Heute vor 44 Jahren: 9/11 in Santiago de Chile

Von Peter Laskowski

Heute vor 44 Jahren, am 11.9.1973 wurde in #Chile die demokratisch gewählte sozialistische Regierung der Unidad Popular unter Salvador #Allende durch das Militär weggeputscht wurde. Der Putsch beendete das dreijährige Projekt eines chilenischen Demokratischen Weges zum Sozialismus.

Der 11.9.1973 war der Beginn einer äußerst systematisch vorgehenden blutigen Diktatur, der eine ganze Reihe von Militärdiktaturen in Lateinamerika folgt.
Dem Putsch ging die Zeit der Regierung der Unidad Popular unter Salvador #Allende voraus, in der die UP, versuchte, ihr Wahlprogramm umzusetzen.

„Die wichtigsten Pfeiler dieses Programms waren die Nationalisierung des Kupferbergbaus und anderer in- und ausländischer Unternehmen wie die nordamerikanischen Konzerne ITT und Du Pont; die Kohlebergwerke, der Salpeterabbau und Textil- und Zementfabriken wurden verstaatlicht. 

In den Jahren der UP-Regierung wurden unter Führung des Landwirtschaftsministers Chonchol, einem ehemaligen Christdemokraten, 2.193 Latifundien mit einer Gesamtfläche von 3,5 Mio. Hektar in Kooperativen überführt oder an Bauern und Mapuche, die UreinwohnerInnen Chiles, zurückgegeben. 
Ein weiterer wichtiger Bestandteil der sozialistischen Reformen war die Verstaatlichung der Privatbanken durch Aktienkäufe der Regierung. 

Sozialpolitische Maßnahmen waren die kostenlose tägliche Verteilung von Milch an Kinder bis 15 Jahre; 1,8 Mio. Kinder erhielten zusätzlich ein Frühstück, 680.000 ein Mittagessen. Diese Programme, sowie der Aufbau eines Gesundheitssystems und der Bau von Wohnungen für 100.000 Menschen führten dazu, dass die Kindersterblichkeitsrate 1973 um 20% gesunken war.

Das Bruttosozialprodukt in Chile wuchs um 7,7%, das Produktionsvolumen um 13,7%, die Arbeitslosigkeit sank von 8,3% auf 3,8% und die Inflationsrate ging von 34,9% auf 22% zurück.“
Als die Unidad Popular im September 1973 ihr blutiges Ende fand, ging es der Junta nicht allein um die Ablösung einer Regierung und um die Wiederherstellung der alten Ordnung, also nicht um eine Konterrevolution, sondern um die Zerschlagung der gesellschaftlichen Dynamik, die den Sozialismus chilenischer Prägung überhaupt erst hervorgebracht hatte. 
Die Militärs gaben die Macht nicht wieder an die klassischen Eliten zurück, sondern an die bei Milton Friedman ausgebildeten „chicago-boys“. Diese fanden in Chile eine optimal hergestellte Situation vor: Demokratische Parteien, gewerkschaftliche Organisationen und Berufsverbände waren eliminiert worden oder standen wie Universitäten, Zeitungen, Radio- und Fernsehsender unter Kontrolle. Unter diesen Bedingungen konnten die „Chicago-Boys“ ihr #neoliberalen Programm zur Umgestaltung der Gesellschaftlichen Rahmenbedingungen im sinne der Optimierung der Ausbeutung der Arbeitskraft und der Maximierung von Profiten an. 
Es folgten Deregulierung des Kapitalmarktes, Abbau von Schutzzöllen, Privatisierung der Sozialsysteme und öffentlichen Dienstleistungen, der Bildung, Streichung von Subventionen. Die Rolle des Staates in der Wirtschaft wurde sukzessiv auf ein Minimum beschränkt. Chile nahm wieder seinen Platz in der kapitalistischen Weltökonomie als Exporteur preiswerter Rohstoffe und Anbieter kostengünstiger menschlicher Arbeitskraft ein.
Der 11. September 1973 war der Startschuss für das weltweit erste neoliberale Modell.
Die Voranstehenden Fakten stammen aus dem Buch „Fehler und Erfolge der Regierung der Unidad Popular in Chile“

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