Karneval: „Köln wäre ratzfatz eine Geisterstadt“

Von Paula Irmschler

Allein in den letzten zwei Tagen hab ich von so vielen Übergriffen auf Frauen gehört, oder welche mitbekommen, es ist zum Heulen. Von Beleidigungen bis hin zu versuchter Vergewaltigung war alles dabei. Aber an Karneval „gehört das dazu“. Auch einige Frauen scheinen internalisiert zu haben, dass es „eben so ist“ und dass es wenig bringt, sich zu wehren oder sich überhaupt daran zu stören. An Karneval gibt es halt keine Gesetze, auch für die Leute, die sonst gern auf diese pochen. Wenn es nicht um sie selbst geht. Ermutigt, sich zur Wehr zu setzen, werden Frauen vor allem wenn es um – und gegen bestimmte Personengruppen geht. Zur Zeit sollen sie sich aber am Besten „nicht so haben“.
Keine Gesetze bedeutet: It’s a man’s world. Laut gröhlen, alles zumüllen, sich gegenseitig Gewalt antun und das vermeintliche männliche Recht auf Frauenkörper geltend machen. So sieht es offenbar aus, wenn man Menschen mal machen lässt. Das sind also diese gefallenen Hemmungen. Wenn man Menschen darauf anspricht, was nicht so geil ist an dieser Zeit, reagieren sie meist genervt oder reserviert. Sie sind nicht überrascht. Sie wissen genau, was da passiert und akzeptieren es als Normalität. Denn es ist einheimische Gewalt. Wer das kritisiert, ruiniert die Party oder soll halt abhauen. „Armlängen“-Sprüche sind DER running gag schlechthin. Sexuelle Gewalt, kennste? Ja.
Wären Deutsche so konsequent ihresgleichen gegenüber, wie sie es gern bei „Fremden“ wären, und würden sie sich selbst so behandeln, wie sie es sich für „die anderen“ wünschen – also let’s say: abschieben – Köln wäre ratzfatz eine Geisterstadt.

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