So schrecklich und widerlich ist McDonalds 

– Arbeitsgeschichten #2: McDonalds, my job, my life, my enemy –
Das Schlimme an der Arbeit bei McDonalds sind nicht die Kunden, die dich wie ein Stück scheiße behandeln, weil man in Deutschland nach oben buckelt und nach unten tritt. Das Schlimme an der Arbeit bei McDonalds ist nicht die Schichtleitung, die dich mit Zuckerbrot und Peitsche motiviert. Das Schlimme an der Arbeit bei McDonalds ist nicht die Asthmagefahr, wenn du in der Nachtschicht mit Chemie die noch heißen Herdplatten reinigen musst (und die Suppe dann einatmest). Das Schlimme an der Arbeit bei McDonalds sind nicht die bestochenen Schweine, die für den Chef nach Gewerkschaftern suchen. Das Schlimme an der Arbeit bei McDonalds ist nicht, dass du danach wie eine Fritteuse riechst. 
Was dich wirklich fertig macht, ist diese Arbeit, die so viel Konzentration fordert, dass du mit den Gedanken nicht abschweifen darfst, weil du sonst zu langsam für den Takt der Maschine bist und Fehler machst. Jedoch gleichzeitig so stumpf ist, dass du wahnsinnig dabei wirst, dich tatsächlich darauf zu konzentrieren. 
Wenn viel Betrieb ist, sind an der Hamburger Station vier Leute, aber meistens sind es zwei. Einer macht die Brötchen und packt ein, der andere belegt die Brötchen mit Salat und Soße und macht die Patties. Wenn der Soßenbold die Brötchen rübergelegt bekommt, dann muss er die Patties auf den Herd packen, und dann hat er keine 45 Sekunden Zeit um die Brötchen zu belegen, denn dann sind die Patties fertig. Das bedeutet, dass die Maschine die Geschwindigkeit von deinem Willen entkoppelt. Du musst in ihrem Takt arbeiten oder der Produktionsprozess geht schief. Die Maschine ist die Verkörperung des feindlichen Interesses des Kapitals. 
Wenn du dann irgendwann nach den ersten vier Stunden Pause bekommst, darfst du nicht mal essen was du willst. Du musst dir aus der Kontrolle Sachen nehmen, damit abrechenbar ist, für wie viel Geld du isst. Keine Ahnung wie hoch der Betrag ist, daran habe ich mich nie gehalten. Ich habe immer die ganze Zeit Chicken Nuggets gefressen und in der Pause habe ich mir nen Communism Crime Life Royal Käse mit Fritten gemacht und ne Obstüte geschnappt. Das muss man sich mal klar machen. Du produzierst da in den ersten zehn Minuten Cheeseburger im Wert von deinem gesamten Stundenlohn für die ganze Schicht. Und dann rechnen die dir noch das Fressen nach. Dann wagen die es auch noch im Pausenraum Plakate mit dem Spruch „My job, my life, my company“ aufzuhängen. 
Richtig lecker ist es auch, wenn an der Seife gespart wird. Da arbeitest du drei Tage in Folge und drei Tage in Folge ist keine Seife für die Mitarbeiter da. Yumyumyum. 
Was geil ist an der Arbeit bei McDonalds sind die verrückten Geschichten. Irgendwelche Leute, die in die Lobby kacken. Schlägereien, die wirken als wären sie von WWE inspiriert. Und Raubüberfälle für Cheeseburger. Alles schon gesehen. Völlig durch. 
Das täuscht aber alles nicht über den ekelhaftesten Teil der Arbeit hinweg. Wenn die Schichtleitung dich dazu zwingen will, Obdachlose aus dem Laden zu werfen. Das können sie auch nicht. Steht nicht in deinem Vertrag. In der Regel folgt daraus auch kein Problem, wenn du in der Hinsicht auf dem Vertrag bestehst. Du musst dich nicht an der Scheiße beteiligen, dass sie gegen die Leute denen es am dreckigsten geht ihr Profitinteresse durchsetzen wollen. „Die zahlen nicht!“, „Die blockieren Tische!“. Scheiß auf McDonalds

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