Schlagwort-Archive: NSU

Wie viel V-Mann war der NSU? – Rechter Terrorismus und Geheimdienste

Junge Panke präsentiert:

Mittwoch 15. Oktober 20.00 Uhr Helle Panke Kopenhagener Str.9

V-Mann „Tarif“, V-Mann „Corelli“, V-Mann „Otto“, V-Mann „Hagel“, V-Mann „Küche“, V-Mann „Piatto“ – dies sind nur einige der bekannt gewordenen V-Männer unterschiedlicher Geheimdienste im nahen und weiteren Umfeld des „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU). Der NSU war die neonazistische Terrorgruppe, welche hinter den Morden an neun Migranten und einer Polizistin, drei Bombenanschlägen sowie etlichen Raubüberfällen stecken soll.
Die linke Innenpolitikexpertin im Bundestag, Martina Renner, vermutet, dass es noch weitere staatliche Spitzel im engsten Umfeld des NSU oder sogar unter den Terror-Unterstützern gab, die den Untersuchungsausschüssen vorenthalten wurden.
Dirk Laabs ist neben Stefan Aust der Autor des Buchs „Heimatschutz“. Auf über 800 Seiten wird darin die Geschichte der NSU-Protagonisten sowie der verschiedenen V-Männer erzählt.
Laabs und Renner werden an diesem Abend der Frage nachgehen, „Wie viel V-Mann war der NSU“?

Moderation: Dr. Gerd Wiegel

Kosten: 2,00 Euro; ermässigt 1 Euro

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„‪#‎NSU‬: Staat & Nazis Hand in Hand“- Verunglimpfung des Staates?-Zensur

„Unter Polizeischutz entfernte die Feuerwehr am Dienstagmorgen in Berlin-Kreuzberg Teile eine Wandbildes zum NSU-Bombenanschlag 2004 in Köln. Das Plakat erinnert an den Nagelbombenanschlag in der Kölner Keupstraße am 09.06.2004. Die Rechtsterroristen des NSU zündeten damals eine mit Nägeln und Schrauben gefüllte Bombe in der vor allem von Migranten bewohnten Straße. 22 Menschen wurden verletzt, vier davon schwer. Das mehrere Meter hohe Bild an der Brandmauer eines Ex-besetzten Hauses in der Manteuffelstraße war erst am Morgen vom Bündnis gegen Rassismus angebracht worden. Polizeibeamte beobachteten die Aktion und stellten wegen des Satzes “NSU: Staat & Nazis Hand in Hand” Anzeige wegen “Verunglimpfung des Staates”, wie ein Sprecher ZEIT ONLINE bestätigte. Da die Verantwortlichen sich weigerten den Satz selbst zu entfernen, wurde die Feuerwehr um Amtshilfe gebeten.“ mehr

+++ Vorab-Presse-Mitteilung+++

Berliner Landeskriminalamt lässt Wandbild zum zehnten Jahrestag des NSU-Nagelbombenanschlages in Köln zerstören

Kurz nachdem das lang geplante Wandbild heute Vormittag angebracht wurde, trafen Berliner Polizisten mit mehreren Mannschaftswagen und Gefangenentransporter an der Manteuffelstraße/ Ecke Oranienstraße ein und nahmen die Personalien aller dort Anwesenden (auch Passanten) auf. Begründung: Der Satz „Staats & Nazis Hand in Hand“ sei eine strafbare Verunglimpfung des Staates.
Mit großem Aufgebot und Einsatz einer Feuerwehrdrehleiter wurde der Satz aus dem Wandbild herausgerissen. Eine ausführliche Pressemitteilung zu diesem Vorfall folgt.

+++Druckfähiges Fotomaterial auf Anfrage vorhanden+++

anbei Fotos zum Wandbild

Presse-Kontakt: 0176- 82134394

Allmende e.V.
Bündnis gegen Rassismus

Kontakt: bundgrass@yahoo.de
buendnisgegenrassismus.org

„Der NSU ist nur die Spitze des Eisbergs“

Von 
Amadeu Antonio Stiftung

„Der NSU ist nur die Spitze des Eisbergs“ – die oft benutzte Floskel soll veranschaulichen, dass die rechtsextreme Szene gefährlicher ist, als bisher angenommen. Und trotzdem arbeiten sich Untersuchungsausschüsse und Gerichte nur an diesem kleinen Teil ab, wenn es um die Aufarbeitung des staatlichen Versagens im Umgang mit rechter Gewalt geht.

Den NSU als Einzelfall abzutun greift zu kurz. Denn bis heute stehen bundesweit Neonazis mit Haftbefehl auf der Fahndungsliste, derenAufenthaltsort den Sicherheitsbehörden unbekannt ist. Ein großer Teil der Neonazis verfügt über die Erlaubnis zum Waffenbesitz. Und rassistisch motivierte Täter sind bereit, Gewalt auszuüben. Im Schnitt zweimal täglich schlagen sie zu. Auch das ist nur „die Spitze des Eisbergs“. Denn laut der Europäischen Grundrechteagentur kommen nur ein Fünftel aller rassistischen Übergriffe zur Anzeige – weil die Betroffenen kein Vertrauen in die staatlichen Rechtssysteme haben.

