vom U-Bahnhof Frankfurter Tor über die Karl-Marx-Allee zur Gedenkstätte der Sozialisten auf dem Zentralfriedhof in Friedrichsfelde. Organisiert wird der Gedenkmarsch wie in den Jahren zuvor von einem breiten Bündnis linker Gruppen und Organisationen.

Die unterschiedlichsten Schattierungen des linken politischen Spektrums sind vertreten: von der Linkspartei über kurdische Verbände bis hin zu autonomen Gruppen. »Alle, die Luxemburg und Liebknecht gedenken wollen, sich solidarisch mit Flüchtlingen und dem Freiheitskampf der Kurden zeigen wollen, sind eingeladen, mit uns auf die Straße zu gehen«, sagt Ellen Brombacher, Mitglied der Linkspartei in Mitte und Sprecherin des Vorbereitungsbündnisses zur LL-Demo.

In einem großen Bündnis mit breiter inhaltlicher Aufstellung wie das der LL-Demo gebe es immer einzelne Gruppen, die schwierige Positionen verträten und bei denen sie sich persönlich wünschen würde, dass sie fernblieben, sagt Brombacher. »Umso wichtiger ist es doch, die politischen Gemeinsamkeiten als Linke zu betonen und sich nicht von Randfiguren spalten zu lassen«, sagt sie.

In den vergangenen Jahren hatte es immer wieder innerlinke Kritik an der sogenannten Traditionsdemo gegeben. In den Jahren 2013 und 2014 hatte das Bündnis »Rosa und Karl«, bestehend aus Linksjugend Solid, Jusos und dem sozialistischen Jugendverband Falken, alternative Gedenkdemonstrationen mit anschließender Kranzniederlegung organisiert – an jenem Ort am Landwehrkanal, an dem Liebknecht und Luxemburg von den reaktionären Soldaten erschossen worden sind. Man habe einfach keinen Bock mehr, »sich hinter den Stalin-Porträts und dem DDR-Fahnenmeer einzureihen«, hieß es seinerzeit in einem Aufruf.

Auch wenn es – wie in den vergangenen drei Jahren – in diesem Jahr keinen alternativen Gedenkmarsch geben wird, ist die grundsätzliche Kritik an der LL-Demo geblieben. Michael Groys (SPD) sagt: »Bei der traditionellen Gedenkdemonstration gehen Menschen auf die Straße, deren politisches Verständnis nicht vereinbar ist mit einem emanzipatorischen Bild von Liebknecht und Luxemburg. Ewig Gestrige, militante Autonome aus der radikalen linken Szene und Sektierer werden dem politischen Erbe der beiden sozialistischen Vorkämpfer nicht gerecht.«

Der 25-Jährige sieht sich als linken Sozialdemokraten, er war in der Vergangenheit im »Rosa und Karl«-Bündnis aktiv. Es sei zwar schön und gut, sagt Groys, dass die Organisatoren der LL-Demo alle zum Gedenken einladen, die sich als Linke verstehen. »Auch ich wünsche mir ein gemeinsames Gedenken als Linke. Aber solange Gruppen an der LL-Demo teilnehmen, die das Existenzrecht Israels anzweifeln und die stalinistischen Massenverbrechen leugnen, ist das einfach unmöglich«, sagt Groys.

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