Die Linke und der Rothschild-Banker Macron 

Von Michael Schreiner 

Robert Misik meint: wer jetzt vor der Stichwahl in Frankreich Emmanuel Macron schlechter redet, als er ist, „übernimmt das Wording der Le Pens, Trumps, Putins vollends und stellt Macron als kalten, neoliberalen Finsterling dar. Aber so einfach ist die Sache nun auch wieder nicht.“ 
Da hat Misik recht. Dass Macron alles andere als ein für Linke uneingeschränkt wählbarer Kandidat ist, stimmt natürlich.  Wirtschafts- und arbeitsmarktpolitisch ist sein Programm unbedingt zu kritisieren, muss Druck auf den potentiellen Präsidenten von Seiten der Linken und der Gewerkschaften ausgeübt werden. 
Hierin ist er durchaus politischer Gegner. 
Aber er ist nicht nur das, sondern auch ein weltoffener Kandidat mit gesellschaftlich liberalem Profil und überzeugter Europäer, der sich gegen nationale Abschottung ausspricht. Insofern ist er unbedingt Le Pen vorzuziehen, sollte daher jetzt unterstützt und gewählt werden. Eine politische Auseinandersetzung mit ihm muss nach der Wahl geführt werden. Bei der Stichwahl ist er die einzige Möglichkeit, eine rechtsradikale Präsidentin zu verhindern. 
Ich habe kein Verständnis für den Teil der politischen Linken, der meint, die Wahl zwischen Macron und Le Pen sei eine Wahl zwischen Pest und Cholera. Wenn wir schon so simplifizierend den Vergleich mit Krankheiten bemühen wollen, wäre eher von einer Wahl zwischen Lungenentzündung und Tuberkulose zu sprechen. 
Aber vertiefen wir das jetzt mal nicht. Und sprechen wir erst recht nicht über jenen Teil der sich im linken Umfeld herumtreibenden Wirrköpfe, die indirekt oder in manchen Fällen gar direkt davon sprechen, der „Rothschild-Banker“ Macron sei noch schlimmer als Le Pen, weil im Gegensatz zu ihr „Teil des Systems“. Diese Leute sind nicht weit entfernt von den Rechtsradikalen, sie eint der Wahn des strukturellen Antisemitismus. 
Dem Nachbarland wünsche ich einen deutlichen Sieg Macrons, oder passender formuliert: eine bittere Niederlage für den Front National. Und vor allem: der politischen Linken einen effektiven Neuformierungsprozeß, der bei der nächsten Präsidentschaftswahl eine chancenreiche Kandidatur gegen Macron ermöglicht.

Robert Misik dazu in der taz

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