Gabriels Instinktlosigkeit öffnet die antisemitische Büchse der Pandora 

Von Aviel Sebastian Ben Joachim 

Eigentlich wollte ich mich gar nicht zu diesem Thema äußern und ich bin auch kein Fan des jetzigen israelischen Ministerpräsidenten. Aber mir geht die Galle über, wenn ich sehe, welch hämische Mist in den deutschen Medien und in den sozialen Netzwerke verbreitet wird. 

Es ist schon erstaunlich, wieviele Kommentatoren auf Fazebuch als „Experten“ für den Nahen Osten und für israelische Nichtregierungsorganisationen auftreten und eifrig ihren geistigen Dünnpfiff hinausposaunen müssen. Und es ist bemerkenswert, in wie vielen Kommentaren wieder einmal die Politik Israels mit doppelten Standards gemessen und bewertet wird und ich bekomme den Eindruck, daß man mit großer Freude uns Juden incl. Israel mal endlich zeigen möchte, wo der Hammer hängt. 
Der leider viel zu früh verstorbene scharfzüngige Publizist Eike Geisel hatte diese eifernde Beschäftigung vieler Deutscher mit uns Juden und Israel aufs Korn genommen und sehr treffend beschrieben: 
„Die Deutschen glauben sich durch die eifrige Vergangenheitsbewältigung selbst geläutert ergo aus der Geschichte gelernt und sich sich dadurch ein Verzeihen redlich verdient zu haben. Sie glauben, daß es sich bei den Juden genau umgekehrt verhält: Statt Auschwitz als Besserungsanstalt zu begreifen, führten sie sich wie ihre vormaligen Peiniger auf und bedürften daher einer ganz besonderen Fürsorge. Es ist, wie bereits Adorno befand: „Wenn man schon zugibt, dass Verbrechen geschehen sind, dann will man auch, dass das Opfer mitschuldig ist“. Wer sich dieser Sonderbehandlung der etwas anderen Art verweigert, wird bestraft, vorerst noch mit Liebesentzug in Form der „Israelkritik“, die Eike Geisel anlässlich des Golfkriegs 1991, aber nicht zum ersten Mal, als das identifizierte, was sie ist:
    „Im Namen des Friedens gegen Israel zu sein, ist etwas Neues. Denn dieses Ressentiment hat alle praktischen und politischen Beweggründe abgestreift. […] Dieser neue Antisemitismus erwächst weder aus niedrigen Instinkten noch ist er Ausfluss ehrbarer politischer Absichten. Er ist die Moralität von Debilen. Das antijüdische Ressentiment entspringt den reinsten menschlichen Bedürfnissen, es kommt aus der Friedenssehnsucht. Es ist daher absolut unschuldig, es ist so universell wie moralisch. Dieser moralische Antisemitismus beschließt die deutsche Wiedergutwerdung insofern, als sich durch ihn die Vollendung der Inhumanität ankündigt: die Banalität des Guten.
Diesen „hilflosen Antisemitismus“ fand Geisel nicht nur bei „Otto Normalvergaser“, sondern auch und vor allem bei den Linken aller Schattierungen, bei den Leitern evangelischer Akademien und in den Redaktionen linksliberaler Periodika wie auch bei den Paechs, Krippendorffs und anderen friedensbewegten, guten Deutschen. Schließlich waren sie es, die mit dem Verweis auf ihre vorgeblich tadellose Gesinnung und über den Umweg der Parteinahme für die Palästinenser als den „Opfern der Opfer“ Kategorien wie Nation, Volk und Heimat zu retten versuchten und den Antisemitismus in Gestalt des Antizionismus rehabilitierten. Auschwitz wurde – nicht nur von den Linken – als Chiffre für ins Äußerste gesteigertes Unrecht gebraucht (nicht zuletzt in Bezug auf Israel) und ansonsten für die nationale Sinnstiftung beansprucht, die im Berliner Holocaust-Mahnmal, dem „Monument der Vernichtungsgewinnler“, (14) schließlich Stein werden sollte (15):
    „Auschwitz war also doch noch gut ausgegangen. Dieser Unort war nicht das Massengrab nationaler Aufgaben und Verpflichtungen gewesen, vielmehr hatte dort die von den Juden geschaukelte Wiege eines ganz besonderen Gemeinschaftsgefühls gestanden. […] In Anerkennung ihrer Verdienste schenkt Deutschland den Ermordeten ein Denkmal. Diese waren zwar für nichts und wegen nichts umgebracht worden, aber vielleicht dafür, dass Lea Rosh in marktgängiger Edelbetroffenheit wieder ‚Wir Deutsche’ schreiben konnte.““ (Zitat aus „In memoriam Eike Geisel, 6. August 2007 von Lizas Welt )

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