Merkel öffnet die Ehe für alle in der Brigitte 

Von Julia Schramm

Also. 
1. Merkel war tatsächlich bisher gegen die Öffnung der Ehe, das war lange ihr konservativer Kern, das letzte bisschen echtes Unbehagen, wie sie es nannte und das hat sie lange auch gegen Stimmen in der CDU erhalten. 
2. Merkel ist eine klassische Herrscherin, die sich letztlich ganz in die Tradition von Elisabeth I oder Katharina der Großen einreiht. Was diese Frauen auszeichnete war, dass sie im entscheidenden Moment auf die Reform, auf das Volk, auf die Mehrheit, auf den Konsens gesetzt haben. Auch, weil sie ihre Position als Außenseiterinnen innerhalb des jeweiligen Systems erhalten mussten und so nicht auf die Eliten setzen konnten, sondern auf das Volk setzen mussten, um ihre Position zu halten. Und ihre Position als Kanzlerin ist wichtiger als ihre persönliche Position bei der Ehe. 
3. Das mag Opportunismus genannt werden ist aber die logische Konsequenz der Machterhaltung. Das nennt sich politisches Handwerk und sollte mittlerweile eigentlich allen bekannt sein. 
4. Wenn die SPD die Ehe für alle über Jahre blockiert, weil sie offenbar nicht regieren will und es dann zum Wahlkampfthema macht, räumt Merkel es eben ab. So einfach. Wenn nur die Ehe für alle als Druck auf Merkel bleibt, ja, dann macht sie es halt. 
5. In die Geschichte wird eingehen: Merkel öffnet die Ehe beim Brigitte Live-Talk. Egal wie sehr ihr euch abfeiert, liebe SPD. 
6. Deswegen verliert die SPD ständig Wahlen, weil sie sich als Gehilfe Merkels hinstellt, dann aber jammert, dass sie nichts umgesetzt bekommt und dann die rot-rot-grüne Mehrheit im Bundestag nichtmal für Wahlkampf nutzt, während die CDU lustig den Koalitionsvertrag bricht.

7. Die SPD hat offensichtlich überhaupt keinerlei Machtwille. Vielleicht liegt es an der Generation, die nicht wirklich kämpfen musste, die sich im Technokratismus einrichten konnte. Vielleicht haben sie Angst vor wasweißich, es ist auch egal, die Teletubbies haben mehr strategischen Machtwille als die derzeitige SPD-Führungsriege.
8. Merkel zeigt mit ihrem Nebenbei-Gestus in Verbindung mit dem überzeugenden „einschneidenden Erlebnis“ nochmal wie brilliant sie politische Kommunikation versteht und einsetzt und dass ihr niemand das Wasser reichen kann auf dem Gebiet.
9. Die rot-rot-grüne Mehrheit wird verloren gehen, Merkel wird weitere 4 Jahre thronen. Oder 8 oder 12. Wer weiß es schon. Ist halt sowas wie ne sozialdemokratische Monarchie in der wir leben. 
10. Danke an Leute wie Volker Beck, die unermüdlich gekämpft haben. Ohne den gesellschaftlichen Druck hätte Merkel nie eingelenkt. Es ist schlimm, dass Menschenrechte so zur Verhandlungsmasse werden. Aber nun, hate the game not the player.

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