Wir sollten nicht vergessen: auch die Mitglieder des NSU waren jahrelang untergetaucht, hatten Zugang zu Waffen und planten unerkannt ihre Mordserie an zehn unschuldigen Menschen.

19. Mai | Berlin-Buch | Ausstellungseröffnung | „Die Opfer des NSU“

„Die bilderreiche Wanderausstellung »Die Opfer des NSU und die Aufarbeitung der Verbrechen« […] beschäftigt sich mit den lebensbedrohlichen Bombenanschlägen in Köln, der Neonaziszene der 1990er Jahren und dem NSU-UnterstützerInnen-Netzwerk. Vor allem aber stellt sie die Mordopfer des NSU in den Mittelpunkt und verleiht ihnen anhand ihrer Biografien und den Erzählungen von Angehörigen ein Gesicht.“

NSU-Prozess: „Monopoly mit Auschwitz-Feld“

Von Tom Sundermann, Das NSU-Prozess-Blog 

Es war geistiger Sprengstoff, der in Beate Zschäpes Garage lagerte: das Nazi-Brettspiel Pogromly. Eins der letzten verbliebenen Exemplare dient der Anklage als Beweis für die Ideologie des NSU.

Du hattest auf ein Judengrab gekackt. Leider hattest Du Dir hierbei eine Infektion zugezogen. Arztkosten: 1000 RM (SS-Karte)

Was Fahnder des Thüringer Landeskriminalamts am 26. Januar 1998 in einer Garage in Jena fanden, war so gefährlich, dass ein Sprengstoffkommando anrücken musste. Vier Rohrbomben, eine Zündvorrichtung aus einem Wecker, insgesamt 1,4 Kilogramm hochexplosives TNT-Gemisch. Die Ermittler hatten eine Bombenwerkstatt ausgehoben, untergebracht in der Garage von Beate Zschäpe. Dass sie auch geistigen Sprengstoff sichergestellt hatten, fiel ihnen erst später auf. Etwas versteckt, im Durchsuchungsprotokoll aufgelistet unter Nummer 18, findet sich das Asservat mit der Bezeichnung “ein Spiel mit dem Namen Pogromly”. Weiter hier… 

Hellersdorf ist überall-Demos gegen Rassismus und Faschismus

Der Blick in den Rest der BRD:

* In Hamburg demonstrierten über 15.000 Menschen in Solidarität mit den Lampedusa-Geflüchten, die vom Hamburger Senat in den letzten Wochen drangsaliert wurden. Nach einer irrwitzigen Massenkontrolle mit 800 Polizeibeamt_innen, die einzig nach der Hautfarbe kontrollieren sollten, um illegal in Hamburg lebende Geflüchte ausfindig zu machen, kam es zu tagtäglichen Solidarisierungen durch antirassistische Aktivist_innen. Der Höhepunkt ist die bundesweite Demonstration am heutigen Tag gewesen, nachdem der Hamburger Innensenator schon einknicken musste und die rassistischen Kontrollen einstellen ließ (gegen die sich sogar bei den Polizist_innen moralische Zweifel entstellten).

* In Schneeberg sind z.Z. 800 Antifaschist_innen auf der Straße, um sich dem fackeltragenden Volksmob aus knapp 1000 Bürger_innen und organisierten Nazis entgegenzustellen. Wie auch in Hellersdorf richtet sich der Zorn des Mobs gegen eine Asylbewerber_innen-Unterkunft, die vor wenigen Wochen eingerichtet wurde. Dies ist schon der zweite Fackelmarsch, der zu dieser Thematik in Schneeberg die widerlichen Gestalten auf die Straße bringt. Aktuell stehen die Antifaschist_innen in einer angemeldeten Demonstration zwischen der dortigen Unterkunft und der Nazidemo.

* In Aachen demonstrierten 120 Menschen in Solidarität zu den Geflüchteten in Hamburg. Dabei wurden sie immer wieder von ca. 20 Nazischlägern angegriffen, die Polizei ging nur halbherzig dazwischen. Insgesamt sollen sich knapp 60 gewaltbereite Nazis im Stadtgebiet aufhalten. Zudem provozierten die Nazis an der Demoroute mit einer Flagge der griechischen Nazipartei „Golden Dawn“, die ein stilisiertes Hakenkreuz beinhaltete. Auch das störte die Polizei nicht, sie ließ die Nazis gewähren. Nach den Übergriffen wurden viele Verletzungen festgestellt. Gegen 19:45 erschienen weitere Nazis vor dem lokalen Autonomen Zentrum.

* In Berlin demonstrierten heute im Rahmen des Bündnisses gegen Rassimus hunderte Leute in Erinnerung an den NSU-Terror und thematisierten das Ineinandergreifen von alltäglichem und institutionellem Rassismus und dem Terror der Extremen Rechten. Ebenfalls in Berlin-Moabit wurde in einer neuen Unterkunft für Asylbewerber_innen ein Willkommensfest gefeiert.

Wir sehen immer wieder: Hellersdorf ist nur eine Facette des antirassistischen Diskurses, der das zweite Halbjahr 2013 massiv bestimmt hat und auch weiter bestimmen wird.

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Demos in Berlin zum NSU-Prozessauftakt