Belohnung für Trump-Wähler: Jede Woche ein Schaukampf 

Von Leo Fischer 

Nach wie vor versuchen mir Linke zu erklären, die Wahl Trumps sei letztlich nur auf einen Irrtum der abgehängten Industriearbeiter zurückzuführen, die nicht einsehen, daß der Orangene gar nicht ihr Klasseninteresse, allg. Wohlstand oder Kommunismus im Sinn habe. Es scheint hier gar keine andere Motivation vorstellbar als fehlgeleitetes Eigeninteresse.
Ich habe in den letzten Tagen sehr viele Beiträge und Tweets von Trump-Unterstützern gelesen; nirgendwo sehe ich, daß seine Wähler ernsthaft glauben, es würde ihnen jetzt wirtschaftlich besser gehen. Nirgendwo sieht man die Hoffnung, jetzt höherbezahlte Jobs zu erhalten oder am berühmten Monatsende mehr in der Tasche zu haben. Hier wurde gar nicht erst aus Eigeninteresse gewählt, sondern gewissermaßen selbstlos.
Die überwiegende Mehrheit der Wähler scheint keine materielle Belohnung erwartet zu haben. Sie haben gar keine persönliche Hoffnung auf Trump gesetzt; deswegen war es auch egal, was er ihnen alles vorlog. Ihnen war von Anfang an klar, daß sich weder unter Trump noch unter Clinton an ihrem Schicksal etwas ändern würde.
Nur ein kleiner Teil der Wähler, die sich in den sozialen Medien offenbaren, wähnt sich als Staffelführer in der kommenden Ordnung – triumphale Gesten der Überlegenheit werden ausgespielt, man hofft auf eine rasche Umstrukturierung der Gesellschaft. Das sind meist aber Simpel, die glauben, ihr Wahlzettel sei schon der Einstieg in die neue Hierarchie.
Die viel größere moderate Fraktion seiner Unterstützer war offenbar allein vom Ressentiment geleitet – „we won!“, liest man da immer wieder, als könnten sie es selbst kaum glauben. Hier sollte offenkundig jemand bestraft werden, ohne Rücksicht aufs eigene Wohl. In diese Fraktion gehören auch die Evangelikalen, für die offenbar Mike Pence zuständig ist, wie übrigens auch für die Frauen: Schier unzählbar die verhärmten religiösen Neurotikerinnen, die dem lieben Mike hier garantieren, Tag und Nacht für ihn zu beten. In dieser Fraktion gebietet man den Clinton-Wählern, doch jetzt zu schweigen; der Wahlkampf sei vorbei, nun müsse weitergearbeitet werden: „better luck next time.“ Wer dennoch Widerworte gibt, dem wird bei den Pence-Fans auch sehr schnell mit dem Höllenfeuer gedroht.
Aber wenn sich die Leute keine materiellen Vorteile von ihrer Wahl versprechen, welche Belohnung erwarten sie dann? Ich glaube ja, eine rein affektive: Sie wollen spüren, wieder Herr im Haus zu sein; sie wollen ihren schwarzen Nachbarn gängeln und Lesben aus dem Café weisen können. Da soll ihnen kein Staat mehr in die Quere kommen – und ähnlich den Schwulenjägern in Rußland, die ihre verwundeten Opfer stolz der Kamera präsentieren, weil sie seitens des Staates nur grinsendes Einverständnis zu erwarten haben, wollen sie ihre Brutalität ohne Angst leben.
Wenn Trump und seine Lakaien diese affektive Belohnung weiter bereitstellen wollen, werden sie den Teufel tun und den Modus des Wahlkampfs je verlassen. Es kann sein, daß sie so den moderateren Teil ihrer Wählerschaft wieder verlieren; der wird aber ohnehin nicht mehr gebraucht. Die Affektintensität muß im Gegenteil noch steigen; es muß jede Woche ein neues Spektakel, ein neuer Schaukampf ausgefochten werden. Ob sie das durchziehen können?

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